Toleranz und Akzeptanz: Graubereiche der Toleranz

Wie wir bereits in unserem ersten Beitrag dieser Reihe festgestellt haben, bedeuten Toleranz und Akzeptanz nicht dasselbe. Toleranz steht für das passive Hinnehmen von Dingen, Tatsachen und Personen, die nicht der Norm entsprechen, während Akzeptanz für das aktive Gutheißen von diesen steht. Die Grenzen, an denen Toleranz und Akzeptanz enden, sind allerdings nicht ganz klar definiert – oft tun sich Graubereiche auf, in denen einem nicht vollkommen klar ist, was denn nun das richtige Verhalten wäre. Muss man beispielsweise Meinungen akzeptieren, die fremdenfeindlich sind? Muss man diese überhaupt tolerieren können?

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Grundsätzlich sieht es ja so aus, dass die Toleranzgrenze überschritten ist, sobald jemandes Freiheiten eingeschränkt werden, jemandes Rechte missachtet werden oder gar zu Gewalttaten geschritten wird. Diese Grenzen sind auch durch Gesetze klar definiert, wie z.B. im Verbotsgesetz oder im Strafrecht (siehe etwa Verhetzungsparagraph). Auch bei menschenverachtenden Äußerungen sollte Schluss mit der Toleranz sein. Schön und gut – was ist denn jetzt aber genau mit den menschenverachtenden Äußerungen gemeint? Betreffen diese auch den entfernten Verwandten, der sich beim jährlichen Familienessen abfällig darüber äußert, dass seiner Meinung nach viel zu lasch mit MigrantInnen umgegangen wird? Oder muss es sich dabei um radikalere Äußerungen handeln, wie sie oft bei rechtsextremen Zusammenkünften zu hören sind?

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Wer sich an dieser Stelle eine eindeutige Antwort erhofft hat, wird nun leider enttäuscht sein. Eine klare Trennlinie, ab der man Äußerungen nicht mehr tolerieren kann und darf, gibt es nicht, solange nicht die oberen Grenzen überschritten wurden. Dazu zählt allerdings auch eine ausreichende Öffentlichkeit. Es lässt sich nicht einfach pauschal sagen, was denn nun eine tolerierbare Äußerung ist und was nicht. Stattdessen sieht es vielmehr so aus, dass man für sich selbst entscheiden muss, was man akzeptieren oder tolerieren kann und was man ganz entschieden ablehnt. Ein „richtig“ und ein „falsch“, was die Toleranz angeht, gibt es hierbei oft nicht – jeder trifft selbst die Entscheidung, wie viel er bei einem Thema tolerieren kann und wo er schließlich den Schlussstrich zieht.

So kann man sich etwa einerseits dafür entscheiden, dem Verwandten von vorhin zu widersprechen, da man seine Ansicht nicht teilt oder gar für verwerflich hält, andererseits aber auch beschließen, zu schweigen, da man den Verwandten ohnehin nur einmal im Jahr sieht und dessen Aussagen für dieses eine Treffen zwar nicht akzeptieren, aber zumindest tolerieren kann. Jede Form der Zivilcourage, wie zum Beispiel offener Widerspruch, wäre in jedem Fall sinnvoll und empfehlenswert, damit zumindest klar ist, dass dies eine Einzelmeinung und kein gesellschaftlicher Konsens ist.

 

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Toleranz und Akzeptanz: Akzeptanz, die eigentlich gar keine ist

 

Quellen:

https://www.lernando.de/magazin/527/Respekt-Wo-hoert-Toleranz-auf

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/hoersaal-grenzen-der-toleranz

https://karrierebibel.de/toleranz/

https://sz-magazin.sueddeutsche.de/die-gewissensfrage/passt-schon-77999

Beitragsbild: ©Gerd Altmann auf Pixabay

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