Straßenkinder: Gefahren des Alltags 2/2

Die physischen Gefahren, die das Leben auf der Straße mit sich bringt, sind zahlreich, wie wir im letzten Beitrag feststellten. Nahrungsunsicherheit, mangelnde Gesundheitsvorsorge und das häufige Erleben von Gewalttaten sind nur drei davon. Allerdings bleibt es meist nicht nur bei physischen Hürden: Oft kommen zu all den anderen Problemen und Herausforderungen, denen sich die Straßenkinder jeden Tag stellen müssen, auch noch mentale Schwierigkeiten, die ihnen das Leben noch weiter erschweren.

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Generell ist es so, dass Kinder kaum aus einer Laune heraus beschließen, dass sie auf der Straße leben möchten, sondern vielmehr durch eine aussichtslose Situation dazu gezwungen wurden. Sei die Ursache, die die Kinder zum Leben auf der Straße verdammt hat, nun Krieg, eine Naturkatastrophe oder ein großer Konflikt gewesen – häufig ist das Resultat davon, dass die Straßenkinder weder emotionale noch materielle Unterstützung haben. Eine dermaßen mit Stress beladene Vergangenheit, kombiniert mit ihrem anstrengenden Leben auf der Straße, lässt viele der Kinder anfälliger für psychische Probleme wie etwa Depressionen entwickeln. Die stetige Diskriminierung, die sie von der Gesellschaft erfahren müssen und die gewaltsamen Angriffe, die sie häufig erdulden müssen, tragen ebenfalls dazu bei, dass sich die Straßenkinder minderwertig und ungewollt fühlen, was ihrer psychischen Gesundheit weiter schadet.

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Da sie auch für ihre mentalen Beschwerden meist keine Behandlung in Anspruch nehmen können, greifen viele Straßenkinder auf psychoaktive Substanzen zurück. Da viele Drogen wie etwa Heroin oder reines Kokain zu teuer sind, stehen vor allem Billigdrogen wie Flüssigkleber oder Benzin weit oben auf der Liste, die durch Schnüffeln für einen kurzen Zeitraum Hunger, Kälte und Langeweile mildern. Allerdings sind auch solche Billigdrogen, an die man im Alltag sehr schnell gelangen kann, keineswegs ungefährlich: Nicht nur die Nebenwirkungen – Halluzinationen und ein gesteigertes Aggressionspotenzial – sollten nicht unterschätzt werden, auch die Folgen des Missbrauchs von Schnüffelstoffen können gravierend sein. Obwohl sie aufgrund ihres Namens um einiges weniger schädlich als bekanntere Drogen wirken mögen, können auch Flüssigkleber und Benzin sehr schnell süchtig machen. Noch dazu führt das Schnüffeln dieser Substanzen in vielen Fällen zu chronischen Atemwegsbeschwerden, die sie oft nicht ärztlich untersuchen und auch behandeln lassen können. Natürlich sind auch üblichere Drogen, an die man recht einfach gelangen kann, wie etwa Alkohol, Zigaretten und Marihuana weit verbreitet unter den Straßenkindern, die diese ebenfalls nutzen, um ihrem harten Alltagsleben zu entfliehen. Diese stellen ebenfalls bekannte Bedrohungen für die Gesundheit der Kinder dar, etwa in Form von Gehirn-, Leber- und Lungenschäden.

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Auch die Tatsache, dass manche der Straßenkinder häufig zwischen Bezirken oder sogar Städten wechseln, kann eine psychische Belastung für sie sein. Ganz egal, ob die Kinder nun selbst entschlossen haben, dass sie weiterziehen möchten, oder ob sie dies nun tun, um sich etwa vor der Polizei oder vor Gangs zu verstecken: Auf Dauer ist diese Art des Lebens eine große psychische Anstrengung für die Straßenkinder. Dadurch, dass sie sich nie lange an einem Ort aufhalten, haben sie kaum die Möglichkeit dazu, soziale Kontakte zu knüpfen. Dies verstärkt zum einen das Gefühl der Einsamkeit, das viele der Kinder ohnehin verfolgt, und führt zum anderen in einigen Fällen auch dazu, dass es ihnen schwer fällt, emotionale Bindungen zu ihren Mitmenschen aufzubauen.

 

Quellen:

https://www.kindernothilfe.at/straßenkinder.html

https://www.tdh.de/was-wir-tun/arbeitsfelder/strassenkinder/

https://strassenkinder.de/informieren/strassenkinder/lexikon/

https://www.unicef.de/informieren/materialien/unterrichtsmaterial-strassenkinder

https://www.humanium.org/de/strasenkinder/

https://www.unodc.org/pdf/youthnet/who_street_children_module1.PDF

Beitragsbild: Aamir Mohd Khan auf Pixabay

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