Ziel 12: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen

Nun kommen wir zu einem der Themen, an die man bei Nachhaltigkeit als Erstes denkt: Konsum und Produktion. Dass in den entwickelten Länder inzwischen eine Konsumgesellschaft herrscht, die der Umwelt nicht unbedingt gut tut, ist schon lange keine Neuigkeit mehr. Sei es nun Kleidung, seien es Schuhe oder doch der Zwang, ständig das neueste technologische Gerät auf dem Markt zu besitzen – dass die Erde nicht die Ressourcen besitzt, um diesen ewigen Massenkonsum aufrechtzuerhalten, ist inzwischen allgemein bekannt. Auch die Einstellung gegenüber Lebensmitteln und Trinkwasser ist beinahe schon absurd: 1,3 Millionen Tonnen von Essen werden jährlich weggeworfen, während anderswo fast 2 Millionen Menschen hungern müssen. Um die Nutzung des Trinkwassers steht es ebenfalls schlecht – nur 3% des Wassers weltweit sind trinkbar, und trotzdem wird damit umgegangen, als gäbe es endlos viel davon. Dass die SDGs also wohl kaum als nachhaltig bezeichnet werden können, wenn sie sich nicht auch um Produktion und Konsum kümmern, ist klar – und aus diesem Grund wurde Ziel 12 beschlossen.

Damit die Nachhaltigkeit in allen Ländern forciert wird, gibt es den Zehnjahres-Programmrahmen für nachhaltige Produktions- und Konsummuster, der in allen der Mitgliedsstaaten umgesetzt werden soll. Im Klartext heißt das also, dass sämtliche Länder die Nachhaltigkeit bei Produktion, Konsum und öffentlicher Beschaffung als Priorität in ihre nationalen Politiken aufnehmen sollen. Damit das sowohl in den Industrieländern, als auch in den Entwicklungsländern realistisch umsetzbar ist, werden die weniger entwickelten Länder beim Übergang zu mehr Nachhaltigkeit in ihren wissenschaftlichen und technologischen Kapazitäten unterstützt.

Um zu erzielen, dass die Produktion umweltfreundlicher abläuft, ist es natürlich notwendig, verantwortungsvoll mit den natürlichen Ressourcen umzugehen: Der ökologische Fußabdruck bei der Bewirtschaftung soll um einiges verringert werden, während die Nutzung der Ressourcen effizienter ablaufen soll. Außerdem fokussiert man sich darauf, mehr Ressourcen zu verwenden, die in den heimatlichen Regionen vorkommen.

Auch um den Umgang mit den Lebensmitteln geht es in diesem Ziel: Die Nahrungsmittelverschwendung soll mindestens um die Hälfte reduziert werden. Dies betrifft nicht nur den Einzelhandel und die Verbraucher, sondern auch die Produktions- und Lieferkette, bei der Unmengen an Lebensmittelverlusten anfallen.

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Was Abfälle jeglicher Art angeht, drückt sich Ziel 12 auch ziemlich klar aus: Diese sollen, wo möglich, überhaupt vermeidet werden. Wenn das nicht geht, so heißt es, soll man diese zumindest vermindern und auch wiederverwerten. Hierzulande gibt es beispielsweise momentan die Diskussion, ob man ein Pfandsystem wie in Deutschland einführen sollte – eine Maßnahme, die voraussichtlich weniger Plastikabfälle zur Folge hätte.

Unternehmen, besonders die großen und internationalen, werden ermutigt, bei ihrer Produktion mehr auf Nachhaltigkeit zu achten und ihre Konsumenten dies auch durch Berichte zu ihren Vorgehensweisen wissen zu lassen. Da momentan in einigen Teilen der Gesellschaft ohnehin ein Umdenken in Richtung Umweltverträglichkeit der Produkte am Markt stattfindet, können die Unternehmen dadurch in vielen Fällen sogar profitieren.

Passend dazu schreibt Ziel 12 auch vor, dass bis 2030 weltweit alle Menschen über Informationen und Bewusstsein im Bereich Nachhaltigkeit verfügen. Wenn sich diese über ihre Macht als Konsumenten bewusst sind, können auch sie die Unternehmen durch vermehrte Nachfrage zu ökologischeren Produkten in eine nachhaltigere Richtung lenken.

Für das Einsetzen und Entsorgen für Chemikalien und deren Freisetzung in Luft, Wasser und Boden gibt es internationale Rahmenregelungen, an die sich die Produzenten zu halten haben. So sollen negative Einflüsse auf die Menschheit und die Umwelt auf ein Minimum beschränkt werden.

