Geschmäcker sind verschieden

Egal ob bei der Musikwahl, der Kulinarik oder unserer Freizeitgestaltung – wir unterscheiden uns voneinander. Die einen mehr, die anderen weniger. Kein Mensch gleicht dem anderen und selbst die Ähnlichsten kommen irgendwann an einen Punkt, an dem sie sich nicht einig werden. Vor allem dann, wenn viele Menschen an einem Ort aufeinander treffen, zusammenleben, kann eine solche Verschiedenheit zur Herausforderung werden.

„Über Geschmack lässt sich nicht streiten“ – eine Redensart die sachlich bestimmt ihre Berechtigung hat, im alltäglichen Umgang miteinander aber an ihre Grenzen stößt. Auseinandersetzungen, Diskussionen und Streitereien stehen bei der unterschiedlichen Wahrnehmung von Geschmäckern beinahe an der Tagesordnung. Da kommt es zu Meinungsverschiedenheiten beim Musikgeschmack – für die Eine ist es herrliches Gedudel, für den Anderen ohrenbetäubender Lärm. Dabei sind Geräusche wie diese bei weitem nicht das einzige Streitthema. Auch über die Zubereitung von Gerichten und deren Gerüche lässt sich außerordentlich gut streiten. So wird die Leibspeise des Einen zum absoluten Hassgericht der Anderen oder umgekehrt. Gerade Stiegenhäuser oder Höfe von Mehrparteienhäusern sind fabelhafte Sammelstellen für die Essensgerüche unterschiedlicher Kulturen. Da trifft sich das Gulasch mit dem Sauerkraut, die Kohlsuppe von Oma aus dem zweiten Stock mit dem afrikanischen Fischgericht darüber. Eine wahre Duftexplosion, die nicht jedem schmeckt. Denn schließlich kann sich Geschmack auch kulturell bedingt stark voneinander unterscheiden. Dinge, die anders sind, als gewohnt, sind uns schnell fremd. Und von„fremd“ zu „grauslich“ ist es nur noch ein schmaler Grat.

Gute Nachbarschaft lebt von gegenseitiger Rücksichtnahme, aber auch von der Möglichkeit, Dinge offen anzusprechen. Die Nachbarin kann beim Kohlsuppekochen also durchaus mal gebeten werden, nicht in den Gang hinaus zu lüften oder das Küchenfenster in einer lauen Sommernacht ausnahmsweise mal geschlossen zu lassen. Oder aber man fragt nach den Zutaten, vielleicht sogar nach dem Rezept und dessen Herkunft. Als Verursacher des Geruches selbst, könnte man aber auch Kostproben verteilen. Denn nicht alles, was vermeintlich schlecht riecht, schmeckt auch so.

Neugierig sein, Interesse zeigen, über den buchstäblichen Tellerrand blicken, die Dinge höflich ansprechen – so können vielleicht auch die lästigsten Gerüche zu ungeahnten Überraschungen führen. Ein riesiger Schritt in Richtung Konfliktprävention.