Mehr Köpfchen, weniger Muskelspiel

Sie muss nicht immer groß, laut sein. Auf den Titelseiten der Tageszeitungen erscheinen oder aber mit gewaltbedrohten Menschen zu tun haben. Zivilcourage kann auch im Kleinen, eher Unscheinbaren stattfinden. Einfache Gesten, das Unterstützen von Menschen, die gerade in dem Moment auf Hilfe angewiesen sind – auch das ist Zivilcourage.

Vier Mal Geschichte. Vier Mal kleiner Mut.
Es ist Anfang Oktober. Studienbeginn. In dem großen Vorlesungssaal wird es still. Während manche noch nach Laptop, Papier und Stift kramen, beginnt der Vortragende ganz unten, hinter dem Pult mit seinem Vortrag. Nach Folie vier der inhaltsastigen Präsentation erhebt sich zögernd eine Hand aus der Menge. Der Professor scheint zu beschäftigt, um sie zu bemerken, ignoriert den nach oben gestreckten Arm noch eine ganze Weile. Dann, endlich, blickt er auf, überdreht kaum merkbar die Augen, bevor er sich mit theatralischem Seufzer der Frage annimmt. Als diese ausgesprochen ist, verzieht er die Miene, schnalzt unüberhörbar mit der Zunge bevor er antwortet. Es wäre das dümmste, das ihm je zu Ohren gekommen sei und er verstehe nicht, wie es jemand mit derart wenig Verstand auf die Universität geschafft haben konnte. Er wäre entsetzt und würde die Frage, die im Übrigen wohl niemand sonst habe stellen müssen, nun ignorieren, die Vorlesung fortsetzen. Ein paar Studierende kichern, andere blicken betreten zu Boden. Aber niemand greift ein. Da ist keine, die aufsteht, den Professor um Mäßigung bittet, keiner, der die Stimme erhebt. Niemand macht den Mund auf. » Weiterlesen