Die Studenten-WG: Genauso chaotisch, wie sie klingt?

Seit schon beinahe zwei Monaten wohne ich jetzt in einer Studenten-WG und kann stolz behaupten, dass wir allesamt noch nicht komplett im Chaos versunken sind. Das dies so bleibt, dafür sorgen wir als Gemeinschaft!

Vorerst ein kurzes Bild über uns: Wir, das sind 6 Studenten aus den unterschiedlichsten Orten der Welt, die sich gemeinsam eine Wohnung teilen. Sei es nun Serbien, Deutschland oder China – wir sind eine sehr multikulturelle WG. Im Wort WG steckt ja auch schon das Wort Gemeinschaft drin, denn das ist, was wir eigentlich sind: Eine Art kleine Nachbargemeinschaft. Zwar haben wir getrennte Zimmer, sind aber definitiv mehr als nur Nachbarn! Dadurch, dass wir alle oft am Lernen sind, sehen wir einander nur, wenn wir uns nach getaner Arbeit aus unseren Zimmern herauswagen. Wenn wir aber erst einmal aufeinander treffen, dann geht so schnell niemand mehr zu seinem Bücherstapel zurück! So kommt es immer wieder vor, dass wir gemeinsam in der Küche stehen und beim begeisternden und auch sehr schiefen Schmettern von Liedern glatt die Kartoffeln anbrennen. Auch abends gehen wir hin und wieder zusammen aus oder beklagen im aneinander Vorbeigehen unser enormes Lernpensum (das betrifft vor allem Andi und mich, die beiden Techniker der WG – geteiltes Leid ist halbes Leid). Das ist auch das, was ich an dieser WG so lieb gewonnen habe: Wir wohnen nicht nur nebeneinander, wir wohnen miteinander.

Abwasch – oder auch Stapeln, bis es gefährlich wird

Für gewöhnlich hört man aus WGs, dass sich beim Abwasch keiner wirklich angesprochen fühlt. Noch mühsamer ist es, wenn man nicht einmal den Luxus einer Geschirrspülmaschine besitzt. Bei uns sieht das etwas anders aus: Zwar reinigt nach Gebrauch jeder brav sein Geschirr und seine Kochutensilien – danach landen diese aber zum Trocknen (das durchaus eine Woche dauern kann) in dem Plastikgestell neben der Spüle. Ausgeräumt wird dieses dann auch nur, wenn jemand nach einem Teller sucht und dabei mindestens ein Glas zerbricht. Ich muss zugeben, auch ich bekenne mich schuldig – das Abwaschen an sich nimmt nämlich nicht sonderlich viel Zeit in Anspruch, mit dem Abtrocknen und dem Einräumen sieht es da schon anders aus!

Dafür haben wir inzwischen eine Lösung gefunden: wir bilden ein Zweierpaar! Eine Person kocht, die andere ist zuständig für den Abwasch! Eine Methode, die garantiert funktioniert und die obendrein wertvolle Studierzeit einspart. Wer nicht in einer WG wohnt, aber sich gut mit seinem Nachbarn von nebenan versteht, könnte auch in Erwägung ziehen, hin und wieder eine Portion mehr zu kochen.

Putzen? Noch erkennt man, dass wir Parkettboden haben

Zum Glück haben wir, wenn man unsere Disziplin beim Aufräumen so betrachtet, eine Putzfrau, die unsere gemeinsamen Räume – also Küche, Wohnzimmer und Bad – reinigt. Unsere eigenen Zimmer müssen wir dafür jedoch selbst putzen, dafür haben wir in unserem Wohnzimmer zwei Staubsauger stehen, die wir uns mit der WG im nächsten Stockwerk teilen. Das funktioniert allerdings ziemlich gut, bis jetzt ist noch niemand von uns in seinem eigenen Staub versunken (zumindest sieht man den Boden noch).

Einige meiner Mitstudenten, die ebenfalls in WGs wohnen, haben den Luxus einer Putzfrau leider nicht – die müssen mit selbsterstellten Putzplänen über die Runden kommen.

Da diese aber auch sehr oft zum Scheitern verurteilt sind, stelle ich hier eine originelle aber auch eigenwillige Methode vor. Meine Freundin, ebenfalls eine WG-Bewohnerin, besitzt den Router der Wohngemeinschaft und ist Herrscherin über das WLAN Passwort. Eine Machtposition, mit der sie das Putzzepter fest in der Hand hält. Befindet sie es wäre an der Zeit die Wohnung wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen, ändert sie das WLAN Passwort. Zugang zum neuen Passwort bekommen ihre Mitbewohnerinnen erst nach getaner Arbeit. Sie selbst ist nicht Teil des Putzteams. Eine wichtige Aufgabe für die Gemeinschaft hat sie trotzdem. Mit einer von allen erstellten Liste und dem Geld aus der Gemeinschaftskasse erledigt sie die Einkäufe. Da kein Lebensmittelgeschäft in unmittelbarer Nähe zur Wohnung vorhanden ist, ist dieser Dienst auch viel wert.

Der einzige Nachteil an der WG: Das gemeinsame Badezimmer

Auch, wenn wir uns ansonsten kaum in die Quere kommen – sei es nun beim Kochen oder beim Lernen am Wohnzimmertisch – das Badezimmer ist dann doch etwas problematischer. Für die Morgentoilette gibt es nämlich zwei besonders beliebte Zeitpunkte: Spät abends vorm Schlafengehen und frühmorgens vor der Uni.

Da wir allerdings allesamt recht ähnliche Bettzeiten haben, kommt es durchaus vor, dass zwei – wenn nicht sogar drei – Leute gleichzeitig das Badezimmer benutzen möchten. Ein blockiertes Badezimmer bedeutet für die Wartenden vor allem eines: Stress und Angst vorm Zu-Spät-Kommen. Verzweifelt an die verschlossene Badezimmertüre zu hämmern ist für uns aber keine Lösung. Daher schwören wir auf die superpraktische WhatsApp-Gruppe, mit der wir unsere Bade- und Duschzeiten im Vorhinein abklären. Ergebnis: mögliche Kollisionen konnten bislang erfolgreich verhindert werden.

Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden mit der Wahl meiner neuen Behausung – mit so netten Leuten in einer Gemeinschaft zu leben, erleichtert die Organisation meines Alltags enorm. Sollte ich in Zukunft eine Wohnung alleine bewohnen, hoffe ich auf ähnliche Dynamiken gegenseitiger Unterstützung unter Nachbarn. Damit wir uns das tägliche Leben leichter machen!

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