Auf soziale Nachbarschaft! (Teil 1)

Die Nachbarschaftszentren der Stadt Graz organisieren Veranstaltungen, Projekte und gemeinsame Aktivitäten im Wohnumfeld. Und wollen damit vor allem eines: das nachbarschaftliche Zusammenleben verbessern. In unserer Serie “Auf soziale Nachbarschaft!” stellen wir diese und nächste Woche jeweils zwei Nachbarschaftszentren vor.

Nachbarschaftszentrum St. Peter

Nachbarschaft kann so vieles bedeuten. Es kann bedeuten, dass man sich jedes Wochenende zum Nachmittagskaffee oder vielleicht nur zweimal im Jahr zum gemeinsamen Grillen trifft. Genauso gut kann es auch sein, dass man seinen Nachbarn das ganze Jahr nicht sieht und eigentlich gar nicht weiß, wie es „dem da drüben“ so geht. Doch das muss nicht sein.

Das Nachbarschaftszentrum St. Peter schafft Räume zur Begegnung für Bewohner und Gruppen in dem es u.a. auch Feste wie Maronibraten und Adventstandln veranstaltet. Ein wichtiger Punkt ist auch die Kooperation mit anderen sozialen Dienstleistern, etwa mit Jugend am Werk, der Caritas oder den Sozialraumträgern. Auch die Zusammenarbeit und Abstimmung der Aktivitäten mit den Bezirksräten zählt zu den Aufgaben des Nachbarschaftszentrums, genauso wie die Öffentlichkeitsarbeit in Form von regelmäßigen Newslettern.

Nachbarn packen an: Hier wurde eine Telefonzelle als Bücherkabine angeliefert. © Fotostudio Gimpel

Norbert Dornig vom Nachbarschaftszentrum St. Peter kennt die guten und weniger guten Facetten seiner Arbeit. Auch wenn es gelegentlich herausfordernd ist, so empfindet er seine Arbeit als „spannend, vielfältig und in jedem Fall erfüllend“. Nicht zuletzt auch weil sie einen wichtigen Beitrag zu einer guten Nachbarschaft leistet. „Wenn Leute zu mir kommen und sagen: ‘danke, dass ihr da aktiv seid/das macht’, dann sind das sehr positive Momente meiner Arbeit”. Zusätzlich zu den gemeinsamen Treffpunkten wird aktuell auch ein Eltern-Kind-Cafe sowie ein Workshop zu nachhaltiger, regionaler und gesunder Ernährung initiiert. Auch ein Bezirksfest wird es heuer geben. Mit einem Ziel: Die Nachbarschaft nachhaltig zu verbessern. „Gute Nachbarschaft würde ich als ausgewogenes Verhältnis zwischen Privatsphäre und gesellschaftlicher Teilhabe verstehen. Da sind natürlich viele, nicht direkt beeinflussbare Faktoren, wie Bebauungsdichte, Verkehrssituation, Wohlstandsverteilung in der Stadt wichtig. Umso wichtiger ist es, die beeinflussbaren Faktoren zu identifizieren und BewohnerInnen dabei zu unterstützen und zu motivieren, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch einzubringen und zu artikulieren“, so Norbert Dornig.

Mehrgenerationenhaus Waltendorf

Das Mehrgenerationenhaus Waltendorf versteht sich hingegen gar nicht als Nachbarschaftszentrum, sondern als Begegnungsort, in dem das Miteinander der Generationen aktiv gelebt wird, etwa durch gemeinsame Generationen-Treffen oder intergeneratives Lernen. Jüngere helfen Älteren und umgekehrt.

Das Mehrgenerationenhaus in Waltendorf. © Mehrgenerationenhaus Waltendorf

Karin Steffen vom Mehrgenerationenhaus Waltendorf kann hierbei auf viele Geschichten zurückblicken – eine hat sie dabei jedoch besonders berührt: „Beim intergenerativen Schachkurs gab es einen Teilnehmer mit etwa 70 Jahren und einen Volksschüler mit 8 Jahren. Beide beäugten sich von Beginn an misstrauisch, die Sympathien hielten sich sehr in Grenzen und miteinander spielen war schon gar nicht gefragt. Aber im Laufe mehrerer Kurseinheiten wendet sich das Blatt und ich beobachtete wie eines Tages der ältere Herr im Vorraum stand, als der Volksschüler hereinkam. Sie sahen sich, begannen zu lächeln, gingen aufeinander zu und umarmten sich.“ Für Karin Steffen ein eindeutiges Indiz, dass ein gemeinsames Zusammenleben sehr wohl für beide Seiten etwas bringe: „Die Hoffnung für ein besseres Miteinander lebt durch solche Ereignisse – wer sich kennt, geht wahrscheinlich besser mit sich und anderen um.

Wir schauen bei den Veranstaltungen auch, wo wir vermitteln können. Auf diese Weise hat eine Familie eine „Oma“ bekommen, eine rüstige Über-Neunzigjährige eine Gesellschafterin, eine Kranke eine „Einkäuferin“, eine ältere Alleinstehende eine Haushaltshilfe usw.“ So etwas gelinge durch Veranstaltungen wie das monatliche „Kasperltheater“ oder der „Spielenachmittag“.

Schwieriger sei das Zusammenbringen von unterschiedlichen Kulturen, hier sei Sprache oft das erste Hindernis. Deutsch-Konversationskurse, gleichzeitige Kinderbetreuung, aber auch das gemeinsame Bauen von Hochbeeten sollen AsylwerberInnen stärker integrieren und das gemeinsame Zusammenleben kulturübergreifend fördern. Auch Veranstaltungen wie der jährliche „Tag der offenen Türe“, die Flohmärkte oder die Feste im Jahresreigen wie Oster- und Faschingsfest tragen laut Karin Steffen zu einem wachsenden Gemeinschaftssinn bei. „Eine gute Nachbarschaft muss in meinen Augen nicht auch gleich Freundschaft bedeuten. Aber ich sollte zumindest wissen, wer neben mir wohnt und was dessen Lebensumstände sind. Gute Nachbarschaft bedeutet oft nur der Respekt vor einem anderen Leben, z. B. durch einfaches Grüßen bei zufälligen Begegnungen. Sich bei gemeinsamen Veranstaltungen besser kennenzulernen, um im guten Miteinander die eigene Lebensqualität zu verbessern, ist das, was auch wir im MGH versuchen“, so Steffen.

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