Lokales vor Billigimporten

 

Immer mehr. Immer größer. Immer weiter. Das Angebot ist riesig. Vielfältig. Von der mexikanischen Avocado, über das steirische Kernöl bis hin zu den chinesischen Reisnudeln in der Asiaabteilung – die Supermärkte verkaufen sie alle. Meist sogar ganzjährig. Lebensmittel aus aller Welt. Wir haben aufgehört auf Jahreszeiten zu achten, Fragen zu stellen, dahinter zu schauen,  sind es gewöhnt, dass Produkte immer, zu jeder Zeit erhältlich sind. Die Herkunft, die Produktionsart spielen dabei kaum noch eine Rolle. Schon gar nicht, wenn es um den Preis geht. Im Gegenteil. Importierte Lebensmittel sind oft günstiger und das, obwohl sie erstmal hunderte, ja tausende Kilometer zurücklegen müssen um letztendlich bei uns im Supermarktregal zu landen.

Damit ich mir das neueste Handy kaufen und ein richtig fesches Auto fahren kann, darf das Lebensmittel nicht so teuer sein! – Benedikt Haerlin in der Dokumentation “Bauer Unser”

In einer Welt, in der beinahe alles zur Verfügung steht, der westliche Teil im Überfluss lebt, verlieren Lebensmittel zunehmend an Wert. Sie sind zu einem Nebenprodukt verkommen, etwas, dass – weil notwendig – zwischen Karriereplan und Freizeitstress möglichst kostengünstig erhältlich sein soll. Rund zwölf Prozent des Einkommens gibt ein österreichischer Haushalt im Durchschnitt für Lebensmittel aus. Der Preis entscheidet.

 

Bauer Unser – ein Dokumentarfilm von Robert Schabus

 

Es ist eine Sackgasse, auf die wir zusteuern. Die Landwirtinnen, Bauern, Konsumentinnen und Konsumenten, wir alle. Eine Straße, die wir uns selbst verbaut haben – mit den Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen. Da gibt es Landwirte, die 50% ihrer Ernte auf den Müll kippen, weil Farbe und Form von Kartoffel, Tomate und Co. den absurden Qualitätsansprüchen des Handels nicht entsprechen. Hühnerbäuerinnen, die auf Grund von subventioniertem Importgut ihr Vieh nicht mehr verkaufen. Zu billig ist das Fleisch aus dem Ausland, zu hoch die Konkurrenz. Wer kauft schon ein Bio zertifiziertes Freilandhuhn für 12 Euro wenn es das scheinbar gleiche beim Diskounter um 4 Euro gibt? Kaum jemand fragt sich heute, ob die Menschen hinter den Produkten von ihrer Arbeit leben können. Oder sogar draufzahlen. Nur wenige interessiert es, woher die Lebensmittel tatsächlich kommen, unter welchen Umständen sie hergestellt wurden, welche Wege sie zurücklegen.

 

Doch genau das sollten wir tun. Kritisch sein. Fragen stellen. Die Frau an der Wursttheke, den Kellner im Lieblingsrestaurant. Aber auch an Produkten in Regalen, in der Obst- und Gemüseabteilung kann man bestimmte Informationen ablesen. Das Ursprungs- und Abpackungsland zum Beispiel. Wie Tiere gehalten werden oder ob die Kriterien des fairen Handels erfüllt wurden. Die unzähliges Labels geben Auskunft darüber, was mit einem Produkt bereits passiert ist, bevor wir es in Händen halten. Dass man sich im Etikettendschungel nicht immer zurechtfindet, vor lauter Informationen manchmal nicht weiß, wem man noch vertrauen kann, ist anfangs völlig normal. Dafür gibt es Listen, Links, Informationen, die Unsicherheiten aus dem Weg räumen, die ersten Fragen beantworten. Wer dennoch Zweifel hat, kann direkt zu Erzeugerin, Erzeuger in den Hofladen gehen. Auf den unterschiedlichen Grazer Bauernmärkten bringen die Landwirtinnen und Landwirte zusätzlich ihre Lebensmittel  an die Frau, an den Mann. Auch hier lohnt es sich, nachzufragen. Wird gespritzt? Gedüngt? Woher kommt das Futter der Tiere? Für Vielbeschäftigte mag der Wochenmarkt aus zeittechnischen Gründen vielleicht keine Option sein. Aber auch hier, gibt es Alternativen. So bieten Biokisten die Möglichkeit, regionale Lebensmittel der Saison zu erhalten, ohne das Haus erst zu verlassen. Die Kiste wird im ein, oder zwei Wochenrhythmus geliefert. So bekommt man einen guten Einblick in den österreichischen Saisonkalender und unterstützt zudem Bäuerinnen und Bauern direkt.

Informationen über Grazer Lokale und Caterer, die FAIRTRADE-Produkte verwenden und teilweise BIOzertifiziert sind, gibt es hier und hier.

Soweit. So gut. Teurer ist es dennoch. Bio kostet und das zurecht. Wer aber bewusst einkauft, im Voraus plant, kostspieligere Produkte wie Fleisch, Käse, Kaffee oder Alkohol seltener konsumiert, nur Dinge mitnimmt, die auch tatsächlich gegessen werden, auf Fake Food verzichtet, merkt bald, dass ein nachhaltiger, umweltbewusster Einkauf auch mit einem geringeren Budget möglich ist. Eine Umstellung ist es allemal. Doch sie zahlt sich aus. Für eine Welt, in der alle etwas zu essen haben, gerecht entlohnt, Natur und Mensch geschont werden.

 

Infos und Aktionen

Am 26. Juni findet mit dem FairStyria-Tag des Landes Steiermark der Höhepunkt der Fairen Wochen statt. Auch hier finden sich spannende Informationen zu den Themen Fairer Handel sowie Gesundheit und Ernährung.

Die Plattform “Wir haben es satt” setzt sich für ein weltweit sozial gerechtes und agrarökologisches Landwirtschafts- und Ernährungssystem ein. Einmal im Jahr erscheint die Satirezeitung “BauernPost“, die einen optimistischen Blick in die Zukunft wirft …

Quer durch Graz – dem Schnitzel auf der Spur – das Welthaus lädt zu einer digitalen Schnitzeljagd. Auf dem Weg durch die Stadt gilt es knifflige Fragen rund um das Thema “Fleischkonsum” zu lösen und man setzt sich, so ganz nebenbei, auch noch mit dessen globalen Zusammenhängen auseinander. Ausprobieren lohnt sich!

 

Quellen & Infos:

Informationen und weitere Tipps gibt es auf muttererde.at
Bauer Unser – Ein Dokumentarfilm über das Leben österreichischer Bauern

Aktionssymbol © Friedensbüro Graz