Gewaltfreie Revolution: Fall der Berliner Mauer 2/2

Seit dem 13. August 1961 waren Ost- und Westberlin durch eine Mauer voneinander getrennt, die unüberwindlicher kaum hätte sein können. Unzählige Versuche von Bürger:innen der DDR, auf die andere Seite zu gelangen, wurden unterbunden und endeten in einigen Fällen sogar tödlich. Gleichzeitig waren die Zustände innerhalb der DDR alles andere als rosig, weswegen es kein Wunder ist, dass die Einwohner:innen sich nach Veränderungen sehnten und mehr und mehr bereit dazu waren, sich gegen die Regierung aufzulehnen. Ganze achtundzwanzig Jahre nach dem Errichten der Mauer war es schließlich so weit: Die Bürger:innen hatten ihre Situation endgültig satt und hatten begonnen, ihren Unmut durch gewaltfreie Aktionen kundzutun.

Im Herbst 1989 ereignete sich in der DDR das, was heute als die Wende bezeichnet wird: Die Menschen, die genug von ihrer Regierung und ihrer Staatsform hatten, starteten eine friedliche Revolution und gingen auf die Straße, um ihren Unmut kundzutun. Ein wichtiger Faktor, der zum Fall der Berliner Mauer beitrug, waren unter anderem die sogenannten „Montagsdemonstrationen“, die tatsächlich jeden Montag stattfanden.

Bundesarchiv, Bild 183-1989-1210-014 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

Besonders bedeutsam war hierbei die Leipziger Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989, die vielen Menschen die Angst davor nahm, an den Protestaktionen teilzunehmen. Medizinisches Personal wurde für die Spät- und Nachtschicht zwangsverpflichtet, ganze Krankenhausstationen waren vorsorglich geräumt worden und Blutkonserven standen bereit, da die schlimmsten aller Ausgänge für die bevorstehende Montagsdemonstration befürchtet wurden. Der tatsächliche Ablauf der Protestdemonstration war allerdings für viele eine Überraschung: Ganze 70 000 Menschen nahmen an der Leipziger Montagsdemonstration teil und machten diese damit zur größten Demonstration der DDR seit 1953. Aufgrund dieser gewaltigen Anzahl von Teilnehmer:innen beschloss sich die Polizei zum Rückzug und ließ die Protestdemonstration somit ungehindert und friedlich verlaufen.

Ende Oktober 1989 waren es allerdings nicht mehr nur die Montagsdemonstrationen, die die Regierung unter Druck setzten: Durch die Reformpolitik des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow wurde nun auch in den Medien viel offener über die Missstände und die Protestaktionen in der DDR berichtet. Dies war zwar bereits ein großer Schritt in Richtung Meinungsfreiheit, für die Demonstrant:innen jedoch noch kein Grund, mit ihren Protesten aufzuhören.

Bundesarchiv, Bild 183-1989-1023-022 / Friedrich Gahlbeck / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE, via Wikimedia Commons

Am 4. November 1989 ereignete sich schließlich die größte Demonstration in der Geschichte der DDR – die gesamte Ostberliner Innenstadt war mit Menschen gefüllt, der Verkehr war komplett lahmgelegt. Auch die Volkspolizei, mit der eine Sicherheitspartnerschaft verabredet war, ließ sich kaum wo blicken, während die mehr als eine halbe Millionen Demonstrant:innen durch die Stadt zogen und unter anderem vor allem Reisefreiheit forderten. Ein fehlerhafter Reisegesetzesentwurf, den die SED daraufhin am 6. November 1989 präsentierte, wurde von den Bürger:innen jedoch weitestgehend abgelehnt.

Die immer lauter werdenden Stimmen der Bevölkerung wie auch die Massenflucht bewirkten schließlich, dass die DDR-Regierung unter Ministerpräsident Willi Stoph am 7. November 1989 zurücktrat. Am nächsten Tag beschloss sich auch das gesamte Politbüro des Zentralkomitee der SED zum Rücktritt.

Nun war die Lawine ins Rollen geraten: Als am 9. November 1989 Günther Schabowski zum Reisegesetz vom 6. November befragt wurde, verkündete dieser einen Tag verfrüht, dass Privatreisen künftig auch ohne besondere Voraussetzungen bei der Polizei beantragt werden können – und das unverzüglich. Nachdem die Nachrichtenagenturen AP und dpa die frohe Botschaft, die DDR habe ihre Grenzen geöffnet, weiterverbreitet hatten, strömten tausende Ostberliner zu den Grenzübergängen. Diese waren allerdings noch verschlossen, da die Offiziere noch nichts von der spontan angekündigten Öffnung wussten.

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Die Szene an der Mauer spitzte sich immer weiter zu, immer mehr Menschen drängten nach, keiner wusste sicher, ob die Öffnung nur ein Gerücht oder eine Tatsache war. Da die Situation immer bedrohlicher wurde, entschlossen sich schließlich einzelne Grenzkommandanten dazu, die Tore einfach zu öffnen – die Mauer war gefallen.

Selbstverständlich trugen auch viele weitere Ereignisse, wie etwa die Anerkennung der ersten freien Gewerkschaft Solidarność, die den Beginn des Zerfalls des sozialistischen Systems markierte, ihren Teil zum Fall der Berliner Mauer bei. Die treibende Kraft waren allerdings auch hierbei wieder ganz normale Bürger:innen, die durch ihre Flucht aus der DDR und durch ihre Protestaktionen die Regierung immer weiter unter Druck setzten, bis ihr Ziel erreicht war und die Mauer endlich fiel.

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Quellen:
https://www.lpb-bw.de/fall-der-berliner-mauer
https://www.superillu.de/magazin/heimat/ddr/mauerfall/fakten-zum-mauerfall-77
https://www.planet-wissen.de/geschichte/ddr/die_berliner_mauer/index.html
https://www.chronikderwende.de/wendepunkte/index_jsp.html
https://www.chronikderwende.de/wendepunkte/wendepunkte_jsp/key=wp9.10.1989.html
https://www.chronikderwende.de/wendepunkte/wendepunkte_jsp/key=wp4.11.1989.html

Beitragsbild: ©Ansgar Koreng, gefunden auf Wikimedia Commons

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