Prävention: Mobbing

Mobbing – der Albtraum eines/r jeden SchülerIn. Jeden Morgen aufs Neue ist das Aufstehen für die Schule eine Überwindung, jeder Tag beginnt mit demselben starren Blick auf den Boden beim Betreten der Klasse, jede Pause wird begleitet von der Angst, dass es wieder passiert. Das Getuschel, das Verstecken von Schulsachen, die blöden Kommentare der anderen, ja vielleicht sogar das Schubsen und Schlagen – Mobbing hat so viele Gesichter, dass es für Außenstehende oft gar nicht so leicht auszumachen ist. Umso wichtiger also auch für alle Jugendlichen, zu wissen, wie sie sich dagegen wehren können.

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So unterschiedlich Mobbing an Schulen jeweils für die Betroffenen aussehen mag, so verläuft es doch meist nach einem recht deutlichen Schema. Über einen längeren Zeitraum hinweg werden die Jugendlichen regelmäßig sozial ausgegrenzt und abgeschottet, was zum Beispiel durch Beschimpfungen oder Drohungen stattfindet.

Oft lässt sich gar kein klar definierter Auslöser für das Mobbing finden, da es etwa als Ventil der TäterInnen dient, aufgebauten Stress an anderen auszulassen. Außerdem hat das Erniedrigen ihrer MitschülerInnen für sie in vielen Fällen auch den Zweck, ihr eigenes Selbstwertgefühl zu stärken, indem sie durch ihre Handlungen eine gewisse Macht verspüren.

Als nicht weniger schlimm als die TäterInnen empfinden die Opfer meist auch die MitläuferInnen, die die TäterInnen in ihrem Tun durch Zustimmung bestätigen und mitunter auch selbst am Mobbing beteiligt sind.

Unscheinbarer und nicht unmittelbar schadenbringend sind die ZuschauerInnen (oder auch WegschauerInnen) für die Opfer – doch auch sie tragen ihren Teil dazu bei, dass das Mobbing stattfinden kann. Indem sie ignorieren, was in ihrer Klasse vor sich geht, finden sie sich zwar selbst in einer für sie angenehmen, passiven Rolle wieder, tragen aber auch nichts dazu bei, dass die Opfer Hilfe erhalten.

Um Mobbing-Angriffe zu stoppen, bedarf es allerdings oft mehr als den Mut der Opfer, sich zu wehren. Unterstützung von MitschülerInnen und Erwachsenen als Vertrauenspersonen ist oft ausschlaggebend, wenn es darum geht, Mobbing zu beenden. Schlagfertigkeit, Zivilcourage und Einfühlungsvermögen sind wichtige Begriffe, die ein Manöver aus kritischen Situationen an Schulen möglich machen – und daher auch Schlüsselthemen von Workshops zum Umgehen mit Mobbing.

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Im Modul „Es war ja eh nur Spaß!“, das vom Friedensbüro Graz angeboten wird, beschäftigen sich die SchülerInnen damit, wie man Grenzen setzt, selbige auch akzeptiert und wie man bestimmt „Nein“ sagen kann, wenn diese überschritten werden. Hier wird allerdings auch noch einmal genauer darauf eingegangen, wer welche Rollen in einem Mobbing innehat und was man als Klasse bzw. als Gemeinschaft tun kann, dass Konflikte dieser Art gar nicht erst derart eskalieren. Weiters gibt es für diesen Themenbereich noch das Angebot für PädagogInnen und Eltern, sich genauer mit dem Prozess des Mobbings zu befassen, unter anderem etwa, wie dieses entsteht, wie man es erkennt, welche Maßnahmen man ergreifen kann, um die soziale Situation in der Klasse nicht entgleisen zu lassen und welches Verhalten geboten ist, wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind Opfer- oder Täter-Person ist.

Dass das Einschreiten in eskalierende Situationen gar nicht nötig ist, kann unter anderem dadurch bewerkstelligt werden, dass die Kinder lernen, sich etwa gegen böswillige Kommentare zu wappnen. Ein weiteres Modul, diesmal zum zum Thema Schlagfertigkeit, trägt daher den Namen „Wehr dich – aber richtig!“. Hierbei geht es in vier Blöcken zu jeweils zwei Schulstunden darum, mit Kindern zu üben, wie man sich auf verbale Weise gegen ungewollte Angriffe wehren kann, sodass gröbere Konflikte oder Mobbing überhaupt erst gar keine Chance bekommen. Nicht nur das, außerdem wird auch thematisiert, wie sich Kinder für andere einsetzen können, wenn sie sehen, dass diese unter dem Verhalten der anderen ihnen gegenüber leiden. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn eine/r ihrer MitschülerInnen es nicht mehr schafft, sich alleine mithilfe von Schlagfertigkeit gegen Angriffe zu wehren. Im Rahmen dieses Workshops wird zunächst mit den Kindern darüber gesprochen, was denn eigentlich Gewalt ist und wie diese aussieht. Danach steht das Überlegen von Möglichkeiten an, wie man sich gegen Gewalt zur Wehr setzen kann und welche dieser Arten denn nun auch wirklich empfehlenswert und zielführend sind, wobei letztere im Anschluss auch von den Kindern ausprobiert werden. Schließlich geht es auch noch um Zivilcourage – warum diese denn wichtig ist, wie sie aussehen kann und ob die Kinder vielleicht schon Erfahrungen mit ihr gemacht haben.

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Gerade bei Klassendynamiken spielt Zivilcourage eine große Rolle – ist die Klassengemeinschaft gut und können sich die Kinder jeweils auf ihre SchulkollegInnen verlassen, wenn sie in kritische Situationen geraten, so ist es äußerst unwahrscheinlich, dass es überhaupt zum Mobbing kommt. Deshalb ist es wichtig, den SchülerInnen durch Module wie „‚Wir sind Klasse! – Das kriegen wir geregelt!“ klarzumachen, wie wichtig es ist, ein stabiles Klassennetzwerk zu haben, in dem sich alle wohlfühlen. In diesem Workshop wird zunächst thematisiert, wie die SchülerInnen sich denn alle voneinander unterscheiden und wie sie selbstbewusst in ihrer Individualität auftreten können. Anschließend geht es weiter damit, sich gegenseitig bewusst wahrzunehmen und zu lernen, wo die eigenen Grenzen und die der anderen liegen, die unbedingt beachtet werden sollten. Schließlich steht noch am Plan, sich gemeinsam mit den Themen Kommunikation, Konflikt und Gewalt auseinanderzusetzen und die sozialen Kompetenzen der Klassenmitglieder noch einmal in den Mittelpunkt zu stellen.

Um sich auf die Schnelle Informationen zum Thema Mobbing zu holen, gibt es außerdem die Anlauf- und Koordinierungsstelle bei Mobbing, angesiedelt bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes Steiermark, die unter anderem weiterhelfen kann, was Therapien, Beratung und Workshops angeht.

 

Quellen:

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-mobbing/was-ist-mobbing/

http://hpneu.friedensbuero-graz.at/angebote/gewaltpraevention-im-schulischen-kontext/schlagfertigkeit-und-zivilcourage/

http://hpneu.friedensbuero-graz.at/angebote/gewaltpraevention-im-schulischen-kontext/klassengemeinschaft-wir-sind-klasse-das-kriegen-wir-geregelt/

http://hpneu.friedensbuero-graz.at/angebote/gewaltpraevention-im-schulischen-kontext/mobbingpraevention-es-war-ja-eh-nur-spass/

https://www.kija.steiermark.at/cms/ziel/151163681/DE/

Beitragsbild: ©Inzmam Khan von Pexels

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