Man kann nicht nicht wohnen

Wohnst du noch oder lebst du schon? Mit diesem berühmten Slogan wollte IKEA vor vielen Jahren auf das Lebensgefühl der individuellen Wohnraumgestaltung hinweisen. Wie wir uns einrichten, verrät viel darüber wer wir sind und worauf wir Wert legen. Über den persönlichen Geschmack hinausgehend gibt das Wohnen aber auch Aufschluss über unsere kulturellen, sozialen und ökonomischen Lebenswelten. Ein Thema, das uns alle betrifft.

Das Wort wohnen kommt aus dem Mittelhochdeutschen wonen, was so viel bedeutet wie: sich aufhalten, bleiben. Es ist verwandt mit den Worten gewinnen bzw. Gefallen finden, zufrieden sein, sich gewöhnen. Wohnen wird allerdings nicht immer mit diesem positiven Gefühl des Ankommens assoziiert, denn es steht in Abhängigkeit zu Nutzungs- und Besitzverhältnissen. Immobilien sind beliebte Wert- und Geldanlageobjekte und werden mitunter auch zu Spekulationsobjekten. Die Folge können beengte Wohnverhältnisse, teure Mieten und geringe Qualitätsstandards sein. Umstände, die das Wohnen zur psychischen Belastung und im schlimmsten Fall zur Existenzbedrohung werden lassen.

Aber Wohnzufriedenheit ist nicht nur an materielle Faktoren geknüpft: Eremiten sind in unserer Gesellschaft eher die Ausnahme. Wir leben zum überwiegenden Teil in Gemeinschaften, ob als Familie, als (Mit-)Bewohner:innen, als Nachbar:innen im Mehrparteienhaus oder in derselben Siedlung. Das vergemeinschaftete Wohnen prägt  unsere Wohnzufriedenheit und beeinflusst unsere sozialen Fähigkeiten.

Die folgende Blogreihe macht die vielen Gesichter des Wohnens sichtbar, spürt individuelle Wohnbedürfnisse, persönliche Motive und nicht zuletzt unsere sehnsüchtigen Wohnträume auf. Dazu suchen Anna und Viktoria das persönliche Gespräch mit unterschiedlichen Personen und fragen nach ihrer Einstellung zu diesem menschlichen Grundbedürfnis. Wöchentlich gibt eine Person Einblicke in ihre persönliche Wohnwelt. Den Anfang macht nächste Woche die Grazer Stadtschreiberin Jana Radičević.

Der Stoff, aus dem Träume sind*