Wohngemeinschaft: Geteiltes Wohnen ist nachhaltiges Wohnen

Kornelia Vogl ist gebürtige Salzburgerin, Weltenbummlerin und lebt derzeit im Grazer Bezirk St. Leonhard, um Global Studies an der Uni Graz zu studieren. Gemeinsam mit ihren vier Mitbewohnerinnen betreibt sie Sport und plant Ausflüge. Nachhaltiges Wohnen wird in der Studentinnenwohngemeinschaft großgeschrieben: auch kleine Schritte sind dabei wichtig.

Konny, wie lässt sich deine Wohnsituation beschreiben?

Konny: Ich wohne zurzeit an vielen Orten. Ich pendle zwischen Graz und Salzburg hin und her. In Salzburg leben mein Freund und meine Familie. Und hier in Graz, wo ich studiere, lebe ich in einer Wohngemeinschaft mit vier Mitbewohnerinnen und einem Hund. Egal wo ich bin, es ist laut, viel los und ich habe viele Menschen um mich.

Hier in der WG hat jede ihr eigenes Zimmer, wir teilen uns zwei Bäder und eine Küche mit einem großen Esstisch. Dieses Esszimmer ist ein Ort der Gemeinschaft, hier kommen wir zusammen. Wir kochen ein paar Mal im Monat gemeinsam, am liebsten vegetarisch. Das ist eine Gemeinsamkeit, die wir haben. Hie und da veranstalten wir Spieleabende oder trinken zusammen ein Glas Wein. Das organisieren wir dann über eine Whatsappgruppe, weil wir uns unter der Woche manchmal gar nicht so oft sehen, da wir alle viel um die Ohren haben.

Die WG ist für mich wie eine kleine Familie und meine Mitbewohnerinnen sind für mich wie Schwestern: Wir sind zwar sehr unterschiedlich, aber finden uns immer wieder Gemeinsamkeiten.  Beispielsweise teilen wir die Liebe zum Sport. Wir gehen gemeinsam Klettern oder machen Wanderausflüge ins Grüne. Wir achten außerdem auf Nachhaltigkeit in der WG. Das beginnt beim Kauf von Lebensmitteln. Außerdem schaffen wir uns nicht Dinge an, wenn sie bereits vorhanden sind, sondern teilen diese lieber. Beim Bündeln dieser Ressourcen entsteht ein wunderbares Gemeinschaftsgefühl.

Diese Sehnsucht nach Gemeinschaft war neben Ressourcenfragen ein Hauptgrund für das Siedeln in eine WG. Gerade wenn man in einer Stadt neu ist, kann man hier gleich Anschluss finden.

In Gemeinschaft zu leben, heißt aber auch, sich Dinge ausverhandeln zu müssen. Man muss sich in vielerlei Hinsicht auf die Suche nach einem kleinsten gemeinsamen Nenner begeben. Wenn es nach mir ginge, wäre die WG wahrscheinlich sauberer. Wir haben keinen Putzplan, so ist es Ermessenssache, wann jemand eine Aufgabe übernimmt. Wenn dann einmal ein Monat lang niemand das Bad putzt, dann spricht man das eben mal an. Außerdem ist unsere Wohnung recht hellhörig. Wenn ich mich beispielsweise gerade auf eine Sache konzentrieren muss und meine Mitbewohnerin Musik hört, muss ich es entweder ansprechen oder mir etwas in die Ohren stecken.

Was ist dir an deinem Wohnumfeld wichtig?

Foto von Kornelia Vogl

Konny: Was ich an der Stadt mag ist, dass ich innerhalb von 10 Minuten alles Nötige mit dem Rad erreiche. Manchmal jedoch bedrückt mich die Stadt und erzeugt ein Gefühl der Enge. Mir ist wichtig, dass ich genug Raum habe – das bin ich von meinem Elternhaus gewohnt. Ich finde beim Laufen oder Spazieren in der Stadt auch nicht dieselbe Ruhe, wie am Land und im Wald, wo ich keine anderen Menschen antreffe. Das Land gibt mir ein Gefühl von Freiheit. An meiner derzeitigen Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld sind nicht zuletzt meine Mitbewohnerinnen maßgeblich beteiligt. Bereits unsere erste Begegnung war von einer guten Stimmung geprägt und mein Gefühl hat mir recht gegeben, dass in dieser Gemeinschaft ein harmonisches Zusammenleben gelingt.

Wie war wohnen im Laufe deines Lebens für dich?

Konny: Meine Kindheit verbinde ich mit viel Freiheit. Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. Meine Eltern haben ein großes Haus mit Garten. Dahinter erstrecken sich nur mehr Felder und Wald. Zu meiner besten Freundin bin ich zwei Kilometer weit zu Fuß gegangen und nach Hause spaziert, wenn es finster wurde. Typisch Land (lacht).

Dann habe ich in einer kleinen Wohnung in Salzburg, später in den USA als Au-pair und dann in Bosnien in einem Heim für freiwillige Mitarbeiter:innen einer NGO gewohnt. Das waren sehr unterschiedliche, teilweise verrückte und beengte Wohnsituationen.

Doch obwohl ich viel gereist bin, war Wohnen für mich immer abgesichert. In mein Elternhaus kann ich immer zurückkehren, wenn etwas mal nicht klappt. Aus meiner Arbeit mit obdachlosen Menschen habe ich gelernt, dass das nicht selbstverständlich ist. Nicht zu wissen, wo man hingehen kann und keinen Platz zu haben, ist für mich ein unfassbares Gefühl.

Wie wohnst du in deinen Träumen?

Konny: Ich hätte ein Haus am Land mit einem großen Garten in dem Obstbäume stehen und den ich bepflanzen kann. Also ich denke, mein Traum ähnelt meinem Elternhaus. Ich bin immer wieder gern ins Ausland gegangen, aber ich möchte wieder zurück nach Salzburg ziehen, weil da meine Wurzeln liegen. Dort fühle ich mich zu Hause.

Mein Traum ist, möglichst nachhaltig zu leben, ohne ganze viele Einschränkungen zu haben. Das beginnt beim Bau oder Umbau des Hauses: Wie dämme und heize ich das Haus? Kann ich Sonnenenergie gewinnen?

Außerdem ist es praktisch, an öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden zu sein, sodass ich kein Auto benötige. In den USA habe ich erlebt, dass an jeder Ecke ein Auto steht, das du mit einer Karte ausborgen und verwenden kannst. Am Land könnten wir uns mit diesem System einige private Autos sparen.

Foto von Kornelia Vogl

Im Frühjahr habe ich bei meinen Eltern Bohnen angepflanzt. Dafür habe ich mir von meiner Tante Stangen ausgeliehen. Ich bin es gewohnt, dass Dinge im Familienverband geteilt werden. Es wäre auch eine coole Option, innerhalb von einer Straße oder Dorf Anschaffungen gemeinschaftlich zu tätigen, beispielsweise einen Rasenmäher zu kaufen und für Reparaturen gemeinsam aufzukommen. Manchmal glaube ich, dass es dafür aber einen Initiator braucht, der die Kommunikation und Organisation übernimmt.

Jedenfalls macht es für mich Sinn, auf diese Art Ressourcen zu schonen. Ich möchte in einem sozialen Wohnumfeld leben, in dem ich mich wohlfühle und ich mit meinem Handeln nicht künftige Generationen belaste, sondern nachhaltig handeln kann.

 

Beitragsfoto von pixabay

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