So wenig Plastik wie möglich

Es gibt ihn. Einen Plan. Den Versuch, etwas zu ändern. Erst Mitte Juni hatte das EU Parlament ein Verbot für Einwegflaschen in den Räumen der Volksvertreter verabschiedet. Ab kommendem Jahr sollen hier ausschließlich Glasflaschen oder mehrfach verwendbare Behälter auf den Tischen stehen. Zudem ist ein Vermarktungsverbot für Wattestäbchen, Besteck, Teller, Rührstäbchen, Trinkhalme, und Luftballonstäbchen innerhalb der Union in Arbeit. Ein guter Plan. Ein großes Ziel.

Für den Pilotwal, der Anfang Juni vor der Küste Thailands an Plastikmüll verendet ist, kommen solchen Entscheidungen dennoch zu spät. Mit über 80 Plastiksackerl im Magen ist er  neben den unzähligen anderen Tieren zu einer Art Sinnbild geworden, ein Symbol für eine Entwicklung, die wir so noch gar nicht fassen können. Die Welt droht im Plastik zu ersticken. Und das wörtlich. Immerhin produzieren und verbrauchen wir mittlerweile so viele Plastiksackerl, dass wir unseren ganzen Erdball unvorstellbare sechs Mal damit umwickeln könnten.

Bis zu 5 Billionen Plastiksackerl verbraucht die Welt  pro Jahr. Viele davon werden nur wenige Minuten benutzt und schwimmen dann tausende Jahre im Meer – aus einem Bericht des ORF

Von der Gurke, über die Mandarine bis hin zur geschälten und in Stückchen geschnittenen Banane – sie alle werden heute standardmäßig in Plastikbechern oder Styroporschüsseln gepackt, meist zusätzlich in Folie eingeschweißt. Und das, obwohl genau diese Produkte von Natur aus eine Schale haben, sich damit selbst vor äußeren Umwelteinflüssen schützen. Für die Produzenten jedoch ist die Verpackung praktisch. Obst und Gemüse lassen sich im Supermarkt besser stapeln, verstauen. Und: Das Plastik schützt vor allem Bio-Produkte vor Kontaminanten aus dem konventionellen Bereich. Nur so ist garantiert, dass der Apfel aus ökologischer Landwirtschaft auch im Handel nicht mit Pestiziden oder chemischen Pflanzenschutzmitteln in Berührung kommt. Eine Lösung mit Folgen.

Plastic Planet – der Trailer zum Dokumentarfilm von Werner Boote.

8,2 Milliarden Tonnen Plastikmüll wurden seit der Erfindung des praktischen Allrounders hergestellt. Nur 9% davon wurde wiederverwertet, 12% verbrannt. Der Rest, ganze 79% landet auf Müllhalden, Wasserstraßen, im Meer. Dort schwimmt es dann. Hunderte Jahre. Denn Plastik verrottet nicht. Es wird zu Mikroplastik, zerfällt in sandkornkleine Teilchen. Was danach kommt weiß man nicht.

Jede Österreicherin, jeder Österreicher verbraucht ca.34,2 kg Plastik im Jahr. Das sind drei Kilo mehr, als der EU Durchschnitt – aus einem Bericht des ORF

Auch wir in Österreich tragen zu diesem Wahnsinn bei. Jährlich fallen hier 900.000t Plastikmüll an. Das sind rund 70.000 beladene Müllautos. Und obwohl die Alpenrepublik zu den Recycling-Vorreitern zählt, wird nur ein Drittel des gesamten Kunststoffs wiederverwertet. Der Rest wird verbrannt, energetisch genutzt. Zu wenig, findet die EU. Und so sollen die Mitgliedsstaaten bis 2025 50% des in Umlauf gebrachten Plastiks recyceln.

Ist es tatsächlich notwendig, eine Plastikfalsche mit einem Papieretikett zu versehen?
Wenn diese Quote tatsächlich erreicht werden soll, sind wir alle gefragt. Die Industrie, die Politik aber auch du und ich, die Konsumentinnen und Konsumenten. Erstere ist dazu angehalten, bessere Behältnisse zu entwickeln, das Design von der Recyclebarkeit abhängig zu machen. Verpackungen, die sich durch eine geringere Materialvielfalt auszeichnen, leichter trennbar sind. Die Politik könnte die Entwicklung von Alternativverpackungen subventionieren, stärker unterstützen. Anstelle einer pauschalen Gebühr für den Verpackungsmüll der Privathaushalte wäre eine an die Häufigkeit der Entleerung gekoppelte Zahlung denkbar. So könnte die Bevölkerung zusätzlich zu einem bewussteren Umgang mit Kunststoff angeregt werden. Wer mehr Verpackungsmüll produziert, zahlt mehr. Wir hingegen müssen noch besser trennen, Aluminiumdeckel von Plastikbechern abziehen, das Papier entfernen. Oder aber versuchen, auf einen Großteil der Verpackungen ganz zu verzichten. Denn besser als Recyclingmüll ist immer noch gar kein Müll.

Quellen:
Kunststoffsortieranlage Saubermacher Graz
Deshalb ist Ihre Gurke in Plastik verpackt – ein Bericht aus dem Stern. 
Macht Schluss mit der Plastiktüte – alle Infos leicht erklärt von utopia.de
Ich bin Mother Nature’s Boy – und du so? – Eine Aktion zum Mitmachen 


Symbol © Friedensbüro Graz