Eggenberg: von Gemeinsamkeiten und Grenzüberschreitungen

Was haben die Bezirke Eggenberg und Wetzelsdorf gemeinsam?

Wahrscheinlich so allerhand, aber auf alle Fälle einen Pfarrer. Aber dazu noch später.

Am Weg zu meinem Interview radle ich ein wenig durch den Bezirk und nähere mich quasi in konzentrischen Kreisen meinem Ziel, der Pfarre Schutzengel.

Die Gegend würde ich als “lauschig” beschreiben, schmucke Einfamilienhäuser umgeben von Gärten mit teilweise altem Obstbaumbestand und dem einen oder anderen – zu dieser Jahreszeit überquellenden – Hochbeet reihen sich aneinander. Jene Straßen, durch die ich radle, wirken beschaulich und verkehrstechnisch nicht überlaufen. Dennoch kommt man nicht umhin, auch in diesem Teil von Eggenberg jenen Trend zu erkennen, über den sich die Menschen in vielen Teilen von Graz nicht nur freuen: Verdichtung. Ganz offensichtlich herrscht in den letzten Jahren rege Bautätigkeit, ganze Straßenzüge sind “aus dem Boden gewachsen”. Meist kommen größere Bauträger ins Spiel, sobald ein Einzelgrundstück mit einem Einzelhaus “frei” wird. Sind auf diese Weise dann einige benachbarte Einzelgrundstücke erworben, wird ein Wohnblock errichtet, mit sicher sehr schönen Wohnungen, Balkonen, Lift und Tiefgaragenplatz … willkommen im Stadtleben.

Ganz in der Nähe der Pfarre setz ich mich auf ein Bankerl und beobachte das rege Treiben am Bezirkssportplatz. Das Fußballfeld wird von einer bunten Truppe Jugendlicher bespielt. Mir fällt auf, dass auch zwei Mädchen mit von der Partie sind, eines von ihnen hat den Ball mitgebracht. Die Teameinteilung geht ratz-fatz, das Spiel beginnt und allfällige Schiedsrichterentscheidungen werden kollektiv getroffen. Das dabei verwendete – interkulturelle – Vokabular würde ich jetzt vielleicht nicht als “salonfähig” bezeichnen, unterm Strich ist es jedoch bewundernswert, wie die Jugendlichen das managen.

Jetzt aber zu meinem Interviewpartner, Pfarrer Wolfgang Schwarz. Die Pfarren Schutzengel und Christkönig dürfen sich nämlich beide glücklich schätzen, ihn als Pfarrer zu haben, da seit 2012 zwischen diesen Pfarren ein bezirksübergreifender Pfarrverband besteht.

So eine Pfarrzusammenlegung mag am Papier vielleicht rasch(er) passiert sein, in der Realität ist das Geheimnis des Erfolges: Zeit! – bestätigt auch Wolfgang. Sich gegenseitig kennenzulernen und langsam anzunähern, Gemeinsamkeiten zu entdecken und auch den Verschiedenheiten Platz zu geben, braucht einfach Zeit und Geduld. “Fast wie in einer Nachbarschaft” vergleicht es Wolfgang.

In diesem Pfarrverband ist das sehr gut gelungen und auch wenn Wolfgang in der Pfarre Schutzengel wohnt, spürt man, dass er in beiden Pfarren daheim ist und Pfarrgrenzen dazu da sind, überschritten zu werden. Praktisches Bespiel dafür ist der Besuch, der am Ende meines Gesprächs mit Wolfgang vorbeikommt. Es sind drei Menschen aus Wetzelsdorf, die “ihren” Pfarrer in Eggenberg besuchen. Und nachdem wir Gäste alle das erste Mal da sind, bekommen wir eine kleine Führung zu den zwei Balkonen, deren Begrünung sehr an einen Gemüsegarten oder zumindest an ein “g´sundes Kistl” erinnert … Paprikakostprobe inklusive. Keine Überraschung also, dass diese Balkone zu Wolfgangs Lieblingsplatzerln zählen.

In meinem Interview bekomme ich außerdem auch eine komprimierte historische Einführung in die Geschichte der Pfarre Schutzengel, deren offizieller Name da lautet: Kaiser Franz Josef Jubiläumskirche zu den heiligen Schutzengeln.

In den 90er Jahren führt Platznot, der Wunsch nach Räumlichkeiten für die Jugendlichen und die Notwendigkeit einer Barrierefreien Kirche zu gröberen Bautätigkeiten und in Folge zu einer neuen Kirche – frei nach dem Motto: wenn schon, denn schon. Heute präsentiert sich das Areal rund um die Kirche sehr idyllisch, fast wie ein kleiner Dorfplatz. Von da erreicht man die lichtdurchflutete Kirche, die Pfarrräumlichkeiten (Pfarrkanzlei, Pfarrcaritas, …), den Kindergarten und das Wohnprojekt Haus Rafael, bei dem “Solidarität im Alter” nicht nur im Titel steckt sondern auch gelebt wird.

In diesem Haus Rafael hat auch Pfarrer Schwarz seine privaten Räumlichkeiten, sowie eine Pfarrwohnung, in deren geräumigen Küche wir für das Interview zusammensitzen. Apropos Küche: ich platze mit meinem Interview genau in die Planung eines Mittagessens hinein. Es geht um den Besuch im georgischen Restaurant Tamada. Planen – am besten einen Tag VOR dem Restaurantbesuch – muss man diesen deswegen, weil es sehr viele der Köstlichkeiten auf der Speisekarte nur auf Bestellung gibt. Aber es zahle sich aus, lass ich mir sagen – und immerhin weiß man dann schon, auf was man sich freuen darf.

Ständig auf der Suche nach den verschiedensten Lieblingsplatzerln nennt mir Pfarrer Schwarz auch noch die Allerheiligen Kirche. Nach meinem sonntäglichen Ausflug zu diesem hellen, freundlichen Kirchlein, das bald den 600. Geburtstag feiert, bin ich mir sicher, dass er nicht der einzige Mensch ist, der diesen idyllischen Ort zu seinen Lieblingsplatzerln zählt.

 

PS: und jetzt verrate ich noch, was Pfarrer Schwarz beim Georgier bestellt hat: Atschma als Vorspeise (laut Pastoralassistentin wie Käselasagne … nur besser) und zur Hauptspeise Forelle in Granatapfelsauce mit Tamada (Gurken- und Tomatensalat mit Walnüssen, … letztere spielen offensichtlich in der georgischen Küche eine sehr große Rolle, sieht man sich die Speisekarte an).

 

 

 

 

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