Ohne Regeln geht’s nicht

Ein Klassenraum – Tische und Bänke wurden zur Seite geschoben. Eine Schale mit Süßem steht in der Mitte. Die Kinder sitzen im Kreis. Neugierig beobachten sie das Geschehen. Wenn das Bildungsteam des Friedensbüros mit Schulklassen zum Thema „Regeln“ arbeitet, braucht es dafür meist nicht viel mehr, als eine große Portion Bonbons, eine Gruppe von Kindern und etwas Zeit – ein Experiment das am Ende eindrucksvoller ist, als es zunächst vermuten lässt.

Erstmal werden die Spielregeln geklärt. Stopp heißt stopp. Sobald eine der Referentinnen das Wort in den Mund nimmt, bleiben ausnahmslos alle wie versteinert stehen. Eine Vorsichtsmaßnahme, für den Fall der Fälle. Immerhin kann es im Eifer des Gefechts schon mal wild werden. Hinzu kommt die Bitte, sich die erbeuteten Süßigkeiten nicht gleich in den Mund zu schieben. Ist alles geklärt, erfolgt der Startschuss – „Nimm dir Zuckerl“.

Was nun kommt ist zum Teil vorhersehbar, manchmal aber doch auch überraschend. Während ein paar Kinder sofort zur Süßigkeitenschale laufen, die Konkurrenz händefuchtelnd davon abhalten und ihre Beute am Ende wie einen Schatz vor sich aufbahren, bleiben andere sitzen, beobachten die Szenerie aus sicherer Entfernung. Oftmals machen sie dabei einen recht coolen Eindruck. Fast so, als würde sie das alles nicht berühren. Wieder andere kommen mit der Situation weniger gut zurecht, leiden unter der Ungerechtigkeit, schmeißen die Nerven.

All diese Gefühle, Empfindungen und Beobachtungen werden nun, zurück im Kreis sitzend, gesammelt, auf einem Flipchart festgehalten. Wie war das, so fast ohne Vorschriften? Was sollte beim nächsten Mal vielleicht verändert werden? Und sind bestimmte Regeln im Umgang miteinander nicht vielleicht doch ganz hilfreich?

Anschließend sammelt die Klasse gemeinsam neue Ideen und Vorschläge, wie eine Zuckerlverteilung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedürfnisse aller fair ablaufen könnte. Die neuen Aufteilungsvorschläge werden als Regeln formuliert und sogleich auf ihre Umsetzbarkeit getestet. Was funktioniert? Dafür kommen alle Zuckerl wieder zurück in die Schale – alles auf Anfang. Mit nur einem Unterschied: Diesmal geht keines der Kinder leer aus.

Und was hat dieses Experiment am Ende mit uns allen, dem Leben da draußen zu tun? Es ist ein vereinfachtes Beispiel dafür, dass es nicht ohne geht. Immerhin war eine faire Verteilung von so etwas Banalem wie Zuckerl nicht ohne Regeln möglich. Wie wichtig sind diese erst, wenn es um das alltägliche Zusammenleben geht?!

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Fotos © Christina Hauszer