Hilfe braucht Hilfe

Eine Straßenbahn. Irgendwo in Graz. Es ist Nachmittag. Nach-Hause-Fahrzeit. Auf einem Viererplatz hocken Kinder. Sie unterhalten sich. Kichern in normaler Gesprächslautstärke. Zwei Reihen weiter sitzt eine Frau. Sie beobachtet die Gruppe mit grimmigem Ausdruck. Ihr Gesicht verzerrt sich mit jedem Wort, jedem Lachen, das zu ihr herüber dringt. Als eines der Mädchen ein weiteres Mal kichert, dreht sie sich ruckartig um. Sie bebt vor Zorn. Ob sie sich nicht endlich zusammenreißen, still und artig sein könnten, die “bleden Gfraster, die depperten Trutschen!”. Die Mädchen wären schließlich nicht alleine auf dieser Welt, würden hier allen tierisch auf die Nerven gehen. Sie hätte die Szenerie nun lange genug ertragen müssen, sähe nicht ein, weshalb die Jugend derart rücksichtslos mit ihr umgehe. Die Mädchen erstarren. Erschrocken blicken sie der Frau entgegen, die gerade zu einer weiteren Schimpftirade ausholt. In der Straßenbahn ist es still geworden. Die Einen blicken betreten zu Boden. Andere halten ihre Smartphones in der Hand, tun so, als hätten sie gerade wichtige Mails zu verfassen. Die Einzige, die nun wirklich laut ist, ist sie. Die Frau, die mit hochrotem Kopf wild gestikulierend Respekt und gutes Benehmen einfordert. 

Nun könnte man sich tatsächlich hinter einem Buch oder besagtem Smartphone verkriechen, konzentriert aus dem Fenster blicken, so tun, als hätte man das alles gar nicht mitbekommen. Doch so richtig abkaufen würde einem das später keiner. Zum Einen weil die immer derber werdenden Schimpftiraden mittlerweile eine Lautstärke erreicht haben, die durch beinahe alle Kopfhörer dringt und die gesamte Straßenbahn ausfüllt. Zum Anderen wäre es schlicht und einfach falsch. Nicht eingreifen, wegsehen, macht einen automatisch zu Mittäterin oder Mittäter. Anstatt also zu verdrängen, sich still und heimlich aus der Affäre zu ziehen, sollten wir die Situation analysieren. Was passiert hier gerade? Kann ich das alles mit meinem Gewissen, den eigenen Normen vereinbaren? Ist es richtig, dass die Dame, die Gruppe derart zur buchstäblichen Schnecke macht? Geht man so mit anderen um? Unbewusst wird das Geschehen mit dem eigenen Wertesystem verglichen. Widerspricht es demselben, wird zum Handeln aufgerufen. Tu’ etwas! Versuche die Situation zu verändern!

Während man hier die Stimme erheben, die Frau höflich aber bestimmt zu Recht weisen könnte, gibt es auch Momente, in denen für ein Eingreifen die Hilfe anderer benötigt wird. Wenn es um eine Gruppe pöbelnder Betrunkener geht, zum Beispiel, die einen beim Dazwischengehen womöglich selbst vermöbeln würden. Oder um drei Jugendliche, die ein Mädchen belästigen. Vor allem dann, wenn mehrere Personen gemeinsam übergriffig werden, auf ein Opfer losgehen, ist es wichtig, sich die Hilfe anderer zu sichern. Aber auch beim “Erste-Hilfe-Leisten” oder Bergen von Verletzten aus Gefahrenzonen kann die Unterstützung hilfreich sein.

Doch Hilfe holen ist nicht einfach. Wer wahllos um Hilfe bittet, wird nur selten Unterstützung bekommen. Kaum jemand, fühlt sich dabei angesprochen. Die Menschen würden sich in der Menge verstecken – soll sich doch jemand anderes darum kümmern, ich kann da sicher nichts tun. Deshalb ist es wichtig, Passanten, Unterstützerinnen direkt anzusprechen. „Sie da drüben mit der roten Jacke, bitte kommen Sie her und helfen Sie mir” “Könntest du bitte die Polizei rufen?” “Bitte informiere den Schaffner!” “Kümmere du dich um das Opfer, ich versuche die anderen beiden abzulenken” “Können Sie die Notbremse ziehen / den Notrufknopf drücken?”… Zu mehrt ist vieles einfacher!

Ein paar Notrufnummern im Überblick:

122 Feuerwehr 112 Euronotruf
133 Polizei 142 Telefonseelsorge
144 Rettung 147 Kindernotruf (Rat auf Draht)

 

Weiterführende Links:
Hilfe holen – feel-ok.at
Notrufnummern Österreich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.