Wie Stromausfälle für neue Bekanntschaften sorgen können

Stromausfälle können ganz schön nervig sein. Vor allem, wenn es Winter ist und man dazu gezwungen ist, stundenlang tatenlos im Dunkeln zu sitzen. Umso interessanter wird es allerdings, wenn man mit seinen Nachbarn zusammenarbeitet, um die Technik wieder zum Laufen zu bringen!

Klick – und aus. Sämtliche Lichter in meinem Zimmer erlöschen, ich sitze von einer Sekunde auf die andere im Dunkeln. Nicht unbedingt das angenehmste Gefühl.

Schnell husche ich in den Durchgang zwischen unseren Zimmern, um nachzusehen, ob auch dort das Licht ausgefallen ist. Tatsache! Auch im Flur ist es stockfinster.

Auf die Idee war anscheinend nicht nur ich gekommen, auch Andi und Letizia stecken ihre Köpfe aus den Zimmertüren hinaus.

„Ist bei euch auch das Internet weg?“, fragt Letizia.

„Nicht nur das Internet!“, erwidere ich und öffne die Gangtür, um ins Treppenhaus zu sehen. Gerade im richtigen Moment – auch die Frau, die mit uns auf einer Etage wohnt, späht gerade hinaus.

„Ist bei euch auch das Licht ausgefallen?“, ruft sie zu uns hinüber.

Ich nicke. „Ja, dürfte im ganzen Haus so sein!“

Ratlos drehe ich mich wieder zu Andi und Letizia um. „Und jetzt?“

Letizia zuckt mit den Schultern. „Abwarten und Tee trinken.“

Abwarten und Tee trinken dauert geschlagene zweieinhalb Stunden, bis das Licht endlich wieder angeht. Bloß das LAN der WG kehrt, sehr zu unserem Leidwesen, nicht zurück.

So kommt es also, dass Andi und ich uns schließlich bewaffnet mit einem Scheinwerfer auf den Weg in den vierten Stock machen, wo sich der Verteiler befinden soll. Nach dem Schrank müssen wir gar nicht lange suchen, drei junge Männer stehen nämlich bereits davor.

„Habt ihr den Schlüssel dafür schon bekommen?“, fragt Andi, während ich mich bemühe, mit meinem Scheinwerfer nicht alle zu blenden.

Einer der Jungs dreht sich zu uns: „haben wir, aber das Schloss klemmt. Seid ihr von der WG unter uns, habt ihr auch kein LAN mehr?“

Wir nicken und stellen uns kurz vor. Die drei Technikfreaks von der WG oberhalb, die weiterhin engagiert versuchen den Schrank aufzubekommen sind Julian, Jan und Markus.

„Dann studiert ihr auch an der TU?“, frage ich, während ich mich mit dem Scheinwerfer in der Hand an die Wand lehne.

Markus grinst. „Gut erraten, ja. Ihr beiden auch? Ihr seid auch nicht aus Wien, was?“

Dass wir ein interkultuereller Haufen sind war offensichtlich. Im Gespräch miteinander stellt sich heraus, dass ich als Grazerin die einzige Österreicherin bin. Jan und Julian sind beide Flüchtlinge aus Nigeria, Markus kommt aus Deutschland und Andi aus China.

Dass wir allesamt aus so unterschiedlichen Teilen der Welt stammen, stört uns allerdings kein bisschen bei unserem Versuch, den Verteiler aufzubekommen. Ganz im Gegenteil – dadurch gibt es für uns umso mehr, worüber wir uns austauschen können. Sei es nun über die verschiedenen Schulsysteme oder über die Gründe, warum wir alle ausgerechnet nach Wien gezogen sind – still wird es im spärlich beleuchteten Treppenhaus jedenfalls nicht.

Nach einiger Zeit haben die Vier es dann tatsächlich geschafft, den Schrank zu öffnen, den sie jetzt auch genauer inspizieren.

„Sieht aus, als hätte es einen Kurzschluss im Switch gegeben“, stellt Jan schließlich fest. „Dafür müssten wir ein neues Teil bestellen.“

Ich stöhne frustriert auf. „Keine Chance, dass wir das heute noch hinbekommen? Ich müsste dringend etwas für die Uni machen.“

„Hat jemand ein Ersatzteil? Sonst wird das schwer“, meint Julian. „Ansonsten könnten wir noch provisorisch einen WLAN-Router direkt hineinmontieren.“

Andi klatscht in die Hände. „Ich hätte noch einen freien Router, den können wir verwenden!“

Zusammen spazieren wir also als ganze Truppe hinunter zu unserer WG und nehmen, unter den überraschten Blicken unserer übrigen Mitbewohner, den Router mit. Nachdem wir es irgendwie geschafft haben, uns zu fünft unter viel Gelächter in den engen Lift zu quetschen, ist der Router schließlich keine zwanzig Minuten später auch schon angebracht. Das Internet ist uns also für die nächsten Tage glücklicherweise gesichert!

Da sich die neugefundene Technikertruppe allerdings trotz getaner Arbeit noch nicht trennen will, findet im Anschluss direkt vor meiner Zimmertür eine Art Flurparty statt – sogar mit funktionierendem Licht und Internet, sodass Andi den digitalen Bim-Fahrplan demonstrieren kann, den er bei uns im Flur installiert hat.

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