Prävention: Radikalisierung am Beispiel von Rechtsextremismus 1/2

Vor allem Jugendliche sind besonders gefährdet, sich von Hasspredigten oder der Verbreitung von Ideologien, in unserem Fall von rechtsextremer Seite, beeinflussen zu lassen, die ihnen eine simple Einteilung der Welt in gut und böse versprechen. Klare Feindbilder wie etwa AusländerInnen, AsylantInnen oder Menschen jüdischen Glaubens dienen als Sündenböcke für alle Probleme der Welt, die es daher mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt, um die “westliche Kultur” vor dem Untergang zu bewahren. Gewalttaten gegen MigrantInnen und Minderheiten werden legitimiert, die Ungleichwertigkeit der Menschen und Kulturen wird betont und der Nationalsozialismus wird verharmlost oder gar verleugnet. Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass Jugendliche so weit in die rechtsextreme Szene abrutschen können?

Wie genau Jugendliche auf solche rechtsextremen Weltanschauungen stoßen, dafür gibt es viele mögliche Antworten – wie etwa die, dass sie durch Musik mit rechtsextremem Gedankengut in Berührung kommen. So ist es beispielsweise möglich, dass sie sich in einer jugendkulturellen Szene befinden, in der der sogenannte Rechtsrock – Musik mit politisch extrem rechten Texten – als nichts weiter als eine Art Provokation angesehen wird, um die Elterngeneration zu schockieren. Unbemerkt öffnen sich die Jugendliche dabei jedoch oft für die rechtsextremen und neonazistischen Inhalte, was dazu führen kann, dass sie diese Ideologien auch selbst übernehmen.

4chan community support LLC. / Public domain

Eine andere Möglichkeit, wie Jugendliche dazu verleitet werden können, zu Anhängern des Rechtsextremismus zu werden, sind Alternativplattformen im Netz, alternative Messengerdienste und Gaming-Apps, die entweder von Rechtsextremen entworfen oder zweckentfremdet wurden. Dazu gehören etwa Websites wie 4chan, 8chan und Gab, aber auch Apps wie der Nachrichtendienst Telegram oder die Gaming-App Discord. Während auf anderen sozialen Plattformen wie etwa Facebook streng moderiert wird, welche Inhalte veröffentlicht werden dürfen, so ist es Rechtsextremen möglich, ihre Ideologien auf Alternativplattformen ungebremst und anonym zu verbreiten. Da Fakten dabei nur eine kleine Rolle spielen und stattdessen meist mit Verschwörungstheorien wie etwa dem “Großen Austausch”, laut dem angeblich die weiße Bevölkerung durch Flüchtlinge verdrängt werden soll, um sich geworfen wird.

Bild von Gordon Johnson auf Pixabay

Eine weitere Option, wie Jugendliche SympathisantInnen von rechtsextremen Gedankengut werden können, sind schließlich RechtspopulistInnen, die sich als Vertreter des “kleines Mannes” verstehen und die angebliche “Meinung des Volkes” in die Welt hinausposaunen, die auffallend rechtsextrem ausfällt. Rechtsstaat, Menschen- und Bürgerrechte werden von solchen Gruppen missachtet, die für komplexe Sachverhalte, welche von ihnen oft sehr überspitzt dargestellt werden, sehr einfache Lösungen präsentieren, die oft auch Gewaltanwendung gegen vulnerable Gruppen bedeutet.

Natürlich gibt es noch weitaus mehr Möglichkeiten, wie Jugendliche BefürworterInnen oder gar AktivistInnen der rechtsextremen Szene werden können. Dennoch gibt es einige grundlegende Punkte, an denen man bei Jugendlichen mit Präventions- und Gegenmaßnahmen ansetzen kann, sollten diese bereits in Berührung mit rechtsextremen Ideologien gekommen oder gefährdet sein, mit diesen zu sympathisieren. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Anmerkung: In diesem Beitrag wird zwar der Rechtsextremismus als Beispiel genannt, allerdings gibt es noch viele weitere Formen der Radikalisierung, wie etwa auch den Linksextremismus, den Islamismus, Fundamentalismus und andere politische, religiöse oder weltanschauliche Extremismen, Radikalismen oder Fanatismen.

 

Quellen:

https://www.deutschlandfunk.de/nachgefragt-der-attentaeter-und-die-verschwoerungstheorie.2852.de.html?dram:article_id=443921

https://www.bosch-stiftung.de/sites/default/files/documents/2020-02/ISD_Studie_Online-Ökosystem_Rechtsextremer_Akteure_Executive_Summary_Deutsch.pdf

https://www.belltower.news/neue-studie-blick-ins-online-oekosystem-des-hasses-auf-kleinen-plattformen-95831/

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Beitragsbild: ©Marek Peters / www.marek-peters.com (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html)

2 Kommentare

  • Barbara Kasper

    Danke, liebe Miriam, für den Text und die Hinweise. Das Thema beschäftigt mich zur Zeit stark, weil in Zeiten von Corona die Radikalisierung noch mehr zugenommen hat. Leider wird das Gedankengut der Rechten oft geschickt versteckt hinter einzelnen berechtigten Kritikpunkten. Auch das erleichtert Jugendlichen sich für die angehängte Ideologie, wie Du es nennst, zu öffnen.
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Miriam Dier

      Leider ist es tatsächlich so, dass sich während Corona rechtes Gedankengut auffallend schnell verbreitet hat. Vor allem im Internet, wo viele Behauptungen ungefiltert stehen bleiben können, ist das ein besonders großes Thema.
      Liebe Grüße,
      Miriam

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