Kindersklaverei

Eine besonders abscheuliche Art der Sklaverei betrifft schließlich die Jüngsten der Gesellschaft: Die Kindersklaverei. Ganze 5 Millionen Kinder weltweit werden derzeit versklavt, was eine erschreckend hohe Zahl dafür ist, dass diese Form der Sklaverei schon längst hätte abgeschafft werden sollen. Zählt man auch all die anderen Möglichkeiten der Ausnutzung von Kindern, etwa das Verheiraten von kleinen Mädchen oder Jungen, dazu, so kommt man sogar auf 10 Millionen auf der ganzen Welt.

Bild von Jhon Dal auf Pixabay

Zwar wird Kinderarbeit oft mit der Kindersklaverei gleichgesetzt, allerdings gibt es zwischen den beiden Begriffen einen kleinen Unterschied: Während die Kinderarbeit alleine schon genug negative Auswirkungen, wie etwa die Beeinträchtigung der Schulbildung, zur Folge hat, so setzt die Kindersklaverei noch eins drauf, indem sie das gezielte Ausbeuten von Kindern erfordert. Arten, auf die sich die Kindersklaverei manifestiert, gibt es leider mehr als genug: Das Arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen in Fabriken, gezwungenes Betteln, der Verkauf von Drogen oder gar Prostitution und der Einsatz von Kindersoldaten sind nur einige Beispiele dafür.

Dass die Kindersklaverei nach wie vor existiert, hat vor allem einen Grund: Armut. Für viele Familien aus ärmsten Verhältnissen ist es oft lebensnotwendig, dass auch die Kinder Geld verdienen – auch, wenn das bedeutet, dass diese von ihren Arbeitgebern ohne Scham ausgebeutet werden.

Die Bezahlung der versklavten Kinder fällt meist sogar noch geringer aus als die ihrer erwachsenen Mitarbeiter, da sie leichter zu kontrollieren sind und es unwahrscheinlicher ist, dass sie um eine Gehaltserhöhung bitten. Auch die Versorgung von Kindern kommt ihren Arbeitgebern um einiges günstiger, da sie weniger Essen zur Stärkung benötigen.

Die tatsächlichen Bedürfnisse der betroffenen Kinder bleiben dabei vollkommen auf der Strecke: Sie können nicht zur Schule gehen und werden damit obendrein noch stark eingeschränkt, was ihr späteres Berufsleben angeht. Abhängig von der Art der Sklaverei, der sie zum Opfer gefallen sind, kann diese auch gravierende Auswirkungen auf ihre Psyche haben: Kinder, die etwa als Prostituierte oder Kindersoldaten arbeiten, haben auch dann noch damit zu kämpfen, die traumatisierenden Erlebnisse zu verarbeiten, wenn sie der Sklaverei schon längst entkommen sind – falls sie ihr denn überhaupt entkommen.

Wie schwer es sein kann, der Kindersklaverei zu entfliehen, weiß Setsofia genau. Schon im Alter von acht Jahren musste er seine Schulbildung aufgeben, da seine Mutter schwer krank wurde und es außer ihm niemanden gab, der für ihre Medikamente bezahlen konnte, da sein Vater bereits seit einigen Jahren verstorben war. Setsofias Mutter sorgte dafür, dass er zu einem Fischerdorf in der Nähe von Lake Volta kam – ein Ort, der berüchtigt dafür ist, Kinder unter gefährlichsten Bedingungen zu versklaven.

Veennema / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Ursprünglich wurde Setsofia von seinem Arbeitgeber versprochen, er müsste nur Teilzeit arbeiten und würde gleichzeitig die Möglichkeit haben, die Schule zu besuchen, doch die Realität sah ganz anders aus: Tag und Nacht musste Setsofia auf instabilen Booten verbringen, ohne je wirklich Zeit zum Essen oder Schlafen zu haben. Jeden Morgen, wenn er auf den See hinausfuhr, musste Setsofia um sein Leben zittern. Zum einen gab es nämlich die Stürme, die die kleinen Boote schnell zum Kentern brachten – und zum anderen mussten die Kinder oft bis zum Grund des Sees tauchen, wenn sich die Netze verknotet haben. Meist wurden diese bei den Tauchgängen verletzt, viele von ihnen tauchten überhaupt nie wieder auf.

Während der fünf Jahre, die Setsofia am Lake Volta in Sklaverei verbrachte, starb dann schließlich auch seine Mutter, was ihn als Waisen zurückließ. Erst als International Needs Ghana Setsofias Dorf besuchte und die Sklavenhalter ermahnte, die versklavten Kinder freizulassen, gab dessen Arbeitgeber Setsofia schließlich nach dem wiederholten Drängen frei.

Setsofia erhielt psychologische Unterstützung und Hilfe dabei, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Schulsachen wurden ihm zur Verfügung gestellt und er wurde im Gesundheitssystem von Ghana registriert, um Zugang zu medizinischer Versorgung zu haben. Inzwischen lebt Setsofia bei seiner Großmutter und hofft darauf, eines Tages als Lehrer arbeiten zu können.

 

Quellen:

https://www.antislavery.org/slavery-today/child-slavery/

https://www.theworldcounts.com/challenges/people-and-poverty/child-labor/child-slavery-facts

http://www.endslaverynow.org/learn/slavery-today/child-labor

https://www.freetheslaves.net/wp-content/uploads/2017/05/Survivor-Stories-Setsofia.pdf

Beitragsbild: ©Muntaka Chasant / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

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