Sklaverei: Menschenhandel

Eine weitere Art der Sklaverei, an die man nicht unbedingt sofort denkt, ist der Menschenhandel. Grob gesagt ist das Prinzip des Menschenhandels, Leute in eine Situation zu bringen, der sie nicht entkommen können – sei dies nun durch falsche Versprechen, Nötigung oder Anwendung von Gewalt – und sie dann auszubeuten. Hierbei sind etwa 51% aller Opfer des Menschenhandels, die identifiziert werden konnten, Frauen, während 28% Kinder und 21% Männer sind.

Die Zwecke, zu denen Menschen auf diese Weise versklavt werden, sind sehr unterschiedlich: Zwangsarbeit, Zwangskriminalität oder auch Organhandel können etwa dazugehören. Oft wird fälschlicherweise davon ausgegangen, dass Personen beim Menschenhandel über die Grenzen verschleppt werden – dies ist so allerdings nicht ganz richtig. Im Gegensatz zum Schmuggeln von Personen findet der Menschenhandel meist innerhalb eines Landes statt, wobei Leute an einen Arbeitsplatz versetzt werden, den sie nicht ohne Weiteres verlassen können.

Während der Menschenhandel vor allem im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung bekannt ist, gibt es auch eine ganze Reihe an anderen Dienstleistungen, die bei dieser Form der Sklaverei üblich sind, wie zum Beispiel die gezwungene Arbeit im Haushalt. Sind Kinder betroffen, so zählt jede Form der Ausbeutung als Menschenhandel, ganz egal, wie diese aussieht. So unterschiedlich sie auch sein mögen, eines haben die verschiedensten Richtungen des Menschenhandels gemeinsam: Die Umstände, unter denen sie überhaupt erst möglich werden.

Bild von jacqueline macou auf Pixabay

Auch hier ist es meist so, dass die Betroffenen der Armut ihres Alltags entkommen wollen und sich dabei auf die Suche nach besser bezahlten Jobs machen. Dies nützen ihre neuen „Arbeitgeber“ schamlos aus: Sie bieten den Menschen Arbeit unter wunderbar klingenden Bedingungen an, für die sie angeblich bloß ein wenig weiter weg ziehen müssen. Voller Hoffnung treten die betroffenen Personen also die Reise zu ihrem neuen Arbeitsplatz an und nehmen dabei oft Schulden auf sich, um die Umzugskosten zu decken – bloß, um herauszufinden, dass ihr vermeintlicher Traumjob sehr weit von traumhaft entfernt ist. Kaum sind sie angekommen, verlieren sie ihre Dokumente an ihre neuen „Arbeitgeber“, die sie dazu zwingen, für sie zu arbeiten, bis sie all die Schulden abbezahlt haben, die sie gemacht haben. An diesem Punkt geht der Menschenhandel beinahe nahtlos in die Schuldknechtschaft [Link] über, bei der es keine Option für die Betroffenen gibt, einfach wieder zu ihrem alten Leben zurückzukehren.

Wie grausam und erniedrigend der Menschenhandel sein kann, weiß Elvira aus den Philippinen ganz genau: Als ihr Ehemann krank wurde, wandte sie sich an eine Arbeitsvermittlungsstelle, um einen Job zu finden. Zunächst wurde sie nach Qatar geschickt, wo die Familie, für die sie arbeitete, sich nicht an ihren Vertrag hielt, sondern ihr stattdessen viel weniger als abgemacht zahlte und ihr einen freien Tag untersagte. Als sie versuchte, die Vermittlungsstelle zu kontaktieren, meldete sich niemand, was Elvira dazu zwang, ein Jahr bei der Familie zu schuften. Erst nach einem Jahr schien ein kleiner Lichtblick für sie zu kommen: Ihre Arbeitgeber meinten, sie würden sie zurück nach Hause lassen, wenn sie in London für eine ihrer Schwestern arbeiten würde.

Bild von Steven Iodice auf Pixabay

Elvira stimmte zu im Glauben, alles würde nun besser werden – doch es sollte nur noch schlimmer kommen. Bei der Schwester der Familie, die nahe des Einkaufshauses Harrods wohnte, musste sie ebenso jeden Tag so lange im Haushalt arbeiten, bis sie sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte. Essen wurde ihr ebenso verwehrt: Ein Stück Brot und eine Tasse Tee waren alles, das Elvira an Nahrung bekam. Obendrein musste sie am Fußboden schlafen und sich tagtäglich die Beleidigungen ihrer Arbeitgeberin anhören, die sie auf unter anderem Arabisch als Hund beschimpfte. Alleine das Haus zu verlassen war Elvira unmöglich – vor allem deswegen, weil die Familie noch ihren Pass besaß, ohne den sie nicht weit gekommen wäre.

Mit ihrem Handy nahm sie schließlich über Facebook Kontakt zu einem ihrer Freunde auf, der ihr riet, sich an einen Bund aus philippinischen Arbeitern in London zu wenden. Gesagt, getan: Eines Tages, als ihre Arbeitgeberin am Schlafen war, stahl Elvira die Schlüssel und verließ eiligst die Wohnung. Anschließend hielt sie sich in einer nahegelegenen Kirche versteckt und informierte von dort aus den Arbeiterbund, der ihr nun hoffentlich dabei helfen kann, wieder heimzukommen.

 

Quellen:

https://www.antislavery.org/slavery-today/human-trafficking/

https://www.dosomething.org/us/facts/11-facts-about-human-trafficking

https://humantraffickinghotline.org/what-human-trafficking

https://www.theguardian.com/global-development/2017/jul/29/slept-floor-flat-near-harrods-stories-modern-slavery

Beitragsbild: ©Dennis Larsen auf Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.