Der Keller – ein geeignetes Fitnessstudio?

Seinen Keller in ein Fitnessstudio umfunktionieren, damit man auch im Sommer im Kühlen trainieren kann. Geht nicht? Geht doch! Die Frage ist allerdings, ob das den Miteigentümern genauso gut gefällt, wie einem selbst. Wie sieht das eigentlich aus? Darf man mit seinem Wohnbereich tun und lassen, was man will? Oder muss man dabei doch einiges beachten?

Cooles Training – oder doch nicht?

Wenn es dieses Jahr schon nicht mit dem Beach-Body funktioniert hat, dachte sich Herr T., dann kann man doch wenigstens früh genug fürs nächste Jahr mit dem Sport anfangen. Aber jedes Mal nach der Arbeit, wenn er sich sowieso schon nur mehr aufs Sofa schmeißen will, auch noch eine Stunde zu fahren, um ins Fitnessstudio zu kommen? Das wäre doch etwas zu umständlich.

Beinahe hatte Herr T. die Hoffnung auf ein sportlicheres Ich schon aufgegeben, als ihm plötzlich die rettende Idee kam: Warum nicht einfach den Gemeinschaftskeller in ein Fitnessstudio umwandeln? Dann hätte er gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen: Er müsste nicht quer durch die Stadt fahren, um Sport zu machen und er würde sogar in den letzten warmen Sommertagen noch von der Hitze verschont bleiben.

Gesagt, getan – keine ganze Woche später ist aus dem Keller des Wohnhauses ein Fitnessstudio im Miniformat geworden. Crosstrainer, Yogamatte, Gewichte – alles, was das Sportlerherz begehrt. Da kann seinem ehrgeizigen Sportprogramm doch gar nichts mehr im Wege stehen!

…nun, Herr T.s Sportprogramm vielleicht nicht, Frau J.s Gummistiefeln allerdings sehr wohl. Als sie an diesem Morgen nämlich in den Keller kommt, um nach diesen zu suchen, wird sie ungewollter Weise selbst Teil von Herr T.s Fitnessplänen, als sie die 15kg-Hanteln, die ihr den Weg zu ihren Gummistiefeln versperren, erst einmal wegwuchten muss. Was bei ihren fast 80 Jahren weder sehr leicht, noch sonderlich ratsam ist. Fest steht für sie sehr schnell: Die Sportgeräte im Keller müssen weg. Wird also schlussendlich doch nichts aus Herr T.s Traum von einem kühlen und schnell erreichbaren Fitnessstudio?

Die Nutzungsänderung muss zulässig sein!

Nicht so schnell – muss Herr T. jetzt also sofort all seine Geräte abbauen, weil diese Frau J. jedes Mal, wenn sie zu ihrem Schuhregal will, ein Dorn im Auge sind? Gibt es dafür denn keine Regelung?

Klar, die gibt es. Grundsätzlich sieht es so aus: Wenn ein Herr T. die Nutzung des Gemeinschaftskellers ändert, also wie in diesem Fall ein Fitnessstudio anlegt, dann kann es sein, dass er dafür eine Genehmigung benötigt. In diesem Fall würde man von einer Widmungsänderung sprechen – also eine Änderung von dem Nutzen, für den der Keller ursprünglich gedacht war, wie z.B. dem Lagern von Gegenständen.

Deswegen sollte er auf jeden Fall schon die Zustimmung aller Miteigentümer einholen, bevor er einen Großteil des Kellerraums in einen Sportbereich umwandelt. Das kann auch stillschweigend erfolgen – solange alle wissen, dass sie die “neue” Nutzung des Kellers auch untersagen können und somit die Möglichkeit haben, sich dagegen zu wehren. Sagt allerdings für lange Zeit niemand etwas gegen die Umbauten von Herrn T.s Kellerecke, dann gilt das als “konkludente Zustimmung”, also eine Zustimmung zur Nutzungsänderung, die sich einfach so ergeben hat.

Herr T. darf also – sollten seine Mitbewohner zustimmen – mit dem Keller tun, was er will. Allerdings nur, solange alles, was er im Keller aufbaut, für Freizeitaktivitäten verwendet wird und er darin nicht irgendetwas einrichtet, mit dem er Geld verdienen kann. Im Falle seines Fitnessstudios, aus dem er grundsätzlich Gewinn ziehen könnte, wenn er z.B. andere Leute gegen Bezahlung dort trainieren lässt, sieht die Sache so aus, dass Herr T. seine Sportgeräte wirklich nur für sein Privatvergnügen benutzen darf – genauso, wie vermutlich auch die anderen Bewohner, die diese ebenfalls verwenden dürfen.

Ende gut, alles gut.

Hätte Herr T. sich von Anfang an die Zustimmung aller Miteigentümer eingeholt, hätte er sich natürlich einiges an Diskussionen – vor allem mit Frau J. – ersparen können. Auch die anderen Mitbewohner hätten zwar gerne schon im Voraus davon gewusst, dass Herr T. plant, ein Fitnessstudio im Keller einzurichten, schlussendlich konnten sie sich dann aber doch auf eine Lösung einigen, die es allen recht macht: Da das Kellerabteil groß genug ist, kann Herr T. ganz einfach seine Sportgeräte etwas platzsparender aufstellen und Frau J. muss somit nicht jedes Mal selbst kurzzeitig zur Gewichtheberin werden, wenn sie eigentlich nur zu ihrem eigenen Abstellraum möchte. Ein Glück für Herrn T., der nun doch endlich sein Fitnessprogramm beginnen kann!

 

Dieser Beitrag enthält Informationen aus dem Ombudsmann der Kleinen Zeitung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.