Bibongo – die Kleinen einmal ganz groß!

Beruf, Bankgeschäfte und Bürgermeisterwahlen sind nur etwas für Erwachsene? Falsch gedacht! Auch Kinder finden sich in der Welt der “Großen” durchaus zurecht, wie die Kinderstadt Bibongo beweist, die nun schon zum vierten Mal ihre Pforten für rund 180 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren geöffnet hat.

Wenn jemand zwischen dem 9. und dem 13. Juli am GrazMuseum in der Sackstraße vorbeispaziert oder gar einen Blick in den Innenhof wirft, so macht er eine ganz besondere Entdeckung: Eine Stadt, die nur aus Kindern besteht!

Angefangen beim AMS, das eine Vielzahl an Jobs bereit hält, bis hin zu waschechten Bürgermeisterwahlen – eine Woche lang dürfen die Kinder alles ausprobieren, was so zum Erwachsensein dazu gehört.

Wie am “echten” Arbeitsmarkt gibt es nur eine beschränkte Anzahl an freien Stellen pro Gewerbe. Eine realitästgetreue, angemessene Entlohnung für alle ArbeitnehmerInnen versteht sich hier von selbst. Auch das Friedensbüro Graz besitzt in Bibongo eine Station, von der ich mir selbst ein Bild machen durfte.

Noch bevor ich mich hinsetze, sind beinahe schon alle Kinder – Verzeihung, alle angehenden ProfessonistInnen – im Arbeitszimmer des Friedensbüro versammelt und machen es sich am Boden bequem. Unser Thema für diesen Tag? “Wehr’ dich – aber richtig!”. Konter und Schlagfertigkeit, etwas, das auch uns Erwachsene im Alltag doch hin und wieder beschäftigen dürfte.

Nach einer kurzen Einführung in den Joballtag des Friedensbüro und der Ankunft der letzten Nachzügler geht es dann auch schon direkt zur Sache. Was ist denn Schlagfertigkeit eigentlich? Und wann braucht man sie?

Um die Kinder selbst zum Nachdenken anzuregen, gibt es zu Beginn des kleinen Workshops eine Geschichte über einen Problemfall, der auch mir nur allzu bekannt vorkommt: Unser Protagonist Georg besitzt kein Smartphone. Was natürlich kein Problem wäre, würden seine Klassenkameraden ihn deswegen nicht hänseln. Der arme Georg weiß gar nicht, wie er sich gegen die bösen Sprüche seiner Mitschüler und Mitschülerinnen durchsetzen soll, weswegen er am Verzweifeln ist.

Hier kommen wieder die zukünftigen Schlagfertigkeitsexperten unserer Kinderstadt ins Spiel: Was würden sie Georg denn empfehlen? In einem kurzen Brainstorming werden gute – und teilweise auch weniger gute – Ideen gesammelt, was Georg denn tun könne, um seine Situation zu verbessern. Die Vorschläge, die zunächst nur aufgeschrieben und noch nicht bewertet werden, reichen etwa von “ignorieren” bis zu “zurückbeleidigen” oder gar zu “die Polizei rufen” (wovon ich Georg eher abraten würde, aber dazu komme ich jetzt).

Nachdem nun also eine beachtliche Anzahl an Ideen vorliegen, geht es weiter zum nächsten Schritt: Die verschiedenen Lösungsansätze in gut (grün), schlecht (rot) oder “grundsätzlich gut, aber ausbaufähig” (lila) einzuteilen. Schnell werden die Kinder sich einig, zusammengeschlagen oder angezeigt wird hier niemand. Dafür aber sollte Georg sich entweder an seine Lehrerin wenden, oder – wir kommen dem Titel des Workshops schon näher – sich mit lustigen Sprüchen zur Wehr setzen.

Diese lustigen Sprüche begleiten uns also auch zum nächsten Punkt, der sogenannten Schlagfertigkeit. Bevor die Kinder sich aber selbst daran versuchen dürfen, auf Beleidigungen mit originellen Aussagen zu antworten, werden schnell noch die Regeln erläutert: Schlagfertigkeit heißt, es gibt KEINE Schimpfwörter. Auch rechtfertigen muss man sich hierbei nicht, dafür ist es aber umso wichtiger mit der richtigen Körpersprache auf den anderen zu reagieren.

Auch ein paar Anregungen, wie man denn auf Beschimpfungen reagieren kann, gibt es jetzt: Dem anderen zustimmen, das Thema wechseln, eine Gegenfrage stellen, “Antworten für alle Fälle” – die Möglichkeiten sind endlos!

(An dieser Stelle gibt es übrigens eine kleine Unterbrechung durch den werten Herrn Bürgermeister der Kinderstadt, der eine wichtige Ankündigung zu machen hat: Es gibt eine Gehaltserhöhung für alle ArbeitnehmerInnen!)

Nun steht den Kindern aber nichts mehr im Weg: Nacheinander dürfen sie kleine Zettel ziehen, auf denen zufällige Beleidigungen stehen, auf die sie sich dann einen schlagfertigen Konter überlegen dürfen. Die Antworten fallen, wie erwartet, bunt aus: Von einem ganz erstaunten “Eeeecht?” bis zu “Ich kann nicht die Klappe halten, ich muss dir noch so viel erzählen!” ist alles dabei.

Damit geht der Workshop allerdings auch schon zu Ende – jedes der Kinder erhält noch Bastelutensilien, um sich einen eigenen “Schlagfertigkeitsfächer” (einen mit den wichtigsten Sprüchen bedruckten Fächer) zu kreieren, ehe ihr kurzer Arbeitstag vorüber ist. Um eine Erfahrung reicher werden die jungen BürgerInnen in ihre Mittagspause entlassen – und hoffentlich erinnern sie sich auch in Zukunft daran, wie wirksam ein paar lustige Sprüche sein können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.