Prävention: Radikalisierung am Beispiel von Rechtsextremismus 2/2

Wie genau man Prävention im Falle von Extremismus bewirken kann, ist besonders heikel. Einerseits möchte man den Jugendlichen klar machen, dass ihre Sichtweise bezüglich gewisser Themen verzerrt ist, andererseits muss man dabei aber auch vorsichtig genug vorgehen, um nicht zu riskieren, dass sich die Betroffenen aus Trotz erst recht weiter in ihre Ideologien verstricken. Was also ist besonders wichtig, wenn man Präventionsarbeit im Bereich des Extremismus leisten möchte?

Gesamtgesellschaftlich vorzugehen, wo Prävention notwendig ist und ein Fingerspitzengefühl dafür, mit welchen Maßnahmen man dabei am besten ansetzen sollte, ist in diesem Fall das A und O. Letzteres kann etwa durch regelmäßige Schulungen von Jugendverantwortlichen entwickelt werden, die unter anderem zum Ziel haben sollten, über aktuelle Strömungen des Extremismus am Laufenden zu bleiben und deren Codes und Zeichen zu erkennen.

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Im Zuge der Präventionsarbeit bezüglich des Extremismus beginnt man meist damit, festzustellen, bei welchen Personengruppen die Prävention sinnvoll ist – im generellen Fall also bei MitläuferInnen und SympathisantInnen des in unserem Beispielsfall rechtsextremen Gedankenguts. Oft bestehen bei diesen Wissenslücken bezüglich Themen wie  zum Beispiel der Migration, aber auch jetzt zu Zeiten der Corona-Krise in Form von Verschwörungstheorien, was von Rechtsextremisten ausgenutzt und mit Fehlinformationen überbrückt wird. Hierbei geht es also darum, für Aufklärung zu sorgen und den Jugendlichen die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen, das sie so bestimmt ablehnen. Aufgepasst werden sollte hierbei, dass es nicht zu Tabuthemen kommt – um zu bewirken, dass die Jugendlichen sich wirklich ausgiebig und kritisch mit dem Rechtsextremismus auseinandersetzen, müssen sie die Möglichkeit haben, auch tatsächlich alle dessen Seiten ordentlich zu durchleuchten.

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Zugleich ist es auch wichtig, dass den Jugendlichen aufrichtig zugehört wird, wenn sie darüber berichten, was ihre Bedenken sind, da es auch darum geht, zu verstehen, weshalb genau sie sich von einer rechtsextremen Ideologie angesprochen fühlen. Dies ist notwendig, um schließlich mit den Jugendlichen daran zu arbeiten, deren Bild von Gegenkulturen zu überdenken und auf die verschiedenen Aspekte einzugehen, die eine multikulturelle Gesellschaft mit sich bringt. Keinesfalls sollte bloß der Extremismus allein im Zentrum der Präventionsarbeit stehen, auch Vielfalt und demokratische Grundprinzipien sollten besprochen werden.

Auch ein wichtiger Punkt ist, darauf einzugehen, weshalb Zivilcourage eine so große Rolle spielt, um ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen, und den Jugendlichen Anerkennung zukommen zu lassen, sollen sie sich dazu entscheiden, sich selbst für andere und deren Rechte einzusetzen. Ein Umdenken weg vom rechtsextremen Gedankengut hin zu Solidarität erfolgt zwar meist sehr langsam, ist aber durchaus möglich, solange die Jugendlichen positives Feedback auf ihr verändertes Verhalten bekommen. Hierbei sollten die MultiplikatorInnen die Wirksamkeit ihrer Vorbildfunktion nicht unterschätzen.

Leider herrscht in der Steiermark derzeit noch ein Vakuum, was die Präventionsarbeit im Falle des Extremismus betrifft. Zwar gibt es die Extremismuspräventionsstelle „Next – No To Extremism“, bei dieser handelt es sich derzeit allerdings nur um ein Netzwerk verschiedener Organisationen, die mehr oder weniger mit dem Thema des Extremismus zu tun haben. MitarbeiterInnen, die sich auf den Bereich des Extremismus spezialisiert haben, gibt es dort also nicht. Hier besteht also eindeutig noch Verbesserungsbedarf, was die Kapazitäten zur Extremismusprävention betrifft, die derzeit gerade einmal die Primärprävention eher spärlich abdeckt. Dringend notwendig wären etwa Projekte, bei denen mit Betroffenen und auch deren Angehörigen gearbeitet wird.

In Wien hingegen gibt es DERAD, eine Organisation und ein Netzwerk, das auf die Extremismusprävention spezialisiert ist. DERAD bietet in Form von Projekten etwa Interventionsgespräche, Abklärungsgespräche und Gruppengespräche in Justizanstalten in ganz Österreich an, so wie auch die Betreuung und den Dialog mit Menschen, die mit rechtsextremen Gedankengut sympathisieren. Auch verschiedene Kurzseminare, die zum Ziel haben, PädagogInnen mit Inhalten zum Thema Extremismus vertraut zu machen, lassen sich hier finden.

 

Quellen:

https://www.next.steiermark.at

http://www.derad.at

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Beitragsbild: ©Dereckson / Public domain

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