Straßenkinder: Der Weg auf die Straße

Für die meisten von uns haben Straßen keine große Bedeutung. Die einen bringen uns ins nächste Einkaufszentrum, die anderen in die Arbeit, ab und zu gibt es auch welche, die uns in den Urlaub bringen – doch eins haben sie meist gemeinsam: Für uns sind sie einfach nur Straßen. Allerdings geht es nicht allen Menschen so: Für viele ist die Straße nicht nur eine Verbindung von zwei Adressen, sondern ihr Wohnort. Dies betrifft leider auch die Jüngsten. Ganze 150 Millionen Kinder leben laut Schätzungen weltweit auf der Straße – zieht man in Betracht, dass viele von ihnen nicht einmal eine Geburtsurkunde besitzen, so könnten es noch weitaus mehr sein. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass so viele Kinder auf der Welt auf der Straße zuhause sind?

Bevor wir diese Frage klären, noch eine Anmerkung: Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen Kindern „auf“ der Straße und Kindern „von“ der Straße. Während erstere durchaus noch Kontakt zu ihren Familien besitzen und hin und wieder auch zu diesen zurückkehren, verbringen letztere Tag und Nacht auf der Straße. Wenn man möchte, so kann man dies noch weiter unterteilen, wenn man in Betracht zieht, dass manche Kinder etwa tagsüber oder unter der Woche auf der Straße arbeiten, anschließend aber wieder in ihrem Elternhaus übernachten. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

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Nun aber zurück zum eigentlichen Thema dieses Beitrags: Wieso leben eigentlich so viele Kinder auf der Straße? Darauf gibt es keine exakte und doch gleichzeitig sehr viele Antworten. Ein Grund wäre etwa, dass die Familie von Straßenkindern besonders arm ist und sie daher schon sehr früh dazu beitragen müssen, dass sie zumindest einmal am Tag eine Mahlzeit auf den Tisch bekommen. Die resultierende Unterernährung und die dauernde Last der Arbeit, die die Kinder stets begleiten, aber auch das Wissen, dass das Einkommen dennoch nicht genug für die Familie ist, bringt viele von ihnen schließlich dazu, das Leben auf der Straße zu wählen.

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Ein anderer Grund, weshalb Kinder zu Straßenkindern werden, sind Missbrauch oder Vernachlässigung durch ihre Eltern. Wird etwa ein Kind zur Zielscheibe für den Ärger darüber, dass seine Eltern ihre Lebenssituation nicht unter Kontrolle bekommen können oder wird ihm überhaupt keine Beachtung geschenkt und es sich selbst überlassen, so kann es sein, dass die Straße den Schlägen oder der Apathie seiner Eltern vorzieht. Auch Suchtmittel wie Alkohol oder Drogen können in solchen Fällen eine große Rolle dabei spielen, dass sich Kinder so unwohl in ihrem Elternhaus fühlen, dass sie die Straße als geringeres Übel ansehen.

HIV, Aids und andere Krankheiten können ebenfalls der Grund dafür sein, weshalb Kinder auf der Straße leben. Kommt es etwa so weit, dass ihre Eltern an einer dieser Erkrankungen versterben und es lassen sich keine willigen Angehörigen finden, die auch genug Geld besitzen, um die Kinder aufzunehmen, so kann es sehr schnell passieren, dass deren nächster Wohnort die Straße wird. Doch selbst, wenn die Kinder eine neue Familie finden können, die sie aufnimmt, so heißt das dennoch nicht, dass sie aus dem Schneider sind: Oft ist es so, dass diese Familie, sollte diese weitere Kinder besitzen, ihre eigenen absichtlich oder unabsichtlich bevorzugt, weshalb die Adoptivkinder auf eigene Faust beschließen, auf der Straße ein hoffentlich besseres Leben für sich zu finden.

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Schließlich können auch Krisensituationen wie Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung verantwortlich dafür sein, dass Kinder auf der Straße landen. Hat deren Familie durch den Krieg ihr früheres Zuhause verloren, wurden sie von ihrem Wohnort fortgejagt oder ist ihr Haus durch eine riesige Flut zerstört worden, so verlieren diese schnell jeglichen Anhaltspunkt im Leben und müssen oftmals akzeptieren, dass die Straße gezwungenermaßen als ihr neues Zuhause fungieren wird.

Selbstverständlich gibt es noch sehr viele weitere Gründe, die dem Schicksal einiger Straßenkinder zugrunde liegen können, dies jedoch sind unter anderem die häufigsten. Da wir nun die Frage geklärt haben, welche Umstände denn dafür sorgen können, dass Kinder – freiwillig oder nicht – die Straße als ihr neues Zuhause annehmen, beschäftigen wir uns im nächsten Beitrag damit, wie das Leben auf der Straße für diese aussehen kann.

 

Quellen:

https://www.jugendeinewelt.at/kinderrechte/strassenkinder/wie-viele-strassenkinder-gibt-es/

https://www.jugendeinewelt.at/kinderrechte/strassenkinder/wer-ist-ein-strassenkind/

https://www.jugendeinewelt.at/kinderrechte/strassenkinder/wieso-landen-kinder-auf-der-strasse/

https://unicef.at/einsatzbereiche/strassenkinder/

https://www.kindernothilfe.at/straßenkinder.html

https://www.tdh.de/was-wir-tun/arbeitsfelder/strassenkinder/

Beitragsbild: ©Sonam Prajapati auf Pixabay

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