Toleranz und Akzeptanz: Intoleranz

Bis jetzt haben wir uns vor allem mit der Toleranz beschäftigt. Nun ist es aber auch einmal an der Zeit, sich deren Gegenteil zuzuwenden – der Intoleranz. Diese ist garantiert jedem schon einmal im Alltag untergekommen. Ob es sich dabei nun um fremdenfeindliche Aussagen eines Kollegen oder um die Freundin gehandelt hat, die seit ihrer Umstellung zur veganen Ernährung tierische Produkte nicht einmal mehr sehen kann – hier lässt sich der Begriff Intoleranz sehr leicht anwenden. Aber auch bei der Intoleranz kann es ganz schön komplex werden. Ist man zum Beispiel selbst intolerant, wenn man intolerante Aussagen oder intolerantes Verhalten anderer nicht dulden kann?

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Da wir bereits im letzten Beitrag über Fremdenfeindlichkeit geschrieben haben, bleiben wir dieses Mal beim Beispiel der veganen Freundin. Bei dieser lässt sich nämlich sehr schnell feststellen, was Intoleranz ausmacht: Nicht hinzunehmen, was man selbst missbilligt, und sogar zu versuchen, diese Meinung oder dieses Verhalten zu bestrafen. Im Falle der veganen Freundin sieht das also zum Beispiel so aus, dass diese etwa einen sehr graphischen Vortrag über Tierquälerei abhält und ihrem Gegenüber vorwirft, dass es sich schämen sollte, sobald dieses es wagt, in ihrer Anwesenheit ein Wurst- oder Käsebrot auch nur auszupacken. Vielleicht durchstöbert die Freundin auch gern in unbemerkten Momenten die Kühlschränke ihrer Gastgeber und entfernt daraus alles, was nicht mit ihrer streng veganen Einstellung vereinbar ist. Möglicherweise stellt die Freundin ihren sozialen Kreis sogar vor das Ultimatum, selbst vegan zu leben oder die Freundschaft zu kündigen, ist also alles andere als tolerant gegenüber der Ernährungsweise ihrer Mitmenschen.

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Nun mag man vielleicht argumentieren, dass man das Verhalten dieser Freundin noch tolerieren könnte, da sie ja niemandem wirklich schadet, sondern höchstens eine sehr unangenehme Präsenz für Leute ist, die sich eben nicht vegan ernähren möchten. Wie sieht das Ganze nun aber mit Personen aus, deren Intoleranz tatsächlich andere Menschen gefährdet und diesen auch schadet? Muss solche Intoleranz ebenfalls toleriert werden? Hier landen wir bei dem Problem, das der Philosoph Karl Popper als das „Paradox der Toleranz“ bezeichnete. Wird nämlich auch das Verhalten dieser Personen toleriert, die sich derart intolerant verhalten, so riskiert man das Zusammenstürzen einer ursprünglich toleranten Gesellschaft. Somit lässt sich also sagen: Intolerantes Verhalten muss nicht toleriert werden, schon gar nicht, wenn tatsächlich Menschen Leid dadurch zugefügt wird. Stark intolerante Äußerungen sollte man zwar nicht verbieten, allerdings kann man diesen sehr wohl mit Ablehnung begegnen. Intolerantes Verhalten, das sich auch in Taten äußert, sollte man auf gar keinen Fall einfach so hinnehmen.

 

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Quellen:

https://www.charleskochinstitute.org/issue-areas/free-speech-and-toleration/should-we-tolerate-intolerance/

https://www.researchgate.net/publication/308518034_Tolerance_Intolerance_and_Respect_Hard_to_Accept

https://www.deutschlandfunkkultur.de/toleranz-warum-intoleranz-manchmal-noetig-ist.1005.de.html?dram:article_id=335608

Beitragsbild: Foto von Nadine Shaabana auf Unsplash

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