Nachfragen kann vorbeugen

Zwischenmenschliche Kommunikation hat ihre Tücken. Sie ist fehleranfällig, funktioniert nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Da werden Dinge missverstanden, anders interpretiert, in einen völlig neuen Kontext gesetzt. Und das, obwohl wir als Senderinnen oder Sender meist glauben, uns deutlich, ja unmissverständlich ausgedrückt zu haben. Irgendwo, am Weg, zwischen uns und der nachrichtempfangenden Person gehen immer wieder Informationen verloren oder aber werden fälschlicherweise hinzugefügt. Und das meist völlig unbeabsichtigt. Je nach Tagesverfassung, Laune, Müdigkeitsgrad oder Stresslevel können die Dinge anders interpretiert werden. Aber auch unsere eigene Mimik, Gestik, unsere Stimme spielen beim Sprechen eine große Rolle, können der Nachricht eine völlig neue Bedeutung geben. „Wie bitte?“ ist nicht gleich „wie bitte?“. Es ist also nicht immer einfach. Weder für die Sprechenden, noch für all jene, die auf der anderen Seite stehen.

 

Um also Missverständnisse aus dem Weg räumen oder auch gar nicht erst aufkommen zu lassen, können Sender oder Empfängerin beim jeweiligen Gegenüber nachfragen – habe ich das richtig verstanden? Wie meinst du das? Ist meine Botschaft tatsächlich so angekommen, wie ursprünglich gedacht? Oder gibt es Verständnisschwierigkeiten? Immerhin ist es für beide Seiten wichtig, richtig verstanden zu werden bzw. die Nachricht korrekt entziffert zu haben. Es gibt kein „zu viel Nachfragen“ oder „Sichergehen“. Lieber einmal mehr, als einmal zu wenig.

Das gilt jedoch nicht nur für Einzelgespräche. Auch in Gruppen, wenn gemeinsam diskutiert, bestimmte Dinge besprochen werden, dabei unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen, können solche Fragen helfen, ja sogar Konflikten vorbeugen.

Immer wieder kommt es vor, dass wir als Friedensbüro Gruppengespräche leiten, also moderieren. Bei Stadtteil- und Bezirksversammlungen zum Beispiel oder aber in Siedlungen in Form von Hofgesprächen oder Hausversammlungen gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern. In solchen Situationen versuchen wir, Gesagtes auf Kärtchen zu schreiben und diese für alle sichtbar irgendwo anzubringen. Immer wieder fragen wir nach – Entschuldigung, habe ich das richtig verstanden? Meinen Sie das so? Manche korrigieren sich dann selbst noch einmal, versuchen das Gesagte verständlicher auszudrücken. Andere wiederum nicken kurz, bestätigen, dass das alles auch so stehen bleiben darf. Moderatorinnen und Moderatoren können sich dadurch absichern, Sendende wiederum überprüfen, ob die Botschaft tatsächlich in der Art und Weise verstanden wurde, wie ursprünglich gedacht. So haben alle etwas davon.

Durch eine solche Visualisierung kann im Laufe des Gesprächs immer wieder auf bereits Gesagtes verwiesen, darauf zurückgegriffen werden. „Das steht bereits da!“ „Das haben wir besprochen!“ oder aber „Diesen Punkt sollten wir noch beachten!“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen dadurch das Gefühl, dass ihre Wünsche, Anliegen und Ideen gehört, im wahrsten Sinne des Wortes auch wirklich gesehen werden – eine Art der Gesprächsführung, die auch gut Zuhause funktionieren kann. Kärtchen suchen, mitschreiben, immer wieder nachfragen, sichtbar machen. Ausprobieren lohnt sich.

Quellen
Das Sender-Empfänger-Modell
Aktionssymbol © Friedensbüro Graz 

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