Sexhandel – die tabuisierte Form der Sklaverei

Obwohl Sexhandel direkt hinter dem Drogenhandel das zweitgrößte illegale Gewerbe ist, das rasch am Wachsen ist, so wird dennoch vergleichsweise selten über ihn berichtet. Sexhandel bezeichnet das Erzwingen von sexuellen Handlungen zum Eintreiben von Gewinn, etwa anhand von Gewaltanwendung, Betrug oder Nötigung. Auch sämtliche Fälle, in denen Minderjährige zu sexuellen Akten gezwungen werden, zählen als Sexhandel. Insgesamt sind weltweit etwa 4,8 Millionen Menschen von Sexhandel betroffen, ganze 21 Prozent davon sind Kinder. Zwar sind durchaus auch Buben und Männer Opfer von Sexhandel, allerdings machen Mädchen und Frauen mit 96 Prozent beinahe die Gesamtheit der Betroffenen aus.

Grundsätzlich läuft Sexhandel in drei Phasen ab: Ausschau nach potentiellen Opfern halten, die Opfer durch Manipulation für sich gewinnen und schließlich die Opfer in eine Situation versetzen, der sie nicht einfach entkommen können. In anderen Worten, befindet sich ein Opfer von Sexhandel also in der letzten Phase, hat es oft keine weitere Option, als sich für sexuelle Handlungen zu verkaufen, von denen ihr Händler wiederum profitiert.

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Wie es überhaupt so weit kommt, dass die Betroffenen ihrem Händler in die Fänge geraten, ist sehr individuell. In vielen Fällen sieht es etwa so aus, dass diese von Familienmitgliedern zum Vollziehen sexueller Akte genötigt werden, etwa aufgrund von Geldsorgen, die sie mit dem Gewinn durch den Sexhandel zu lösen gedenken. In anderen Fällen kennen die Opfer ihre Händler zunächst noch nicht und werden erst noch von diesen umworben. Hier kommt nun auch das Internet ins Spiel: Viele der Menschen, die ehemals von Sexhandel betroffen waren – mit 55 Prozent knapp mehr als die Hälfte – gaben an, ihren Händler das erste Mal nicht in Person getroffen zu haben. Während Sexhändler sich in der Vergangenheit meist darauf verlassen mussten, ihre Opfer etwa auf offener Straße anzusprechen, so erleichtern ihnen diverse Onlineplattformen diese Arbeit nun um ein Vielfaches.

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Online ist es für die Händler nämlich ein Leichtes, sich als jemand auszugeben, der sie nicht sind – sei es nun etwa ein Talentscout, der auf der Suche nach Models oder Tanzbegeisterten ist, oder ein charmanter Mann, der sich unsterblich in das Opfer verliebt hat und es förmlich mit Liebesbekundungen und Komplimenten überhäuft. Über Konversationen via Textnachrichten hinweg bauen die Händler so eine Beziehung zu den Opfern auf und versuchen häufig, Informationen von diesen zu erlangen, die ihnen in ihrem späteren Vorgehen von Nutzen sein könnten, etwa als Mittel zur Erpressung. Im Großteil der Fälle kommt es schließlich zu einem oder mehreren Treffen im realen Leben, die vor allem darauf abzielen, eine noch engere Verbindung zu den Betroffenen zu etablieren, um es diesen noch schwerer zu machen, den Händlern zu entkommen.

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Von hier aus geht es dann meist so weiter, dass die Opfer um „gelegentliche Gefallen“ gebeten werden, die oft als eine kleine Gegenleistung für das dargestellt werden, was ihre Händler ihnen angeblich bieten können. Diese gelegentlichen Gefallen werden jedoch sehr schnell zur Norm, wogegen die Betroffenen sich gewöhnlich nur schwer wehren können, da ihre Händler sie bereits geschickt in eine Lage gebracht haben, in der sie kaum eine Wahl haben, als ihren Bitten (die zu diesem Punkt eher Aufforderungen oder Befehle sind) nachzukommen. Ist zum Beispiel eine Betroffene Person extra aufgrund falscher Versprechen an einen anderen Ort gezogen und muss wegen finanziellen Problemen bei ihrem Sexhändler leben, so hat diese gar keine andere Wahl, als ihren Körper zu verkaufen, da ihr sonst droht, auf die Straße gesetzt zu werden. Natürlich sind auch noch extremere Druckmittel keine Seltenheit: Viele Sexhändler drohen ihren Opfern etwa damit, deren Freunden oder Familienmitgliedern etwas anzutun oder diese gar umzubringen, sollte die betroffene Person sich weigern, für sie auf den Strich zu gehen.

Es ist also ausgesprochen einfach, in die Falle des Sexhandels zu rutschen, dafür allerdings umso schwerer, dieser wieder zu entkommen. Daher ist es unbedingt notwendig, schon im Voraus Präventivmaßnahmen zu ergreifen und zusätzlich leicht zugängliche Hilfe für bereits Betroffene anzubieten. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

 

Quellen:

https://internetsafety101.org/trafficking

https://observatoryihr.org/blog/the-role-of-the-internet-on-sex-trafficking/

https://www.thorn.org/survivor-insights/

https://www.thorn.org/wp-content/uploads/2018/01/Thorn_Survivor_Insights_DMST_Executive_Summary.pdf

Beitragsbild: ©Anemone123 auf Pixabay

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