Grüßen tut nicht weh …

Den ersten Schritt setzen, auf das Gegenüber zugehen manchmal aber sehr wohl. So scheint es jedenfalls. “Soll doch die Andere mal!”. “Ich mach das ja sonst immer …” Sätze, die hin und wieder fallen, im alltäglichen Zusammenleben jedoch selten Positives nach sich ziehen. Wir haben es in der Hand.

Die Art wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, Beziehungen zueinander aufbauen und später auch pflegen. Ob wir unserer Nachbarin nun freundlich begegnen, oder wegen eines nicht erwiderten Grußes vor Tagen für immer und ewig eingeschnappt sind – es liegt letztendlich bei uns. Da gibt es keine Vorschriften oder Gesetze. Fest steht: je freundlicher wir Anderen begegnen, desto größer die Chance, ebenfalls so oder ähnlich behandelt zu werden. Aber auch bei der ersten Begegnung, wenn wir auf Unbekannte treffen – es schadet nicht, den ersten Schritt zu machen, sich vorzustellen, eine Gesprächsbasis zu schaffen.

In großen Siedlungen, da wo viele Menschen Türe an Türe leben, kann es jedoch schwer fallen, Bekanntschaften zu schließen, einander kennenzulernen. Die Einen gehen früher aus dem Haus, die Anderen später. Man verpasst sich. Umso wichtiger sind dann diese zufälligen Begegnungen. Im Stiegenhaus. Im Lift. Zeit für ein kurzes Hallo. Aber auch eine gute Gelegenheit, den Nachbarn über die bevorstehende Baustelle im Hof zu informieren oder die Nachbarin vor dem morgigen Liftausfall zu warnen. Der anfängliche Smalltalk kann eine Brücke sein, hin zu einer Nachbarschaft, bei der die Eine mal auf das Kind von nebenan aufpasst, der Andere mit Salz oder Öl aushilft. Kleinigkeiten die im Alltag jedoch Großes bewirken können.

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Eine weitere Hürde kann die Begrüßung von neu Zugezogenen sein. Wer begrüßt wen und vor allem wann? Hier gibt es viele Rituale, die teilweise bis in die Römerzeit reichen. Doch nicht alle handhaben es gleich. Während man in Österreich davon ausgeht, dass sich die „Neulinge“ bei den „Alteingesessenen“ vorstellen, von Türe zu Türe gehen, klingeln, kann es in anderen Kulturen genau umgekehrt sein. Da werden die Neuen empfangen, von den „Alten“ in die Gepflogenheiten der Nachbarschaft eingeführt.

Unterschiedliche Einzugsrituale: Wer umzieht bekommt Brot und Salz geschenkt. Es ist eines der ältesten Einzugsrituale der westlichen Welt und hält sich bis heute. Brot und Salz als Symbole für Wohlstand – wer beides mitbringt, wünscht damit Glück und Reichtum. In Englischsprachigen Ländern brachte man vor der Zeit der Zentralheizung einen Holzscheit mit, um gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern das neue Heim zu wärmen und böse Geister zu vertreiben. Das Holz ist anderen Mitbringseln gewichen, der Begriff der Houswarming-Party jedoch ist geblieben. Im südlichen Amerika werden Grundnahrungsmittel wie Käse, Mehl oder Konserve geschenkt während in Frankreich die neu Eingezogenen zur Pendaison de Crémaillère – einem großes Essen für Freunde und Nachbarn – laden.

Wer in der eigenen Siedlung also einen Neuzuzug bemerkt, kann selbst aktiv werden, begrüßen, auch wenn die österreichische Etikette vielleicht anderer Meinung ist. Niemandem fällt ein Stein aus der Krone, wenn er oder sie die Initiative ergreift. Wer dabei dennoch Schwierigkeiten hat, kann sich im Friedensbüro Unterstützung holen. Mit Hallo Nachbar, der Wohneinbegleitung für den Gemeinde- und Übertragungswohnbau werden frisch Eingezogene begleitet. Dabei geht es um das Kennenlernen der neuen Wohnumgebung. Wo gibt es was, wer ist wofür zuständig? – Fragen, die gemeinsam mit engagierten Nachbarinnen und Nachbarn, den sogenannten Schlüsselpersonen vor Ort beantwortet werden und so den Start im neuen Umfeld erleichtern, das Konfliktpotenzial verringern.

Wer also gerade umgezogen ist, selbst neue Nachbarn bekommen hat oder sich als Ansprech- und Schlüsselperson in der eigenen Siedlung engagieren möchte, kann sich bei uns melden.

Kontakt: Team Friedensbüro, 0043 (316) 872-2183
Das Projekt wird vom Wohnungsamt der Stadt Graz finanziert.

Nähere Informationen über unsere Arbeit in der Nachbarschaft.

Quellen:
Einzugs- und Begrüßungsrituale