Wie geht Widerstand? – Gedenkveranstaltung, 24.01.19

„Wie geht Widerstand?“ war die Frage, die das diesjährige Thema für die heurige Gedenkveranstaltung angab. Was bedeutet Widerstand? Wie sieht Widerstand aus? Wer kann Widerstand leisten? All das sind Fragen, mit denen sich im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung ausführlich und tiefgehend beschäftigt wurde.

Am 24. Jänner fanden sich mehr als 100 Personen im Sitzungssaal des Landtages Steiermark ein, um den Opfern des Holocaust Respekt zu zollen. Die besonderen Gäste dieses Abends sind dabei die Leiterin des NS-Dokumentationszentrums in München Mirjam Zadoff, der Autor und Schriftsteller Doron Rabinovici, der Zeitzeuge Karl Pfeifer und die geschäftsführende Bundesjugendvorsitzende des ÖGB Susanne Hofer. Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Peter Lachnit (Ö1), während das Berndt-Luef-Trio, das zwischen den einzelnen Vorträgen auftritt, für musikalische Untermalung sorgt.

Begrüßt werden alle von der Landtagspräsidentin Bettina Vollath, die die Veranstaltung auch gleich mit einer Rede über vier tragische Schicksale steirischer WiderstandskämpferInnen einleitet. Nach einer Schilderung der tapferen Taten, die diese trotz der gefährlichen Umstände vollbracht haben, schließt Landtagspräsidentin Vollath mit einem Aufruf an die Gäste:

Wir alle sind somit aufgefordert, immer und jederzeit sorgsam über die Achtung der Menschenrechte zu wahren, Demokratie und Rechtstaatlichkeit zu verteidigen und auf diese Weise an einer positiven und friedlichen Zukunft für die nächsten Generationen weiter zu bauen.

Landtagspräsidentin Bettina Vollath

Gleich im Anschluss folgt der Impulsvortrag „Nicht mehr als „drei Zeilen in den Geschichtsbüchern“ – lohnt sich Widerstand?“ von Mirjam Zadoff, die sich mit der Aussage „Gegenwart ist dann niemals nur Gegenwart. Gegenwart ist dann immer auch Vergangenheit“ die Aufmerksamkeit aller Zuhörer sichert.

Gegenwart ist dann niemals nur Gegenwart. Gegenwart ist dann immer auch Vergangenheit.

Mirjam Zadoff

Vor allem den Umgang junger Menschen mit dem Nationalsozialismus und deren Assoziationen zu dem Begriff Widerstand hinterfragt sie. Was wird diesen vermittelt, wenn über die Gräueltaten des NS-Regimes gesprochen wird? Werden sie abgeschreckt oder werden sie dazu angeregt, darüber nachzudenken, welche Freiheiten die Demokratie bietet?

Ihren Vortrag beendet Mirjam Zadoff schließlich mit der Bemerkung, dass Widerstand nicht immer heroischer Natur sein muss. Im Gegenteil, manchmal genügt es auch, für sich selbst zu sagen zu können: „Ich lasse mich nicht unzufrieden machen, ich brauche keinen Neid zu meinem Glück, ich muss keine imaginäre Bedrohung empfinden und meine Grenzen abriegeln.“

Doron Rabinovici, der mit seinem Impulsvortrag „Danke für Ihr Verständnis. Oder: Was heißt denn hier Widerstand?“ anschließt, betont, dass es wichtig ist, die WiderstandskämpferInnen im Gedächtnis zu behalten und diese nicht zu verraten.

Was er mit letzterem anspricht, ist, dass nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart mit kritischen Augen betrachtet werden muss, denn: „Widerstand ist nichts Vergangenes.“

Die einstigen Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen zu ehren und sie nicht zu verraten, heißt, nicht nur zu erzählen, wie es war, sondern vor allem auszusprechen, was ist […].

Doron Rabinovici

Nach den Vorträgen geht es weiter mit der Gesprächsrunde, bei der auch Susanne Hofer und Karl Pfeifer zu Wort kommen. Der Zeitzeuge betont hierbei vor allem die Notwendigkeit, die eigene Menschlichkeit zu wahren und Widerstand in kleinen, alltäglichen Gesten zu leisten.

Aufgabe der Zivilgesellschaft ist es, Widerstand gegen alles, was gegen die Menschenwürde gerichtet ist, zu leisten. Auch kleine Gesten des Anstands können ein Zeichen von Widerstand sein.

Auch Susanne Hofer unterstreicht die Wichtigkeit, sich als Mitglied des Volks nicht gegen andere Mitglieder aufbringen zu lassen. Es sei für die Zukunft von äußerster Not, zu erkennen, auf welcher Basis der Nationalsozialismus entstanden ist.

Sich an diese Zeit zu erinnern, der Opfer zu gedenken und sich bewusst zu machen, auf welchem Nährboden der Nationalsozialismus in Österreich entstehen konnte: Genau das ist heute wichtiger denn je.

Susanne Hofer

Im Übrigen gibt es zusätzlich zur jährlichen Gedenkveranstaltung auch eine Ausstellung zum Thema „Wie geht Widerstand?“, die von SchülerInnen gestaltet wurde und von Mai bis Juni 2019 im Landhaus eingesehen werden kann.

Die ganzen Vorträge und Reden kann man übrigens unter diesem Link nachlesen, auch ein Video der Veranstaltung gibt es auf der Seite.

Das Beitragsbild stammt von © Foto Frankl.

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