Jeder Mensch verdient Respekt

Ganz gleich, ob groß oder klein, dick oder dünn, gläubig, hell- oder dunkelhäutig. Es ist ein menschliches Grundbedürfnis – wir alle wollen ernstgenommen, respektvoll behandelt werden. Alle. Auch die Jüngsten. Denn obwohl man Respekt heute vermehrt mit der Achtung gegenüber Älteren assoziiert, haben auch Kinder ein Recht darauf. Respekt hat etwas mit Würde zu tun und die wiederum ist angeboren, steht uns allen, altersunabhängig zu. Die Achtung vor der Meinung des Kindes ist auch eines der vier Prinzipien der Kinderrechtskonvention. Ja, so etwas gibt es! Kinder haben Rechte. Viele sogar.

 

Am 20. November ist Kinderrechtetag
Alles begann in den 1920er Jahren, als die britische Kinderrechtsaktivistin Eglantyne Jebb mit ihrer „Children’s Charta“ an die Türe der Generalversammlung des Völkerbundes klopfte. Ihr Wunsch? Eine Konvention, ein Übereinkommen über die Rechte zum Schutz der Kinder weltweit. 1924 war es dann soweit. Das Bündnis –  im Übrigen eine Vorläuferorganisation der heutigen UNO – verabschiedete mit der Genfer Erklärung die erste internationale Kinderrechtscharta, eine Art Urkunde, in der die Rechte aller Kinder festgehalten wurden. Mit Ende des Zweiten Weltkrieges jedoch zerbrach das Bündnis und mit ihm verlor auch die Charta ihre Gültigkeit. Erst dreizehn Jahre später, am 20. November 1959 kam es zu einer erneuten Formulierung der Kinderrechte. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen brachte die Deklaration (Erklärung) über die Rechte des Kindes auf den Weg – der internationale Tag der Kinderrechte war geboren.

Doch eine Erklärung ist eben nur das – ein Dokument, das anders als die Konvention rechtlich keineswegs bindend ist. Das heißt, dass sich die Staaten zwar dazu bereit erklären, in einer bestimmten Art und Weise zu handeln, bei einem Verstoß jedoch nicht geahndet werden können.

Kaum verwunderlich, dass die Stimmen nach einer Konvention, also einem völkerrechtlich bindenden Vertrag immer lauter wurden. Es sollten jedoch zehn weitere Jahre vergehen, bevor die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 20. November 1989 die UN-Kinderrechtskonvention annahm. Nach und nach ratifizierten alle UN-Staaten den Vertrag. Zuletzt auch der Südsudan und Somalia. Alle. Mit Ausnahme der Vereinigten Staaten von Amerika. Diese hatten ihn zwar unterschrieben, bis heute jedoch nicht rechtskräftig bestätigt.

Und Österreich? Im Januar 1990 unterzeichnete die Alpenrepublik, als einer der ersten Mitgliedsstaaten die UN-Kinderrechtskonvention und verpflichtete sich damit, die insgesamt 54 Artikel im nationalen Gesetz zu verankern und Maßnahmen für deren Umsetzung zu treffen. Einzig bei der Meinungsfreiheit, der Informations-, sowie Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit von Kindern gab es inhaltliche Bedenken, weshalb Österreich diese drei Artikel nur unter bestimmten Einschränkungen miteinbezog. Erst im Juli 2015 kam es zu einer Aufhebung der Vorbehalte. Seither ist die Kinderrechtskonvention auch in Österreich ohne Einschränkungen gültig.

Doch was sind Kinderrechte überhaupt? Und wo gibt es heute noch Probleme? Die Kinderrechtskonvention ruht auf vier Säulen. Dabei geht es um das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung, das Recht auf Leben und Entwicklung, die Achtung vor der Meinung des Kindes sowie darum, das Wohl desselben ganz vorne anzustellen, ihm höchste Priorität zu geben. Diese Vier geben den Rahmen vor, sind die Grundlage für alle Artikel. Darunter das Recht auf Gesundheit, auf Bildung, Spiel und Freizeit, das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung, auf Schutz im Krieg und auf der Flucht, vor wirtschaftlicher und krimineller Ausbeutung. 

Weltweit werden die Kinderrechte mehr oder weniger gut umgesetzt, ernst genommen. Immer noch gibt es Jugendliche, die arbeiten, ihre Familien damit über Wasser halten müssen. Kinder, die als kleine Soldatinnen und Soldaten in den Krieg ziehen, misshandelt, vertrieben werden. Minimenschen, die tagtäglich an Hunger leiden. Doch Verbesserungsbedarf gibt es nicht nur in den „Entwicklungsländern“. Auch in Österreich gibt es noch viel Luft nach oben. So haben hier Kinder aus ärmeren Familien weiterhin weniger Chancen in Sachen Ausbildung oder Gesundheit und immer noch gibt es Kinder, die auf Grund ihrer Herkunft benachteilig, diskriminiert werden.

Zeit also, darauf aufmerksam zu machen, auch die Kleinsten über ihre Rechte aufzuklären. Und genau das passiert gerade. Eine Woche lang bekommt die UN-Kinderrechtskonvention mit all ihren Artikeln eine Bühne. Eine Woche lang sind die Kinderrechte in der Steiermark Thema. Und vielleicht auch noch darüber hinaus?

 

Quellen
Steirische Kinderrechtewoche 2018 – Programm

SOS Kinderdörfer Weltweit – Kinderrechtskonvention der UN
UNICEF – Alle Kinder haben Rechte 
Kinderschutz: UNICEF schützt Kinder vor Ausbeutung und Gewalt
Kinderrechte in Österreich
demokratiewebstatt – Kinderrechte in Österreich

Aktionssymbol © Friedensbüro Graz

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