Sklaverei: Schuldknechtschaft

Auch eine ursprünglich harmlose Summe an Geld, die man sich geborgt hat, kann einen schlussendlich in einen Teufelskreis aus Schulden und Arbeit treiben, dem man nicht entfliehen kann. Durch Dienstleistungen bemüht man sich darum, all das Geld wieder zurückzuzahlen, das man sich geliehen hat, während die eigenen Schulden immer weiter steigen. Schon bald sind diese so weit außer Kontrolle geraten, dass die Arbeit, die man als Entschädigung zu verrichten hat, kein Ende mehr zu nehmen scheint. Ohne sich dessen bewusst zu sein, ist man tief in die sogenannte Schuldknechtschaft gerutscht – eine Form der Sklaverei, die weltweit etwa 8 Millionen Menschen betrifft.

Ob man nun von selbst in den endlosen Kreislauf der Schuldknechtschaft gerutscht ist oder seine Schulden gar geerbt hat, da die eigenen Eltern diese nicht bezahlen konnten – aus dieser Art der Sklaverei auszubrechen scheint so gut wie unmöglich zu sein. Egal, wie viel man arbeitet und wie sehr man sich anstrengt: Die „Arbeitgeber“ häufen einem nur noch mehr Schulden auf den Schuldenberg, um einen ja nicht als Arbeitskraft zu verlieren. Kosten für die Unterkunft, zusätzliches Geld für Essen oder Trinken – der Kreativität der ausbeutenden Personen sind hierbei keine Grenzen gesetzt, während die versklavten Menschen überhaupt keine Chance haben, die stets größer werdende Geldsumme je zurückzuzahlen.

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Die Arbeitsplätze, an denen die versklavten Personen ihre Schulden abarbeiten müssen, sind unter anderem häufig Orte wie Minen, Fabriken oder Ziegelbrennereien, also von sehr auszehrender Natur. Besonders verbreitet ist diese Art der Sklaverei in Südasien, etwa in Indien oder in Pakistan, wo oft nicht nur eine Person daran arbeitet, ihre Schulden wieder loszuwerden, sondern ganze Familien in der Schuldknechtschaft feststecken. Es kommt auch vor, dass die Schulden über Generationen hinweg weitergegeben werden – Kinder werden somit schon in in die Schuldknechtschaft geboren werden und verbringen ihr restliches Leben damit, umsonst für Geld zu arbeiten, das sie selbst nie gesehen haben.

Die Schuldknechtschaft boomt in Zeiten der Armut förmlich, in Indien kommt etwa noch dazu, dass gewisse Gesellschaftsgruppen aufgrund des dortigen Kastenwesens stark diskriminiert werden. Da kaum eine Möglichkeit für die Betroffenen besteht, sich durch bessere Bildung oder gut bezahlte Jobs einen Weg aus der Armut zu bahnen, sind sie oft auf Schulden angewiesen, die sie schnell in den ewigen Zyklus der Schuldknechtschaft hineinziehen können.

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Mohan und seine Frau Bhagavati aus Indien, die der oft diskriminierten Kaste der Dalits angehören, hatten in ihrer Vergangenheit mit Schuldknechtschaft zu kämpfen. Beflügelt von der Vorstellung eines besseren Lebens verließen sie ihr Heimatdorf, um in einer Ziegelbrennerei zu arbeiten. Ursprünglich planten sie, dort nur eine Saison lang zu bleiben, doch aus einer Saison wurden ganze 25 Jahre: Sie konnten den Kredit, den sie aufgenommen hatten, um umzuziehen, nicht zurückzahlen und wurden somit zu den Sklaven des Besitzers der Ziegelbrennerei. Als Mohan und Bhagavati zur Hochzeit ihrer Tochter zurück in ihr Heimatdorf reisten, behielt ihr „Arbeitgeber“ sogar ihren jüngsten Sohn bei sich, um sicherzugehen, dass die beiden ihm nicht entfliehen konnten.

All die Jahre, in denen Mohan, Bhagavati und ihre jüngeren Kinder in der Ziegelbrennerei arbeiteten, erhielten sie stets gerade so viel Geld, dass sie nicht verhungerten – der Rest wurde wieder eingezogen, um die Schulden zu begleichen, die stets größer wurden. Erst, als der jüngste Sohn von Mohan und Bhagavati aufgrund der Arbeit daran gehindert wurde, zu seinen Abschlussklausuren zu gehen, kontaktierte dieser die VSJ (Volunteers for Social Justice).

Auch mit der Hilfe von VSJ war es kein Leichtes, die Familie aus der Schuldknechtschaft zu befreien, doch inzwischen ist diese den Fängen ihres “Arbeitgebers” endlich entkommen.

Quellen:

https://www.antislavery.org/slavery-today/bonded-labour/

http://www.endslaverynow.org/learn/slavery-today/bonded-labor

https://www.antislavery.org/impact/stories/mohan-bhagavati/

Beitragsbild: orythys auf Pixabay

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