Gewaltfreie Revolution: Frauenwahlrecht

Auch das Frauenwahlrecht ist einer friedlichen Revolution zu verdanken. In der heutigen Zeit mag dies zwar traurig klingen, doch das uneingeschränkte Recht, wählen zu dürfen, war Frauen in Europa sehr lange vorenthalten worden – in Liechtenstein sogar bis zum Jahr 1984. Es brauchte Frauenrechtsbewegungen, die sich besonders im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts dafür stark machten, soziale und politische Rechte für Frauen einzufordern und schließlich auch durchzusetzen. Dabei setzten die Protestierenden beinahe ausschließlich gewaltfreie Methoden ein und waren damit schlussendlich – wie alle Frauen in Europa, die in den letzten Jahren ohne groß darüber nachzudenken an Wahlen teilgenommen haben, attestieren können – auch sehr erfolgreich.

Brangé, Public domain, via Wikimedia Commons

Bereits im 18. Jahrhundert sprachen sich vereinzelte Stimmen wie etwa Nicolas de Condorcet und Olympe de Gouges für die Rechte von Frauen, darunter auch das Recht politischer Beteiligung, aus. Auch im Jahr 1848, in dem viele Revolutionen auf einmal stattfanden, machten bereits einige Frauen auf die Ungleichbehandlung aufmerksam, die ihnen zuteil wurde. Unter anderem waren beispielsweise Wahlrechtsreformen durchgeführt wurden, die nur wenige Frauen privilegierten, ihnen stark eingeschränkte Wahlrechte ermöglichten oder sie nach wie vor völlig von der politischen Partizipation ausschlossen. Die Frauen argumentierten, dass sie nur tatsächlich in der Politik repräsentiert werden könnten, wenn sie die Möglichkeit dazu besaßen, an Wahlen teilnehmen und ihre eigenen politischen Interessen so zu vertreten.

Da sie allerdings trotz ihres Engagements während der Revolutionen 1848 bei den Regierenden auf taube Ohren stießen und teils sogar stärkere Einschränkungen hinnehmen mussten, beschlossen die Frauen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und sich gemeinsam zu organisieren. Ab 1860 formierten sich einige Frauenrechtsbewegungen wie etwa die National Union of Women‘s Suffrage Societies (1897) in Großbritannien, der Deutsche Verein für Frauenstimmrecht (1902) in Deutschland und die Union française pour le suffrage des femmes (1909) in Frankreich.

J. Gaboriau, Public domain, via Wikimedia Commons

Die einzelnen Frauenrechtsbewegungen hatten zwar Probleme, zusammenzuarbeiten, da sie unterschiedliche Themen priorisierten, verschiedene Ansichten hatten und Schwierigkeiten damit hatten, den Spalt zwischen Bourgeoisie und Proletariat zu überbrücken, kämpften aber dennoch großteils unabhängig voneinander für dasselbe Ziel: Das Frauenwahlrecht. Den meisten Aktivistinnen der Frauenrechtsbewegungen war es sehr wichtig, gesetzestreu zu bleiben, weswegen sie sich für gewaltfreie Protestaktionen wie etwa Petitionen, friedliche Demonstrationen oder die Veranstaltung eines internationalen Frauentags entschieden. Manche von ihnen, die allerdings vom Großteil der Frauenrechtsaktivistinnen vielfach kritisiert wurden, setzten auch auf zivilen Ungehorsam, um sich Gehör zu verschaffen. Noch mehr Ablehnung erhielten diejenigen Aktivistinnen, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckten, um Aufmerksamkeit auf ihre Anliegen zu lenken.

Finnland war schließlich das erste Land in Europa, das 1906 den Forderungen der Frauenrechtsbewegungen nachgab und das Wahlrecht für Frauen durchsetzte. Um 1918 herum erfolgte vor allem in denjenigen Staaten, die wie Deutschland und Österreich in den Ersten Weltkrieg verwickelt gewesen waren, ein radikaler politischer Umbruch, der die Einführung  des Frauenwahlrechts mit sich brachte. In denjenigen Ländern, in denen dies nicht der Fall war, mussten die Frauen sich noch etwas länger gedulden, bis auch sie uneingeschränkten Zugang zu den Wahlen hatten. In Südeuropa dauerte es etwa bis nach dem Zweiten Weltkrieg, dass das Frauenwahlrecht endlich anerkannt wurde, Liechtenstein bildete in Europa im Jahre 1984 das Schlusslicht beim Einführen des Wahlrechts für Frauen.

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Quellen:
https://www.onb.ac.at/forschung/ariadne-frauendokumentation/frauen-waehlet/frauenwahlrecht-in-europa
https://www.bundestag.de/besuche/ausstellungen/pol_parl/frauenwahlrecht/einfuehrung-246998
https://academic.oup.com/icon/article/12/1/4/628588?login=false#10621939
https://ehne.fr/en/encyclopedia/themes/gender-and-europe/gender-citizenship-in-europe/women’s-right-vote
https://ehne.fr/en/encyclopedia/themes/political-europe/1848-european-people’s-spring/1848-european-people’s-spring

Beitragsbild: LSE Library, No restrictions, via Wikimedia Commons

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