Ziel 8: Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

Fünf Prozent der Menschen weltweit waren im Jahr 2018 arbeitslos – eine Zahl, die nicht sonderlich groß klingt, bis man erfährt, dass das ganze 172 Millionen Personen sind. Leider hört es damit aber nicht auf: Prognosen zufolge soll diese Zahl jährlich um etwa eine Millionen mehr Menschen wachsen, die keinen Arbeitsplatz erlangen können. Doch auch diejenigen, die eine feste Anstellung besitzen, haben nicht automatisch rosige Aussichten auf ihre Zukunft: 700 Millionen Arbeiter lebten 2018 in moderater oder extremer Armut mit unter 3,20$ Einkommen pro Tag. Ein Betrag, den viele Menschen hierzulande schon beim Frühstück für einen Café Latte ausgeben, den Bagel dazu nicht miteinberechnet. Eigentlich logisch, dass hier etwas getan werden muss – das haben sich auch die UN-Mitgliedsstaaten gedacht, während sie das 8. der Entwicklungsziele verfasst haben.

Wie es allerdings im Titel des Ziels steht – Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern – stehen nicht nur die Menschen im Fokus, sondern auch die einzelnen Länder selbst. Diese streben nämlich alle ein Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum an, besonders die Entwicklungsländer zeigen sich mit den angepeilten 7 Prozent pro Jahr sehr ehrgeizig.

Damit die Wirtschaft aber überhaupt erst so produktiv werden kann, braucht es die richtige Technologie: Technologische Modernisierung und Innovation werden hierbei großgeschrieben (und das nicht nur, weil es Nomen sind). Arbeitsintensive Sektoren – also solche, aus denen viel Wert geschöpft werden kann – werden von den Entwicklungsländern besonders gefördert.

Pro-Kopf-Wachstum hin oder her, die Umwelt soll trotzdem nicht zu Schaden kommen: In Zukunft sollen Ressourcen effizienter genutzt werden, um zu verhindern, dass Umweltzerstörung und Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen. Ein nachhaltiges Wachstum tut nicht nur der Umwelt, sondern auch der Wirtschaft selbst gut: Indem man mit limitierten Ressourcen sparsam umgeht, lassen sich diese viel länger zu Nutze ziehen, als wenn man ein exponentielles, dafür aber kurzweiliges Wirtschaftswachstum anstrebt.

Nun aber genug von der Wirtschaft – die mangelnden Arbeitsplätze spielen ja, wie bereits erwähnt, auch eine große Rolle. Entwicklungsorientierte Politiken helfen dabei, mehr menschenwürdige Arbeitsplätze zu schaffen, wobei vor allem produktive Vollzeitbeschäftigung angepeilt wird. Das Entgelt soll für alle gleich ausfallen: Männer, Frauen, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen – alle werden gleichwertig bezahlt. Ziel 8 betont außerdem, dass es wichtig ist, den Anteil der arbeitslosen Jugendlichen, die sich nicht in einer Schul- oder Berufsausbildung befinden, erheblich zu verringern.

Nicht nur Arbeitsplätze werden von diesen Maßnahmen unterstützt, auch Innovation, Unternehmertum und das Wachstum von bereits bestehenden, kleineren Unternehmen (Link). Dafür werden vor allem Finanzdienstleistungen zur Verfügung gestellt.

Auch Arbeitsumstände werden in Ziel 8 erwähnt: Zwangsarbeit, moderne Sklaverei und Menschenhandel sollen so schnell wie möglich eliminiert werden, genauso wie der Einsatz von Kindersoldaten (Link) und Kinderarbeit im Generellen. Arbeitsrechte und sichere Arbeitsumgebungen sind hierbei Stichwörter, auf die die Entwicklungsländer sich konzentrieren. Man denke hierbei zum Beispiel an die ganzen Unfälle in Kleidungsfabriken, die immer wieder in Zeitungen auftauchen – meist dadurch verursacht, dass sich die Arbeiter in nicht ausreichend gesicherten Gebäuden aufhalten oder anderen Faktoren, wie etwa giftigen Dämpfen, ausgesetzt sind.

Allzu gut läuft es bei diesem Entwicklungsziel bis jetzt allerdings nicht wirklich – Mexiko zum Beispiel hat überhaupt Rückschritte gemacht. Dennoch gibt es viele Partnerschaften, die darauf hoffen lassen, dass es auch bei diesem Ziel bald aufwärts geht.

Foundation Forge, zum Beispiel, entwickelt eine Online-Plattform, die Jugendliche in Lateinamerika unter anderem mit digitalen und emotionalen Kompetenzen ausstatten soll, um sie auf die Herausforderungen der Arbeitsmärkte vorzubereiten. Ziel dieses Projekts ist, den jungen Menschen in dieser Region – genauer in Argentinien, Chile, Mexiko, Peru und Uruguay – dabei zu helfen, die für sie ohnehin schon raren Möglichkeiten auf Arbeitsplätze zu ergreifen.

Auch die Clean Clothes Kampagne spielt eine tragende Rolle für die Erfüllung dieses Ziels: Diese übt nämlich Druck auf Bekleidungsunternehmen aus, mehr Verantwortung für die Arbeitsumstände ihrer Angestellten zu übernehmen. Dazu gehören auch Gesetze, die die Unternehmen zur Produktion unter fairen Bedingungen verpflichten, für die sich die Kampagne einsetzt. Nicht nur das, auch NäherInnen, Gewerkschaften und NGOs in Produktionsländern für Kleidung werden von dieser Kampagne unterstützt. Information ist hierbei ebenfalls wichtig – die Clean Clothes Kampagne klärt Menschen in den Konsumländern über die Produktionsumstände auf und und regt sie dazu an, ihre Macht als KonsumentInnen zu nützen.

Alles in allem gibt Ziel 8 also einen realistisch formulierten Plan bis 2030 an, an dessen Umsetzung es allerdings noch etwas hapert. Werden die dafür ergriffenen Initiativen jedoch weiterhin unterstützt, könnten auch hierbei bald größere Fortschritte verzeichnet werden.

 

Quellen:

https://www.undp.org/content/undp/en/home/sustainable-development-goals/goal-8-decent-work-and-economic-growth.html

https://www.sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/8-menschenwurdige-arbeit-und-wirtschaftswachstum/

http://www.fairstyria.at/cms/dokumente/12414782_28693792/b34175e0/Agenda_2030_UN-Beschluss.pdf

https://s3.amazonaws.com/sustainabledevelopment.report/2019/2019_sustainable_development_report.pdf

https://sustainabledevelopment.un.org/partnership/?p=32369

https://www.cleanclothes.at/de/

Beitragsbild: ©United Nations [Public domain], gefunden auf Wikimedia Commons

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