Auf der Ries, in der Vorstadt

Wie schon in meinem letzten Blog angekündigt, geht es diesmal weiter im Bezirk Ries. Ich treffe mich mit Bezirksvorsteher Herrn Josef Schuster im Cafe Vorstadt. Der Name dieses gemütlichen Cafes ist irgendwie bezeichnend für den ganzen Bezirk, wohlgemerkt in positivster Weise. Ries liegt VOR der STADT, hat also neben viel Ländlichem auch viel Städtisches zu bieten. Genau diese Kombination schätzen viele BewohnerInnen, weiß auch Herr BV Schuster zu berichten. Politisch ist er schon seit 1999 tätig, Bezirksvorsteher in Ries nun seit einem Jahr und – was sich in seinen Erzählungen widerspiegelt – erfüllt er dieses Amt mit Herz und Seele. So sieht er es als seine Aufgabe, auf die Menschen aktiv zu zugehen, ein offenes Ohr zu haben und ihre Anliegen nicht als “bloße Kleinigkeiten” abzuwerten.

Oft ist es aber auch so, dass die BewohnerInnen aktiv auf ihn zugehen, er angesprochen oder angemailt wird und eine Schilderung der Anliegen oder Probleme bekommt. Im nächsten Schritt schaut er sich “die Sache” genauer an bzw. klärt Details per Telefon oder im Rahmen eines Lokalaugenscheins. Je nach Art und Größe des Anliegens, landet dann ein Bezirksratsantrag beim zuständigen Stadtrat bzw. der zuständigen Stadträtin … und dann kommt die Phase des Nachtelefonierens, in der Herr Schuster manchmal sehr dankbar dafür ist, dass es quasi keine Minutentarife mehr gibt…

Und auch wenn man in der Position eines Bezirksvorstehers hin und wieder mit kritischen Stimmen oder nicht immer ganz wertschätzend vorgebrachtem Feedback umgehen können muss, überwiegen für ihn die schönen Momente. So findet er es besonders erfüllend, wenn entweder etwas schnell zu aller Zufriedenheit zu klären ist (z.B.: die Organisation eines zusätzlichen Hundesackerl-Spenders oder die Errichtung eines Bankerls) oder er z.B. die Ehre hat, bei einem Sportevent die Medaillen zu überreichen. Zum hiesigen Sportverein hat er übrigens eine ganz besondere Beziehung, war er doch viele Jahre Jugendleiter und Trainer im Union JSV  Ries-Kainbach. Ein Verein, der sich durch die Besonderheit auszeichnet, aus der Fusion zweier Vereine über Gemeindegrenzen hinweg entstanden zu sein, frei nach dem Motto “aus der Not eine Tugend machen”: bei der Suche nach einem größeren Ersatz für den Sportplatz am Rieshang, zeigt sich nämlich, dass die Nachbargemeinde Kainbach auch gerade einen Sportplatz plant. Das ist nun 10 Jahre und mehrere Auszeichnungen für den besten Breitensportverein oder den größten Nachwuchsverein Österreichs her.

Herr Schuster, aufgewachsen im Bezirk Feldbach, nennt mir als persönliches Lieblingsplatzerl den Wald, in dem man im Bezirk Ries immer schnell ist, egal von wo man losstartet.

Bei einer sonntäglichen Radtour entdecke ich dann noch ein paar interessante Details:

Skyline von Ries

Gedenkstätte

Neben der “Skyline” von Ries stoße ich beim “Radl-auf-die-14%-steile-Ries-Schieben” am linken Straßenrand auf eine Gedenkstätte, an der 7 jungen Wehrmachtsoldaten gedacht wird, die Anfang April 1945 desertiert sind und dafür am 4. April erschossen wurden. Das Denkmal auf der Ries ist – so wird vermutet – das älteste Denkmal, das Deserteuren gewidmet ist.

Ein Stück weiter radle ich nach der AR – Sieldung (steht für “Ausblick Ries”), die ihrem Namen wirklich gerecht wird den Berg hinunter und Richtung Ragnitz, von wo ich den Radweg zurück in die Stadt nehme und auch noch die eine oder andere interessante Skulptur entdecke.

Ganz in der Nähe vom Cafe Vorstadt besuche ich meine nächste Interviewpartnerin: Margit, die seit gut 35 Jahren hier wohnt. Auch wenn es nicht so wäre, dass ich Margit vom Musizieren kenne, würde man beim Betreten dieses Hauses spüren, dass hier auch die Musik daheim ist. Das liegt teils am Klavier, das seinen Platz mitten im Wohnzimmer hat aber auch an der Geige, die auf selbigem spielbereit obenauf liegt. Aber so richtig zeigt es sich, weil sogar in der Küche die Schneidbretter die Form von einem Geigenkorpus haben. Hier wohnt also Margit mit ihrer Familie, zu der nebst Mann und drei mittlerweile erwachsenen Töchtern in den letzten Jahrzehnten auch die verschiedensten Haustiere zählen. Und genau das fällt auch auf, im Bezirk Ries: er ist im wahrsten Sinne des Wortes tierisch gut. Ganz egal, ob es um den Gockelhahn samt Hennen gleich daneben geht (wobei das morgendliche Krähen durchaus nicht immer nachbarschaftliche Freu(n)de macht), um eine Eselsfamilie auf der Nachbarswiese, junge Kätzchen, die unter Vortäuschung falscher Tatsachen (“Papa, ich muss das Kätzchen retten, die Nachbarn wollen es nämlich ertränken”) den/die BesitzerIn wechselt oder um Pferde, die von Margits Töchtern lange Jahre mit größtem Einsatz gepflegt werden und auch das eine oder andere Mal “auf Besuch” vorbeigeritten kommen.

Als Lieblingsplatzerln werden auch hier die Natur und die Wälder ringsum genannt. Im Stiftingtal, Richtung Kainbach, gibt es eine ganz besondere Stelle im Tal: hier entsteht nämlich ein Echo, was immer wieder einmal zur totalen Verwirrung des Familienhundes führt.

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