Straßenkinder: Überleben in Banden

Bisher ging es nur darum, wie Kinder ihr Leben auf der Straße verbringen, wenn sie alleine sind. Dies ist allerdings nicht immer der Fall – teilweise leben die Kinder etwa an der Seite ihrer Eltern auf der Straße oder schließen sich gemeinsam mit anderen Straßenkindern zu Banden zusammen. Doch wie sehr unterscheidet sich ihr Alltag dadurch von dem der Kinder, die alleine unterwegs sind? Welche Probleme lassen sich dadurch lösen, welche neuen tun sich auf?

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Einer der Hauptgründe, warum Straßenkinder Banden gründen, ist der, dass sie sich so gegenseitig mehr Schutz bieten können – Schutz zum Beispiel vor Polizeikontrollen, vor anderen Banden und vor Angriffen in der Nacht. Auch lebensnotwendige Tipps und Strategien, wie etwa solche zum Beschaffen von Geld, können in solchen Banden weitergegeben werden. Nicht zuletzt dienen die Banden, zu denen sich die Straßenkinder zusammenschließen, auch als Familienersatz, da sie bei ihren Leidensgenossen auf Verständnis stoßen und auch die Geborgenheit finden, die ihnen in manchen Fällen schon vor ihrem Leben auf der Straße gefehlt hat.

Allerdings haben solche Banden von Straßenkindern auch ihre Schattenseiten: Verstößt etwa jemand gegen die eigens festgelegten Regeln oder verhält sich nicht loyal gegenüber der Gruppe, so können die Strafen (die sich die Kinder oft von Erwachsenen abgeschaut haben) sehr hart ausfallen. Außerdem fällt es denjenigen Straßenkindern, die sich in Banden befinden, schwerer, sich Hilfe zu holen, um wieder in ein normales Leben zurückzukehren. Dies wird von ihren Bandenmitgliedern als Verrat abgetan, da sie der Verlust eines ihrer Mitstreiter schwächt, was meist auch zu großen Auseinandersetzungen führt.

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Außerdem sind die Tätigkeiten, zu denen sich die Kinder zusammenschließen, manchmal auch mehr als bloß harmloses Miteinanderleben auf der Straße. In einigen Fällen kommt es so, dass der Einstieg in eine Bande gleichzeitig auch den Einstieg in eine kriminelle Laufbahn bedeutet, da kaum eine andere Möglichkeit für sie besteht, zu überleben. Anstatt sich bloß gegenseitig durch den Alltag zu helfen, üben die Bandenmitglieder etwa Diebstahl und Raub aus oder verkaufen Drogen, um sich finanziell über Wasser zu halten.

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Natürlich kann es auch noch viel schlimmer kommen – und zwar dann, wenn die Straßenkinder ausgerechnet an solche Gruppen gelangen, in denen mafiöse Strukturen bestehen. Bettlerorganisationen gehören etwa dazu: Hier werden Kinder absichtlich verstümmelt, damit sie auf der Straße das Mitleid der Passanten erregen und somit mehr Geld verdienen, welches sie am Abend den Betreibern der Organisation im Gegenzug für Essen und einen Schlafplatz übergeben müssen. Auch sexuelle Ausbeutung ist in solchen mafiösen Gruppen keine Seltenheit, selbst vor Kinderprostitution schrecken diese nicht zurück, solange der Gewinn am Ende des Tages groß genug ausfällt. Auf die Regierung und Beamte können Straßenkinder, die an Bettelorganisationen geraten sind, leider nicht hoffen: Dort, wo solche Organisationen ihr Unwesen treiben, sieht die Gesellschaft meist bewusst weg, um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, dass vor ihren Augen Kinder auf brutalste Weise ausgebeutet werden.

 

Quellen:

https://www.geo.de/geolino/mensch/10477-rtkl-strassenkinder-die-wegwerfbaren

http://www.schwabenkinder.at/fileadmin/_migrated/content_uploads/Infoheft_Strassenkinder_J1W.pdf

https://strassenkinder.de/informieren/strassenkinder/lexikon/

https://www.jugendeinewelt.at/fileadmin/storage/10-kinderrechte/01-strassenkinder/tag-der-strassenkinder/01-broschueren/2017_Broschuere_Strassenkinder_Web-Version_II.pdf

https://www.deutschlandfunk.de/strassenkinder-in-indien-die-bettel-mafia.886.de.html?dram:article_id=438281

Beitragsbild: ©Sonam Prajapati auf Pixabay

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