Nur Jammern bringt uns nicht weiter

 

Der Nachbar hat schon wieder falsch geparkt, die Freundin der Tante vom Kind nebenan raucht im Stiegenhaus und überhaupt geht heute alles schief. Solche Tage gibt es immer, in Österreich jedoch scheint es überdurchschnittlich viele davon zu geben. Jammern ist hier zur  Kulturtechnik geworden. Wir sind Weltmeister im Sudern, Sempern und Seiern, schieben unseren Unmut auch gerne Anderen in die Schuhe. Und anstatt uns selbst auf die Suche nach möglichen Lösungsansätzen zu machen, überlassen wir das Handeln gerne mal dem Rest. Der Hausmeister, die Hausverwaltung, die Müllabfuhr – die sollen das regeln und am besten jetzt gleich.

Immer wieder kommt es vor, dass Leute bei uns anrufen, sich über das Verhalten ihrer Mitmenschen beschweren, ohne diese überhaupt erstmal auf das Problem angesprochen zu haben. Der Nachbar grillt am Balkon, die Familie darüber stapft mit Bleifüßen über den Boden, die Kinder ganz oben werfen mal wieder Dinge vom Balkon … Mit den potentiellen „Übeltäterinnen“ und „Übeltätern“ geredet haben die wenigsten. Und so weiß der Grillmeister vielleicht gar nichts von seinem Fehlverhalten, die Familie ist sich der Lautstärke ihrer Schritte womöglich nicht einmal bewusst. Jammern alleine zieht selten positive Veränderungen nach sich. Schon gar nicht, wenn der Unmut an der falschen Stelle deponiert wird.

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Wird etwas als störend empfunden, ist es ratsam in aller Ruhe nach Ursachen und möglichen Lösungen zu suchen. Was kann ich selbst tun, um die Situation zu verbessern? Die Raucherin im Stiegenhaus kann höflich nach draußen gebeten, der Falschparker auf Alternativen hingewiesen werden. Für fehlende Namensschilder, Mülltonnen oder öffentliche Aschenbecher ist manchmal auch die Hausverwaltung zuständig – ein Anruf, eine kurze Rückfrage kann nie schaden. Wer sich an einer Flut von Werbeprospekten Im Hausflur stört, kann dafür einen Mülltonne organisieren oder nach Rückfrage “keine Werbung” Sticker anbringen. Mist auf der Straße, am Gehweg, in der Wiese könnte selbst aufgehoben werden. Für stark vermüllte Plätze jedoch, ist die Holding, der Omputzmann zuständig. Hier bemüht sich unter anderem Thomas Hofer um eine saubere Stadt. Wer nicht anrufen möchte, kann den betreffenden Ort auch über die App „Schau auf Graz“ melden. Das Team der “Servicestelle für mehr Sauberkeit” kümmert sich im Anschluss darum, entfernt falsche Sperrmülldeponien, entleert überfüllte Papierkörbe, säubert Abfallsammelstellen. Ein Konzept, das zeigt, dass wir alle mithelfen, anpacken können.

Immerhin ist Österreich zwar das Land der Raunzer. Gleichzeitig liegt es bei der Anzahl der ehrenamtlich engagierten Menschen im EU-Spitzenfeld. Wir können also nicht nur jammern, wir packen auch mit an. Ganze 46% alle über 15-Jährigen engagiert sich. Ganz gleich, ob bei der Freiwilligen Feuerwehr, Rettung, Pfarrcaritas, im Umwelt-, oder Tierschutz oder bei Jugendorganisationen – viele von uns nehmen die Dinge selbst in die Hand. Ein Beispiel, dem dem alle folgen sollten.

 

Quellen:
Servicestelle für mehr Sauberkeit