Raus aus dem Sexhandel und zurück ins Leben. Nur wie?

Die Wege, auf denen man in die Falle des Sexhandels tappen kann, sind zahlreich, die Geschwindigkeit, mit der man schließlich auch in dieser gefangen bleibt, ist rasant. Viel schwieriger und langwieriger ist dahingegen der Prozess, sich seinem Sexhändler zu entwinden und einen (Wieder-)Einstieg in ein normales Leben zu schaffen. Dies schaffen allerdings nur die wenigsten Betroffenen auf eigene Faust, weswegen es notwendig ist, dass genügend Institutionen vorhanden sind, die ihnen dabei unter die Arme greifen können.

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Besonders wichtig dafür, dass dem Sexhandel entgegengewirkt werden kann, ist vor allem einmal, dass sich die Gesellschaft dieses Problems bewusst ist. Da der Zwang zu sexuellen Handlungen ein sehr unangenehmes Thema ist, über das viele Leute am liebsten schweigen würden, ist es für die Betroffenen oft schwer, dieses Tabu zu brechen und ihre Situation überhaupt einmal anzusprechen.

Optimal, um den Opfern des Sexhandels zur Seite zu stehen, wären vor allem ein verständnisvolles soziales Umfeld, das ihnen ermöglicht, sich jemandem anzuvertrauen. Das können nun etwa die Eltern und Freunde der Betroffenen sein, aber auch Lehrer, die ihre Schüler an Hilfsnotrufe weiterleiten oder selbst für sie den Anruf übernehmen können.

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Solch ein unterstützendes Umfeld ist jedoch bei weitem nicht in jedem Fall gegeben. Viele der Betroffenen haben etwa die erstbeste Möglichkeit ergriffen, einem missbräuchlichen Haushalt zu entfliehen und sind unglücklicherweise in die Fänge eines Sexhändlers geraten beim Versuch, sich selbstständig zu machen. Einfach wieder zurück zu gehen und um Hilfe zu bitten, ist für diese Personen also keine Option. Damit die Opfer dennoch nicht ganz auf sich alleine gestellt sind, ist es weiters wichtig, dass es Unterkünfte gibt, in denen sie unterkommen können, sollten sie in der Lage dazu sein, ihrem Sexhändler zu entfliehen. Leider ist auch dies keine Selbstverständlichkeit: Da viele der Betroffenen bei ihren Sexhändlern leben oder gar von denen festgehalten werden, ob nun physisch oder durch Drohungen, sind es meist nur wenige Glückliche, die tatsächlich bis in so eine Unterkunft gelangen können. Als nochmals schwieriger erweist sich das Finden einer solchen Anlaufstelle für diejenigen Betroffenen, die in ein anderes Land verschleppt wurden, in dem sie sich weder auskennen, noch die Möglichkeit besitzen, Kontakte zu knüpfen, da sie die Landessprache nicht beherrschen.

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Ein weiterer wichtiger Punkt ist außerdem die Möglichkeit auf Jobausbildung für diejenigen, die aus ihrer momentanen Situation entkommen und einen Neuanfang starten wollen. Viele der Betroffenen wurden etwa schon so früh dem Sexhandel unterworfen, dass für sie gar keine Möglichkeit auf eine Ausbildung bestand, oder sie wurden durch angeblich existierende Ausbildungsplätze von ihren Sexhändlern in die Falle gelockt. Möchten diejenigen Opfer nun von neu beginnen und einen Job annehmen, der nicht das Verkaufen ihres Körpers beinhaltet, so brauchen sie oft Unterstützung oder auf sie zugeschnittene Angebote, die ihre jeweilige komplizierte Lage berücksichtigen. Ein Verein, der genau dies zu seiner Aufgabe gemacht hat, ist etwa „Hope for the Future“, der 2015 von Andrea Staudenerz gegründet wurde. Hier durchlaufen die Betroffenen ein Stabilisierungs- und Trainingsprogramm, das ihnen beim (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt helfen soll. Dazu gehören etwa die Möglichkeit, Erfahrungen in der Hotelbranche zu sammeln, an Nähworkshops teilzunehmen oder auch die eigenen Fähigkeiten zu verbessern, was Textverarbeitung angeht, wie etwa das Verfassen von Mails oder Bewerbungen. Für diejenigen, deren Muttersprache eine andere als Deutsch ist, werden außerdem Deutschkurse für verschiedene Levels angeboten, die den Teilnehmern das Zurechtfinden im Arbeitsleben erleichtern sollen.

 

Quellen:

https://www.thorn.org/survivor-insights/

https://www.thorn.org/wp-content/uploads/2019/12/Thorn_Survivor_Insights_090519.pdf

https://wienerin.at/so-sieht-es-hinter-den-kulissen-des-systems-frauenhandel-aus

https://www.hopeforthefuture.at/de/home/

Beitragsbild: ©Free-Photos auf Pixabay

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