Ein Tag im Friedensbüro Graz

Sie fragen sich vielleicht: Wie sieht ein Arbeitstag im Friedensbüro Graz aus? Wir haben eine unserer Mitarbeiterinnen dazu befragt.

Ursula Hauszer ist eine der acht Mitarbeiterinnen im Friedensbro Graz. Sie arbeitet in der Stadtteilkoordination und im Nachbarschaftsservice. Dass sie Erfahrung im Arbeiten mit Gruppen hat, ist einer der Gründe, warum sie das Friedensbüro schon seit über 10 Jahren verstärkt, sowohl in der Einzelfallarbeit als auch in der Planung und Umsetzung von längeren Projekten. Als Konfliktbearbeiterin und Mediatorin ist sie stets um eine individuelle Lösungen bemüht – dementsprechend gibt es meist  auch keinen fixen Arbeitsalltag. Wie so ein Arbeitstag jedoch aussehen kann, stellen wir Ihnen hier vor.

Ob es ein guter Tag wird, weiß man vorher meistens nicht. Für Ursula Hauszer beginnt der Tag aber auf jeden Fall um 08:00 Uhr mit einer internen Nachbarschaftsservice-Koordinationsbesprechung. Dort stimmt sich Ursula mit ihren Kolleginnen ab und sie beraten über weitere Aktionen in konkreten Fällen.

Um 09:40 Uhr kommt die erste Konfliktpartei (20 Minuten vor dem vereinbarten Termin) und erzählt die Konfliktgeschichte mit der benachbarten Familie aus ihrer Sicht. Mögliche Verbesserungswege werden diskutiert, die nächsten Schritte vereinbart. Das Gespräch wird – wie alle anderen Fälle auch – in der Datenbank dokumentiert und archiviert.

Ein paar Minuten später hat Ursula ein Telefonat mit einer Hausverwalterin wegen zweier verschiedener Konfliktfälle in unterschiedlichen Wohnanlagen. Informationen und Kontaktdaten werden ausgetauscht und es wird Zeit für die Vorbereitung auf die nächsten Gespräche.

Viel Zeit bleibt dafür aber nicht, denn um 11:00 Uhr telefoniert Ursula bereits mit den nächsten beiden Konfliktparteien – Terminvereinbarungen für die nächste Woche stehen an und so nebenbei auch ein Gespräch über die jeweiligen Probleme und Konflikte.

Um 11:30 Uhr geht es mit einer Besprechung mit einer Bezirksrätin und einer engagierten Nachbarin weiter: Es geht um die nächsten Schritte in ihrer Siedlung. Eine Befragung der dort lebenden BewohnerInnen wurde bereits gemacht, Konfliktpunkte und mögliche Lösungsideen gesammelt. Eine Versammlung mit den Bewohnern hat auch schon stattgefunden. Mehrere unterschiedliche Optionen zur Weiterarbeit werden besprochen, Vorteile und Nachteile abgewogen und schließlich die weitere Vorgangsweise beschlossen.

Nach einem kurzen Mittagessen gilt es um 13:30 Uhr, die Besprechung zu dokumentieren und mit dem zuständigen Hausverwalter zu telefonieren.

Und wer sich nun denkt, es handelt sich hier um einen simplen Bürojob, der irrt gewaltig. Es gibt kaum einen Tag, an dem es nicht auch raus an die frische Luft geht. In diesem Fall fährt Ursula um 14:30 Uhr mit dem Bus zu einem Gespräch in eine Siedlung. Mehrere Nachbarn leiden schon seit längerer Zeit unter den Lärmexzessen einer Familie. Drei der betroffenen Parteien sind anwesend und schildern die Vorkommnisse der Vergangenheit. Verschiedene Optionen zur Verbesserung der Situation werden besprochen – darunter auch die Möglichkeit, dass jene Partei, die am stärksten betroffen ist, sich eine andere Wohnung sucht. Zu einem fr alle Konfliktparteien zufriedenstellenden Ergebnis kommt es heute aber noch nicht.

Für Ursula endet der Arbeitstag um 16:00 Uhr mit der Busfahrt nach Hause. Jeder Tag ist anders, so etwas wie einen Arbeitsalltag gibt es für die Mitarbeiterinnen des Friedensbüros nicht – und das ist auch gut so. Denn so ist jeder Tag abwechslungsreich, genauso wie dieser Blog hier. Auf den nächsten Beiträgen wollen wir Ihnen einen Überblick über die Fälle vermitteln, mit denen die Mitarbeiterinnen regelmäßig konfrontiert sind (auch hier werden wir wieder exemplarisch einige auswählen) und Ihnen dazu auch einige Tipps geben.

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