Säureattacken in Indien: Aufgeben ist keine Option

„Zuerst realisierte ich nicht, was passierte. Meine Haut brannte, Rauch stieg auf und es roch, als würde ein Reifen auf meinem Körper brennen.“

So wie Prashun, die mit 22 von ihrem ehemaligen Verlobten mit Säure attackiert wurde, geht es Menschen in Indien immer wieder. Genauer gesagt fallen pro Jahr etwa 250 bis 300 Personen, von denen ein großer Teil Frauen sind, Säureangriffen zum Opfer.

Erwähnenswert hierbei ist auch, dass die Täter meist keine Unbekannten sind – in 76% der Fälle sind diese ihren Zielpersonen sehr wohl bekannt, oft sind sie Bekannte, Freunde oder auch Familienmitglieder. Aus diesem Grund könnte die Dunkelziffer der Säureattacken auch um vieles höher sein, da in den Fällen, in denen den Attackierten die Täter bekannt sind, auch oft darauf verzichtet wird, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Befindet sich der Angriffsort in einem ländlichen Gebiet, so kann es auch sein, dass die betroffene Person aufgrund von mangelnder Notversorgung noch vor Ort verstirbt, bevor sie überhaupt das nächstliegende Krankenhaus erreichen kann. Doch auch, wenn die Opfer es schaffen, noch rechtzeitig ein Krankenhaus aufzusuchen, stehen diese oft vor dem nächsten Problem: Die vergleichsweise wenigen Krankenhäuser, die extra auf Brandpatienten spezialisiert sind, sind meist von Patienten überlaufen und es ist nahezu unmöglich, eine Behandlung zu erhalten, die das eigene Budget nicht übersteigt.

Doch diejenigen, die die Säureattacken überlebt haben, lassen sich nicht unterkriegen: In New Delhi wurde beispielsweise die Kampagne Stop Acid Attacks (SAA) von Alok Dixit gegründet. Ebendieser Kampagne ist es zu verdanken, dass in Agra ein Café eröffnet wurde, in dem die Überlebenden solcher Säureangriffe arbeiten. Dixit betont, dass es nicht das Ziel des Cafés ist, die Betroffenen bloß zu repräsentieren, sondern sie dabei zu unterstützen, zu starken Anführern zu werden und für ihre Rechte zu kämpfen. Da das Café in Agra solch positive Auswirkungen auf die Überlebenden hatte, wurden inzwischen viele weitere eröffnet, die ebenfalls von diesen geleitet werden.

Außer den Cafés kümmert sich SAA auch um regelmäßige Postings in den sozialen Netzwerken: „Wir fokussieren uns mehr auf soziale Veränderungen, da wir glauben, dass Gesetze allein die Verbrechen nicht stoppen können“, meint Dixit. Daher will SAA das gesellschaftliche Bewusstsein in Hinsicht auf die Säureattacken fördern, um diese in Zukunft unterbinden zu können.

Die Kampagne hat inzwischen in Indien schon viel Aufmerksamkeit bekommen – Spenden werden über Crowdfunding gesammelt, die auch sogleich für deren unterschiedliche Ziele eingesetzt werden. Zum Beispiel konnten auf diese Weise in kürzester Zeit genug Geld zusammengetragen werden, um für die Operation einer Betroffenen aufzukommen.

Dennoch ist es auch an der Regierung, dabei zu helfen, den Säureangriffen ein Ende zu setzen: Das Verbot des Verkaufs von Säure, strengere und konsequentere Bestrafung der Täter und auch bessere medizinische Behandlung der Opfer sind drei Schritte, die diesem Ziel schon sehr nahe kommen würden.

 

Quellen:

https://www.asti.org.uk/a-worldwide-problem.html

https://eu.usatoday.com/story/news/world/2017/07/27/acid-attacks-women-india-survivors-fight-back/486007001/

https://www.dw.com/en/why-acid-attacks-are-on-the-rise-in-india/a-19313750

Beitragsbild: ©Sand Paper [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], gefunden auf wikimediacommons

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