Asien kämpft um seine Mädchen und Frauen

Nicht umsonst wird Asien das Powerhouse des Wachstums in der globalen Wirtschaft genannt: Seit den 1980ern hat der Kontinent ein stabiles Wirtschaftswachstum erreicht. Allerdings zeigen die Zahlen, dass dies in nicht allzu ferner Zukunft ein Ende haben könnte. Das verdeckte Problem: die fehlenden Mädchen und Frauen Asiens.

Nicht etwa in dem Sinne, dass diese sich nicht an der Wirtschaft beteiligen würden, indem sie sich absichtlich gegen Arbeit im Unternehmenssektor entscheiden, ganz im Gegenteil – vor allem in den letzten Jahren ist die Beschäftigungsrate der Frauen in Asien allgemein sehr gestiegen. Nein, die Schwierigkeiten lassen sich woanders finden: Nämlich in der Art, mit der mit den Frauen in Asien vielerorts umgegangen wird.

So ist es beispielsweise nicht lange her, nämlich von 1979 bis 2015, offiziell bis 2016, dass China eine strikte Ein-Kind-Politik verfolgte, um die Überbevölkerung zu verhindern. Womit die Regierung hierbei aber nicht gerechnet hatte, war, dass in vielen Haushalten nach wie vor galt, dass Jungen „mehr wert“ seien, als Mädchen, weswegen viele Frauen sich für eine Abtreibung entschieden, sobald sie das Geschlecht ihres werdenden Kindes erfuhren. So sieht es momentan aus, dass auf jedes Mädchen in China etwa 1,16 Jungen kommen, was weltweit hinter Lichtenstein das zweithöchste Ratio ist. Dadurch, dass die Ein-Kind-Politik ganze 36 Jahre lang existiert hat, ist es für viele Eltern nun undenkbar, ein zweites Kind zu bekommen, weswegen die Bevölkerung gleichzeitig überaltert und schrumpft. Außerdem entscheiden sich viele junge Frauen aufgrund des großen Leistungsdrucks und der vielen Konkurrenz dafür, erst zu einem späteren Zeitpunkt oder überhaupt keine Kinder zu bekommen, was die Geburtenrate weiterhin nach unten treibt.

Doch nicht nur in China fehlen Mädchen und Frauen: In Indien ist es nach wie vor so, dass einige Familien sich bewusst gegen eine Tochter entscheiden. Dafür gibt es vor allem drei Hauptgründe:

Zunächst ist es so, dass es nach wie vor hauptsächlich die Männer der Familie sind, die für das monatliche Einkommen sorgen und somit für Stabilität sorgen. Diese haben höhere Chancen, Arbeit zu finden und werden meist auch besser bezahlt als ihre Frauen, was dazu führt, dass sie ein höheres Einkommenspotential haben.

Außerdem ist es in vielen Gesellschaften so, dass die Eltern sich auf ihre Kinder verlassen müssen, was ihre Versorgung im hohen Alter angeht. In vielen Kulturen ist es nun aber Brauch, dass die Töchter ihre Familie nach der Hochzeit verlassen, um sich der ihrer Ehemänner anzuschließen. Dies lässt die Eltern der Töchter ohne „potentielle Pension“ zurückbleiben, während solche mit Söhnen sogar zusätzliche Ressourcen für die Zukunft erhalten. Deshalb werden Mädchen oft sogar als Belastung des Familienbudgets empfunden, bis sie das Elternhaus infolge ihrer Eheschließung verlassen.

Auch der letzte der drei Gründe hängt mit der Ehe der Töchter zusammen: Viele Eltern fürchten sich vor der Brautgabe, die sie der Tradition nach der Familie der Ehemänner in hohen Geldsummen oder wertvollen Gütern zu zahlen haben. Besonders für Familien mit mehreren Töchtern stellt dies ein ernsthaftes finanzielles Problem da, sollten diese ohnehin schon knapp bei Kasse sein.

Die Geringschätzung von Frauen zieht ihre Spuren durch viele Staaten Asiens. Die Geschlechter-Schere betrifft China, Indien, Pakistan am stärksten, aber auch Taiwan, Vietnam und andere.

Obwohl in den letzten Jahren Maßnahmen gesetzt wurden, um einen Ausgleich zwischen den Geschlechtern wiederherzustellen, steigt die Zahl der Mädchen nur langsam. Es dauert Zeit, die tief verwurzelten Wertvorstellungen zu verändern. Eine Steigerung des Wertes der „Ware Frau“ ist zwar absehbar. Ob damit eine steigende Wertschätzung von Frauen und eine Achtung derer Rechte einhergeht, ist noch nicht in Stein gemeißelt.

 

Quellen:

https://www.straitstimes.com/asia/asia-the-future-is-female

https://www.abc.net.au/news/2018-02-03/the-struggles-and-benefits-of-chinas-little-emperor-generation/9323300

https://www.theguardian.com/world/2019/mar/02/china-population-control-two-child-policy

https://www.bbc.com/news/magazine-34666440

Beitragsbild: ©pixabay.com

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