Sklaverei aufgrund von Abstammung

Es ist nicht notwendig, von selbst in den ewigen Kreislauf der Sklaverei zu rutschen – man kann auch das Pech haben, von Geburt an zur Sklaverei verdammt zu sein. Was beinahe nach mittelalterlichen Verhältnissen klingt, ist leider für viele Menschen die harte Realität: Nach wie vor gibt es Leute, die als Sklaven enden, weil bereits ihre Eltern vor ihnen schon versklavt wurden. Der Sklavenstatus ist hierbei also eine Art ungewolltes Erbe, das innerhalb der Familie weitergegeben wird – und das man leider auch nicht so schnell wieder los wird.

Diese Form der Sklaverei, die zum Beispiel in manchen Regionen Afrikas ein aktuelles Thema ist, beginnt im Gegensatz zu den bisherigen etwas anders. Hier läuft es nicht so, dass die Betroffenen mit großen Versprechen von gut bezahlter Arbeit in den ewigen Kreislauf der Sklaverei hineingezogen werden – hier ist es so, dass die Menschen überhaupt gar keine Bezahlung für all die Arbeit erhalten, die sie leisten. Stattdessen werden sie ihr Leben lang von ihren „Arbeitgebern“ ausgebeutet und so behandelt, als wären sie bloße Objekte, die man ohne Weiteres ersetzen könnte. So abartig es auch klingen mag: Für manche Menschen ist es eine realistische Befürchtung, dass sie von heute auf morgen einfach so an jemanden verkauft oder als Hochzeitsgeschenk übergeben werden und ihre Familien infolge dessen nie wieder sehen.

Bild von Amber Clay auf Pixabay

Kinder, die in eine Familie aus Sklaven geboren werden, beginnen ihr Leben besonders aussichtslos: Bereits von Geburt an sind sie das Eigentum einer anderen Person, die sie möglicherweise ihrer Mutter entreißt, sobald sie alt genug sind, um selbst für einen Arbeitgeber zu schuften. Oft sehen sie eine Schule nicht ein einziges Mal von innen, bevor ihr Alltag als Sklave beginnt.

Selbst, wenn es eine betroffene Person geschafft hat, dieser Art der Sklaverei zu entfliehen, so sind all ihre Probleme dennoch nicht gelöst: Meist besitzen die versklavten Menschen keinerlei Dokumente, die es ihnen etwa möglich machen würden, ein Konto zu eröffnen oder ihre Stimme in einem Wahllokal abzugeben. Mühsam müssen sie erst all die Papiere zusammensammeln, die ihnen das Leben als normaler Bürger garantieren.

In Mauretanien etwa, wo die Sklaverei eigentlich im Jahr 1981 als illegal erklärt wurde, so ist diese Form dennoch tausenden von Menschen dort wohlbekannt – Schätzungen zufolge könnten ganze 20% der mauretanischen Bevölkerung derzeit versklavt sein. Aufgrund des strikten Kastenwesens, das dort üblich ist und sich über die Jahrzehnte hinweg etabliert hat, existieren bis heute noch Familien, denen Sklaven – oft Personen dunklerer Hautfarbe – „gehören“. Obwohl dieses Problem in Mauretanien ein öffentliches Geheimnis ist, so werden Proteste gegen den Status quo regelmäßig durch Festnahmen oder Folter unterdrückt. Anstatt etwas zu unternehmen, um irgendetwas am momentanen Zustand zu ändern, lobt sich die dortige Regierung bloß mit großen Worten dafür, dass sie die Sklaverei angeblich abgeschafft habe und dass es diese nun selbstverständlich nicht mehr gäbe.

 

Quellen:

https://www.antislavery.org/slavery-today/descent-based-slavery/

https://www.ohchr.org/documents/publications/slaveryen.pdf

https://www.una.org.uk/anti-slavery-day-factsheet

https://www.theguardian.com/global-development/2013/apr/03/modern-day-slavery-explainer

https://www.theguardian.com/global-development/2018/jun/08/the-unspeakable-truth-about-slavery-in-mauritania

Beitragsbild: ©lapping auf Pixabay

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