Weihnachtsbeleuchtung – weniger ist mehr!

Weihnachtsbeleuchtungen sind schön – da stimme ich jedem zu, der sich eine Lichterkette ins Fenster hängt. Was allerdings nicht mehr so schön ist: spätnachts noch von der üppigen Weihnachtsbeleuchtung der Nachbarn wachgehalten zu werden.

0:30 nachts. Eigentlich eine – für mich als Studentin – recht gute Zeit, um den Laptop zuzuklappen und schlafen zu gehen. Dachte ich mir. Kaum habe ich allerdings das Licht ausgeschaltet und mich in mein Bett gekuschelt, halte ich verdutzt inne. Habe ich irgendwo eine Lampe vergessen oder noch einen Bildschirm angeschaltet?

Recht schnell wird mir allerdings bewusst: das Licht kommt nicht aus irgendeiner Ecke meines Zimmers, es dringt von außen herein. Nachdem ich mir ziemlich sicher bin, dass heute kein Supermond die Nacht erhellt, möchte ich doch wissen, was mein Zimmer da so ausgiebig erleuchtet.

Neugierig ziehe ich also meine Vorhänge zurück und finde mich Auge in Auge (oder eher Auge in LED-Lampe) mit einer Lichterkette direkt gegenüber wieder. Aber nicht mit irgendeiner Lichterkette, oh NEIN! Dieses spezielle Exemplar ist ein riesengroßer Merry Christmas-Schriftzug in einem solch grellen Blau, dass ich es noch durch meine geschlossenen Augen sehen kann.

Na fabelhaft, denke ich mir! Das kann ja noch eine schöne Vorweihnachtszeit werden! Etwas missmutig steige ich zurück in mein Bett, ziehe mir die Decke über den Kopf, um das Licht in meinem Zimmer auszublenden. 

Nach ein paar eher schlafarmen Stunden steht für mich schließlich fest: keine weitere Nacht mit der Lichterkette, die sogar mehr Leuchtkraft hat, als meine eigene Nachttischlampe! Ich beschließe mein Leid den Verantwortlichen dieser Lichtemission persönlich zu klagen. Bereits am nächsten Tag suche ich die Wohnung im gegenüberliegenden Gebäude auf – die Lage kann ich mit Blick auf das Merry Christmas Fenster gut einschätzen.

Ich läute an der Wohnungstür und zu meiner Überraschung öffnet mir eine junge Frau in meinem Alter. Überrascht deshalb, weil ich bei Lichterketten eher an Familien mit kleinen Kindern denke, oder auch an Pensionistinnen (ja ich denke hierbei mehr an Frauen als an Männer) mit ausgeprägter Liebe zu Weihnachtsartikeln.

„Guten Morgen“, beginne ich sehr geistreich, denn auf das eigentliche Gespräch habe ich mich nicht wirklich vorbereitet. „Gehört dir zufällig die blaue Lichterkette?“

Die junge Dame sieht mich einen Moment verwirrt an, ehe es bei ihr Klick zu machen scheint.

„Das Merry Christmas, meinst du?“, fragt sie mich. Auf mein Nicken meint sie dann etwas verlegen: „Ja, die ist von uns. Darf man hier so etwas nicht aufhängen oder so? Ich bin nicht aus Wien!“

Kaum habe ich ihr erklärt, dass das Problem eher an der Zeit und der intensiven Helligkeit der Lichterkette liegt, stehe ich auch schon bei ihr in der Wohnung. Sogleich bekomme ich ungefähr ein Dutzend verschiedene Weihnachtsbeleuchtungen in den unterschiedlichsten Formen und Farben gezeigt. Zusammen mit der jungen Dame, die sich mir als Laura vorstellt, durchwühle ich nun die Kiste voller Beleuchtungen auf der Suche nach etwas Augenschonenderem, als die knallblaue Lichterkette.

Schließlich schaffen wir es uns auf einen kleinen Weihnachtsbaum mit schwächer leuchtenden, weißen Glühbirnen zu einigen, den Laura und ich zusammen anstecken. Ich teste das Teil auch auf seine Helligkeit, indem ich es aus der Perspektive meiner Wohnung ansehe.

Als wir uns sicher sind, dass der Baum niemanden stören wird und nachdem Laura mir auch versprochen hat, die Beleuchtung spätestens dann auszuschalten, wenn sie schlafen geht, tauschen wir schließlich sogar unsere Nummern aus. Neben all der Aufregung um die Lichterkette haben wir nämlich festgestellt, dass wir beide dieselbe Leidenschaft für die Serie Sherlock hegen!

Was soll ich da noch groß sagen? Mein Problem mit der Lichterkette hat sich ohne Konflikte wie von selbst gelöst, und ich habe eine neue Bekanntschaft geschlossen – viel mehr kann man sich doch gar nicht wünschen!

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