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Die ineffiziente Subventionierung fossiler Brennstoffe – also die Unterstützung dieses Marktsektors durch öffentliche Mittel – ist ebenfalls ein Problempunkt, der in Ziel 12 angeführt wird. Um zu verhindern, dass mit den fossilen Brennstoffen weiterhin verschwenderisch umgegangen wird, sollen Gegenmaßnahmen ergriffen werden: Die Umstrukturierung der Besteuerung und die allmähliche Abschaffung der Subventionen gehören zum Beispiel zu diesen.

Zu guter Letzt ist auch der nachhaltige Tourismus ein Punkt, den Ziel 12 anspricht: Dieser soll für mehr Arbeitsplätze sorgen, sowie die lokale Kultur und lokale Produkte fördern. Damit das aber so wie geplant funktionieren kann, müssen sich die jeweiligen Länder Strategien zu ihren Tourismusangeboten ausdenken, die auch in der Praxis realistisch umsetzbar sind.

Was die Umsetzung dieses Ziels angeht, sieht die Lage sehr kritisch aus: Vor allem in Europa sind noch viele Schritte ausständig, die gemacht werden müssen, um Ziel 12 zu erfüllen. Bisher ist noch in keinem Land etwas über große Fortschritte bekannt, nur wenige können vorweisen, bisher tatsächlich Maßnahmen ergriffen zu haben.

Dabei gibt es zum Beispiel auch hier in der Steiermark ein paar sehr kreative Initiativen, die ein nachhaltigeres Konsumverhalten fördern können. Es gibt etwa bei uns die Allweg-Steiermarkflasche – eine Weinflasche, die nach Gebrauch gereinigt und dann wiederbefüllt wird. So wird nicht nur bei der Produktion an Energie gespart, da die Reinigung einer alten Flasche um einiges weniger davon braucht, als die Herstellung einer neuen Flasche – es entsteht auch weniger Abfall! Über die Rücknahmestellen der Flaschen kann man sich hier informieren. Wäre doch eigentlich ziemlich toll, wenn sich an solch einem System mehrere Flaschenhersteller beteiligen würden!

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Ganz woanders setzt die Initiative „Reparieren statt wegwerfen!“ an: Online kann man mithilfe des Reparaturführers herausfinden, wo man in der Nähe beispielsweise eine beschädigte Kaffeemaschine reparieren lassen kann, anstatt sich gleich eine neue zu holen. Ziemlich praktisch, da man nicht erst blöd herumfragen muss, welches Geschäft denn auch Reparaturen anbietet.

Auch zu Veranstaltungen und Feiern gibt es hier in der Steiermark eine ziemlich coole Initiative: G‘SCHEIT FEIERN ist Teil des Netzwerks GREEN EVENTS STEIERMARK und kümmert sich vor allem um die Themen „Beschaffung & Abfall“ und „Verpflegung & Catering“. Das Team besteht aus Umwelt- und AbfallberaterInnen der steirischen Abfallwirtschaftsverbände und greift der steirischen Festkultur im Bereich Nachhaltigkeit etwas unter die Arme.

Im Großen und Ganzen kann man also sagen: Zu Ziel 12 gibt es so einige interessante Ansätze – von denen es aber mehr braucht, um dieses bis 2030 zu erreichen. Vor allem die großen Unternehmen sind hierbei gefragt, sich etwas dazu einfallen zu lassen, wie sie ihre Produktion mehr in Richtung Nachhaltigkeit verlagern und es demzufolge auch den Konsumenten erleichtern können, umweltverträglicher zu leben.

Quellen:

https://www.undp.org/content/undp/en/home/sustainable-development-goals/goal-12-responsible-consumption-and-production.html

https://www.sdgwatch.at/de/ueber-sdgs/nachhaltige-konsum-und-produktionsmuster-sicherstellen/

https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/11803Official-List-of-Proposed-SDG-Indicators.pdf

http://www.fairstyria.at/cms/dokumente/12414782_28693792/b34175e0/Agenda_2030_UN-Beschluss.pdf

https://s3.amazonaws.com/sustainabledevelopment.report/2019/2019_sustainable_development_report.pdf

http://www.abfallwirtschaft.steiermark.at/cms/ziel/69608763/DE/

https://www.reparaturfuehrer.at/steiermark

http://www.gscheitfeiern.steiermark.at

Beitragsbild: ©.United Nations [Public domain], gefunden auf Wikimedia Commons

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