Kindersoldaten – Warum ausgerechnet die jüngsten?

Besonders häufig wird über die Kinder berichtet, die aus Schulen oder ihrem Zuhause gezerrt wurden und zwangsrekrutiert wurden. Sehr im Vordergrund steht dabei, dass die Kinder gar keine andere Wahl haben, als für die Milizen in den Krieg zu ziehen. Folter, Vergewaltigung und Gewalttaten, die an den Familien der Kinder verübt werden, sollen sie dazu zwingen, zu Kriegern zu werden. In der Realität ist der Anteil dieser Zwangsrekruten unter den Kindersoldaten allerdings eher gering.

Viel eher läuft es nämlich so ab, dass sich die Kinder „freiwillig“ dafür entscheiden, sich den bewaffneten Gruppen anzuschließen. Freiwillig in Anführungszeichen deswegen, weil es sehr einfach ist, Kindern einzureden, dass die Kriegsführung ihr eigener Wille sei.

In Situationen der Armut, der Diskriminierung und schwieriger Familienverhältnissen setzt sich bei den Kindern sehr schnell der Wunsch nach Veränderung und einem besseren Leben fest. All dies sind aber Probleme, mit denen sie sich nicht gerne auseinandersetzen wollen – und hier kommen die Ideologien und die Rachegedanken der Milizen ins Spiel. Es scheint den Kindern sehr viel einfacher, eine Waffe in die Hand zu nehmen und für ein vermeintlich besseres Leben in den Krieg zu ziehen, als einen Weg aus ihren Schwierigkeiten hinaus zu finden. Vielen erscheint es sogar als aufregend, dadurch das Gefühl von Macht zu erlangen. Was sie sich selbst mit dem Eintritt in eine Terrorgruppe antun, bemerken sie meist erst, wenn sie bereits ein aktives Mitglied sind – oder manchmal leider auch sehr viel später.

Dies ist nämlich der nächste Punkt, weshalb Milizen so viele Kindersoldaten rekrutieren: Sie haben oft nicht wahr, was Gefahr eigentlich bedeutet. Der Tod ist ein für sie ungreifbares Konzept, weswegen es für sie in vielen Fällen leichter ist, den Abzug zu drücken, als für Erwachsene. Noch dazu sind die Kinder sehr viel leichter zu manipulieren, als deren Eltern: Sie können hohle Versprechen nicht von ernst gemeinten unterscheiden und sie lassen sich viel leichter einreden, dass das, was sie tun, das „Richtige“ ist. Außerdem erweisen sich die Kindersoldaten häufig als sehr viel gehorsamer, als erwachsene Krieger: Wird ihnen ein Befehl erteilt, so hinterfragen sie diesen oft gar nicht, sondern führen ihn ohne weiteres Nachdenken aus. Die Konsequenzen für ihre Taten müssen sie nicht selbst tragen – da ihnen stets eingebläut wird, dass ihr gewaltsames Handeln notwendig ist, fühlen sie sich auch nicht so, als hätten sie etwas Falsches getan. Umso schockierender ist es daher für Kindersoldaten, die einst unter dem Einfluss der Milizen standen, wenn sie sich wieder ins Gedächtnis rufen, wie groß die Verbrechen waren, die sie begangen haben.

Nicht zuletzt ist es für die bewaffneten Gruppen auch deswegen verlockend, Kinder zu rekrutieren, weil sie für diese weniger Aufwand betreiben müssen. Sie können an Essensrationen sparen, auch das Ausbilden und das Ausstatten mit Waffen ist bei Kindersoldaten um einiges kostengünstiger, als bei Erwachsenen. Die Unterbringung von Kindern ist für sie ebenfalls um ein Vielfaches leichter – Schlafstätten für ausgewachsene Personen können oft das Doppelte an Kindern auffassen. Für die Rebellen heißt das also: Mehr Krieger unter billigeren Umständen.

Natürlich spielt auch der psychologische Hintergrund eine Rolle. Lässt man seine Gegner gegen Kinder in den Krieg ziehen, so ist es ein leichtes, diese zu dehumanisieren. „Schaut her“, heißt es dann, „sie schrecken nicht einmal davor zurück, unsere jüngsten Mitglieder zu erschießen. Die verdienen es, getötet zu werden.“

Dass sie selbst alles andere als human bei ihrer Kriegsführung vorgehen, rückt dabei völlig in den Hintergrund. Schließlich ist es das ständige Aufstacheln der eigenen Truppen gegen den Feind, das die Milizen am Bestehen erhält.

Quellen

https://www.humanium.org/de/kindersoldaten/

https://www.frieden-fragen.de/entdecken/kindersoldaten/warum-gibt-es-kindersoldaten.html

https://reset.org/knowledge/kindersoldaten

Beitragsbild © L. Rose, USAID

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