… der mit dem höchsten Bauwerk von Graz

Mit ihren stolzen 109,6 Meter in die Höhe, 62 Meter in die Länge und 23,6 Meter in die Breite überragt die fast 130 Jahre alte Herz Jesu Kirche doch tatsächlich ganz Graz.

Der Bezirk Leonhard, der erst 1900 vom Bezirk Jakomini als eigener Bezirk abgetrennt wird, zeichnet sich aber nicht nur durch dieses beeindruckende sakrale, neugotische Bauwerk in rotem Backstein aus, sondern weist auch eine beachtliche Dichte an diverser Bildungseinrichtungen auf:

Aber nicht nur für geistige Nahrung ist gesorgt, am Kaiser Josef Platz – kurz am Platz – bieten zahlreiche Bauern/Bäuerinnen aus dem Umland ihre Produkte am täglichen, größten Markt von Graz an. Aber nicht immer muss es der Platz sein:

Man stelle sich eine lustige Gesellschaft im Umland von Graz vor, es wird etwas gefeiert, es wird gut gegessen – sehr gut sogar, und es wird laut überlegt, wie toll das doch wäre, diese regionalen Köstlichkeiten öfters und näher zur Verfügung zu haben.

Und dann stelle man sich vor, dass es Menschen gibt, die diese Idee weiterdenken, Lösungen anbieten, Netzwerke knüpfen und ….

Voilà, schon ist er ins Leben gerufen, der Bauernmarkt St. Leonhard. Diese Initiative, stark mitgetragen und gefördert von Herrn Pfarrer Schrei, gibt es nun schon seit über 2 Jahren, zu finden ist er mittwochs von 12.00 – 16.00 am Kirchplatz der Leonhardkirche.

Gabi, von Anfang an mit ihren Bioprodukten dabei, erzählt, dass die Auswahl des Angebots keine willkürliche sei. Einzigartig an diesem Markt ist nämlich, dass es für jedes Produkt nur eineN AnbieterIn gibt. Dahinter steht der Gedanke, dass der Markt viel zu klein ist, um sich auch noch gegenseitig Konkurrenz zu machen und es um Solidarität unter den landwirtschaftlichen Betrieben geht.

Susi vom Hofladen Pölzl bietet Gemüse an (vorbeikommende Kinder aus dem angrenzenden Kindergarten bekommen dann schon mal eine Karotte – je nach Wunsch mit “Bart” oder ohne), bei Werner und Ingrid Hofer bereiten viele verschiedene Brote, Äpfel, Säfte, Liköre und Edelbrände ein himmlisches Vergnügen (… wie man am Firmenauto lesen kann …).

Alles von der Ziege ist bei Familie Schögler zu haben, Fisch wiederum bietet Familie Leitner an, an deren Stand es auch Milchprodukte aus der Sennerei-Leitner gibt, die wiederum mit dem Käseaffineur Möstl in Sachen Stollenkäse kooperiert.

Wie man sieht, das Angebot – einerseits perfekt überschaubar, weil das Areal klein ist, andererseits aber dennoch extrem vielfältig – verleitet einen, gleich den Speiseplan für die nächsten Tage und Wochen festzulegen. So ist auch die Idee entstanden, mit zur Ware passenden Kochrezepten den KundInnen noch mehr Gusto zu machen und die Zutaten quasi gleich bereit zu stellen.

Was ich auf alle Fälle schon bei meinem ersten Besuch auf diesem Markt mitbekomme, ist die nette, einladende und gemütliche Atmosphäre, die – laut den Damen von den Marktständen – nur noch getoppt wird durch die Tatsache, dass es normalerweise noch einen köstlichen Kaffee von der FahrBar gibt – also alles da, was ein Lieblingsplatzerl so braucht. Das findet auch die gerade vorbeikommende Elisabeth, sie leitet den Pfarrkindergarten, dessen Garten genau an den Marktplatz angrenzt.

Ein paar Schritte weiter besuche ich die Bewohner des Vinzidorfes, einem Dorf mitten in der Stadt.

Rein “technisch” könnte man von einer Dauerherberge in Containern sprechen, die es seit 1.12.1993 gibt, in der 33 Männer Unterkunft finden, ein warmes Essen am Tag garantiert und Unterstützung bei diversen behördlichen Angelegenheiten geboten wird.

Mit dieser Beschreibung würde man dem, was das Vinzidorf darstellt, aber in keinster Weise gerecht werden. Es ist viel mehr als diese “technischen” Daten. Es hat alles, was ein echtes Dorf auch hat: einen Dorfplatz, ein Gemeindeamt (das Büro), eine Kirche (der Besinnungscontainer), ein Gasthaus (der Aufenthaltsraum), ein Krankenhaus (die Vinzimed-Station) und einen Friedhof. Und es bietet diesen 33 Männern, die aus welchen Gründen auch immer in einer schwierigen Situation sind, die sich niemand freiwillig aussuchen würde, ein Zuhause. Ein wesentlicher Aspekt der Philosophie hinter dieser Einrichtung ist, dass es nicht darum geht, die Menschen zu ändern, irgendwohin zu motivieren oder vorgegebene Ziele zu erreichen. Es darf jeder so sein/bleiben, wie er ist … und das hat viel mit Würde zu tun.

Die gemütlich am Dorfplatz zusammen sitzende Runde bestätigt das. Einige gehören schon lange zur Dorfgemeinschaft, andere erst seit Kurzem. Über das Personal (Chefin, PraktikantInnen, ehrenamtliche MitarbeiterInnen) wird in rührenden Worten rückgemeldet: “Wir lieben sie!”.

Frau Sabine Steinacher, seit 2015 Leiterin des Vinzidorfes, verrät mir mit einem Augenzwinkern ihren Spitznamen: “Häuptling”. Als Lieblingsplatz nennt sie den Dorfplatz, der als Begegnungsort – vor allem in der wärmeren Jahrszeit – fungiert. Aber auch jener Abschnitt des Friedhofs in St. Leonhard, der eigens für die Verstorbenen aus dem Vinzidorf angelegt wurde, ist für sie etwas Besonderes, die schiefen Kreuze symbolisieren, dass im Leben halt nicht immer alles “gerade” läuft.

Viele Menschen tragen diese Idee des Vinzidorfes mit, teils durch finanzielle Spenden, teils durch Sachspenden (die Bewohner bekommen seit vielen Jahren täglich nach Geschäftsschluss das übriggebliebene Brot der Auer-Filiale in Leonhard und aus dem LKH die übrig gebliebenen Leberstreichwurst- und Margarinepackerln), teils durch ehrenamtliche Mitarbeit (wird immer gesucht!!!!).

Auch im nächsten Blogbeitrag geht es weiter in St. Leonhard.

 

Herz Jesu Kirche

Bauernmarkt St. Leonhard

Bioprodukten

Hofladen Pölzl

Familie Schögler

Familie Leitner

Milchprodukte

Käseaffineur Möstl

Stollenkäse

FahrBar

Vinzidorf

 

 

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