Kindersoldaten – Auge in Auge mit dem Tod

Für viele von ihnen ist es inzwischen vertrauter, eine Waffe in der Hand zu halten, als einen Stift. Schule gibt es für sie keine, die einzige „Bildung“, die sie erhalten, ist meist von den Terrormilizen stark beeinflusst und verherrlicht deren Ziele. Viele von ihnen können gerade einmal an ihren Fingern abzählen, wie viele Leute sie getötet haben, doch wie sie das tun müssen, das wissen sie genau.

Grausame Geschichten sind es, die ehemalige Kindersoldaten zu erzählen haben. Die meisten handeln von Gräueltaten, zu denen sie von den Milizen gezwungen wurden, zu denen sie einst gehörten.

So erzählt zum Beispiel ein siebenjähriger Junge aus Kolumbien, dass er dazu gezwungen wurde, seinen besten Freund zu erschießen, um das Vertrauen der Mitglieder einer paramilitärischen Gruppe zu gewinnen. Hätte er dies nicht getan, so wäre er vermutlich gestorben, da der Befehl ansonsten auf seinen besten Freund übertragen wurde. Was sie dem Jungen damit antaten, war ihnen völlig egal – sie wollten sehen, dass er alles tun würde, um zu überleben. Auch, wenn das hieß, dass er seinen besten Freund, mit dem er früher jeden Tag auf der Straße gespielt hatte, mit einem einzigen Schuss aus einer Waffe töten musste.

Lassen sich die Rekruten, die sich die Milizen aussuchen, nicht so schnell einschüchtern und versuchen sogar, sich zu widersetzen, so greifen diese zu härteren Maßnahmen. Drogen und Alkohol sind für sich alleine schon gefährliche Substanzen – noch gefährlicher werden sie, wenn sie von den falschen Personen eingesetzt werden. Besonders bei den älteren Rekruten greifen die Rebellen gerne zu bewusstseinsverändernden Mitteln, um diese leichter beugen zu können.

Der 15-jährige Moussa erinnert sich zum Beispiel noch genau daran, dass ihm des Öfteren eine „rote Flüssigkeit“ gespritzt wurde, die seinen Hass auf die Gegner in rasende Wut verwandelte und ihn dazu antrieb, gewalttätiger als üblich zu handeln.

Sie weckten uns um 1 Uhr morgens, und wir marschierten bis 7. Ein Arzt kam. Er hatte eine kleine Schüssel mit kaltem Wasser, und nach jeder zweiten Spritze hat er die Nadel in dem Wasser abgespült. Es war immer eine kleine Ampulle mit roter Flüssigkeit. Am Anfang habe ich mich immer matt gefühlt, aber dann hatte ich ein Gefühl von überwältigender Macht; ich fühlte mich zu allem fähig … Ich war in Rage und voller Hass. Ich wollte alles verwüsten. Man kann es nicht nachvollziehen. Wir wurden in einen Zustand versetzt, in dem wir der ganzen Gewalt ins Gesicht gelacht haben, wir haben es aufregend gefunden, wir kannten keine Grenzen.

Moussa, 15, aus Sierra Leone

Während sie ihre Gegner töten, ist den Kindersoldaten meist nicht bewusst, was sie da eigentlich tun. Für sie ist das eine notwendige Tat, die ihnen in ihrer Situation ganz normal erscheint, da die Milizen sich stets darum bemühen, ihnen genau das einzuprägen. Was es wirklich bedeutet, jemanden erschossen zu haben, erkennen die Kinder erst im Nachhinein, wenn sie ihre Waffen bereits abgelegt haben.

In diesem Video von spiegeltv schildert der 9-jährige Akram, was es für ihn bedeutete, ein IS-Kindersoldat zu sein.

https://www.youtube.com/watch?v=hEj44pfeSvA

Doch Kindersoldat bedeutet nicht unbedingt nur, eine Waffe in der Hand zu halten und auf gegnerische Truppen zu schießen. Es gibt noch viel mehr Bereiche, in denen Kinder eingesetzt werden: Viele von ihnen werden auch zu Ärzten, Köchen, Wachen, Spionen, Leibwächtern oder gar zu „Minendetektoren“ gemacht.

Vor allem die Mädchen haben unter den „anderen Verwendungen“ von Kindern sehr zu leiden. Oftmals müssen sie zum Bei-Laune-Halten der Rebellen herhalten – sei dies nun, dass sie die Männer nackt bedienen müssen oder sich als deren Sexsklavinnen missbrauchen lassen müssen. Viele werden auch danach noch zu ihren Altersgenossen an die bewaffnete Front geschickt, sollten die Milizen schließlich das Interesse an ihnen verlieren.

Ja, Kindersoldaten sind Kriegsteilnehmer, vor allem dann, wenn sie sich selbst dazu entscheiden, Soldat zu werden. Aber auch ja, diese Kinder brauchen Hilfe und Unterstützung dabei, zu erkennen, was das Problem an ihrer Situation ist und wie sie dieser entkommen können.

Quellen

https://www.amnesty.de/informieren/blog/kongo-demokratische-republik-kindersoldaten-im-kongo-die-taeter-muessen-vor

https://www.humanium.org/de/kindersoldaten/

https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/kindersoldaten-erzaehlen/72156

https://www.youtube.com/watch?v=hEj44pfeSvA

Beitragsbild © pixabay.com

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