9 Fragen an GEMEINSAM.SICHER mit Sicherheitskoordinator Manuel Leitner

Besonders in Graz, wo viele verschiedene Kulturkreise zusammenleben, die teils sehr unterschiedliche Zugänge zur Polizei haben, ist es wichtig, dass eine positive Interaktion zwischen Polizei und Bürgern geschaffen werden kann. Um herauszufinden, wie GEMEINSAM.SICHER das genau macht, habe ich für diesen Beitrag ein paar Fragen an Sicherheitskoordinator Manuel Leitner gestellt.

1. Wie kam es zur Gründung von GEMEINSAM.SICHER? Gab es einen Anlassfall…?

Grundsätzlich hat man sich für GEMEINSAM.SICHER international orientiert und den Trend des Community Policing aus dem Angelsächsischem übernommen. Community Policing heißt, man versucht, zwischen Polizei und Bürgern positive Interaktionen zu schaffen und durch diese Form der Kommunikation negative Entwicklungen frühzeitig zu erkennen oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

2. GEMEINSAM.SICHER ist ein österreichweites Projekt. Stimmt es, dass das in Graz begonnen hat?

Bereits 2013 gab es in Graz schon den Verein Sicher leben, der als Bindeglied und Kommunikationsforum zwischen Bevölkerung und Polizei im Sinne der Strategie des Community Policing fungierte. Im April 2016 wurden für GEMEINSAM.SICHER schließlich österreichweit verschiedene Probebezirke nach ihrer Bevölkerungsdichte ausgewählt, unter denen sich unter anderem Wiener Neustadt, Eisenstadt und auch Graz befanden.

3. Was genau ist die Idee hinter GEMEINSAM.SICHER?

Die grundsätzliche Idee hinter GEMEINSAM.SICHER ist, das ursprüngliche „Freund und Helfer“-Prinzip wieder mehr anzupeilen, damit sich die Polizei als Gewaltmonopol* und die Bevölkerung nicht zu weit voneinander entfernen und somit Selbstjustiz verhindert werden kann.

*In einer demokratischen Gesellschaft gibt es ein Gewaltmonopol. Nicht jeder Selbst sorgt für die Durchsetzung des Rechts („Selbstjustiz“), sondern dies obliegt einer zentralen Instanz, die wiederum klaren staatlichen Regeln unterliegt. Da kommt die Polizei ins Spiel.

4. Wie findet man die GEMEINSAM.SICHER Polizisten?

Österreichweit befindet sich in jeder Polizeiinspektion ein Sicherheitsbeauftragter, an den man sich wenden kann, in Graz gibt es pro Dienststelle meist zwei GEMEINSAM.SICHER-Polizisten. Außerdem ist es auch möglich, per Polizei-App einen Sicherheitsbeauftragten in seiner Nähe zu finden.

5. Wann kann, bzw. sollte man sich an GEMEINSAM.SICHER wenden?

Die Polizei kann man in drei Säulen einteilen: Repressive Staatsgewalt, Prävention und Bürgerbeteiligung in Form von Community Policing. Nicht immer obliegt die Zuständigkeit für die Lösung eines Problems der Polizei. Aber die Polizei kann hinhören und die möglichen „Löser des Problems“ auf einen Tisch zusammenholen. Bei GEMEINSAM.SICHER können sich also die Betroffenen zu Beteiligten machen und zur Gestaltung beitragen.

6. Wer wendet sich vor allem an GEMEINSAM.SICHER?

GEMEINSAM.SICHER ist besonders dort gefragt, wo viele Menschen zusammen wohnen, weswegen beispielsweise auch die häufige Zusammenarbeit mit dem Friedensbüro sehr wichtig ist. Weiters nimmt GEMEINSAM.SICHER auch oft an Grätzl-Festen teil, wo die Sicherheitsbeauftragten mit den Bürgern kommunizieren und eventuelle Sicherheitsbedenken zu Gespräch kommen.

7. Wie läuft die Bearbeitung eines Falls von GEMEINSAM.SICHER ab?

Dafür finden sogenannte Sicherheitsforen statt, bei denen sich alle, die zur Lösung beitragen könnten, an einem Tisch versammeln: Sozialarbeiter, örtliche Regionalpolitiker, Polizisten und die Beschwerdeführer selbst. Der Gedanke dahinter ist simpel: Für viele Sicherheitsanliegen wird zwar primär die Polizei gerufen, diese ist aber nicht immer zuständig und selbst wenn, bleibt im Zuge eines Einsatzes oftmals einfach keine Zeit, der Ursache eines Problems auf den Grund zu gehen, zeitgleich noch Lösungsansätze zu finden und diese auch zeitnah umzusetzen. Daher also schafft man nun bei GEMEINSAM.SICHER ein solches Sicherheitsforum, wo das Problem diskutiert wird und die Vorschläge und Maßnahmen zur Lösung an die jeweils zuständigen Stellen übertragen werden.

8. Welche Erfahrungen konnten Sie bei GEMEINSAM.SICHER bereits machen? Welche Initiativen konnten bereits ergriffen werden?

Dadurch, dass die Bevölkerung Informationen von der Polizei erhält, kann sie sich auf Bedrohungsszenarien einstellen, die sie ansonsten möglicherweise nicht wahrgenommen hätte. So konnte etwa durch die Warnung und Zusammenarbeit der Polizei mit der Holding Graz die Anzahl der angezeigten Taschendiebstähle in Graz um etwa ein Drittel gesenkt werden. Weitere Beispiele wären dafür auch Einbrüche und Fahrradsicherheit, auf die die Polizei ebenfalls erfolgreich aufmerksam gemacht hat. Die Annahmebereitschaft der Bevölkerung für solche Informationskampagnen ist sehr groß, auch die Gesamtvernetzung mit anderen Institutionen funktioniert sehr gut.

9. Gibt es noch etwas, was die Menschen wissen sollten? Was ist Ihnen besonders wichtig an GEMEINSAM.SICHER?

Wichtig ist, dass GEMEINSAM.SICHER als Umorientierung und Erweiterung der Polizei wahrgenommen wird, sowohl aktiv auf die Bevölkerung zuzugehen, als auch den Bürgern die Möglichkeit zu geben, selbst aktiv auf die Polizei zuzukommen. Durch solche gelebten Sicherheitspartnerschaften ist es möglich, dass Fragestellungen und Reibungsflächen entstehen, anhand derer die Gesellschaft und die Polizei in der Sicherheitsthematik weiterkommen.

 

Die Sicherheitsbeauftragten von GEMEINSAM.SICHER in Graz können sie übrigens auch hier auf Facebook finden.

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