Darüber reden hilft

Gedacht heißt nicht immer gesagt.
Gesagt heißt nicht immer richtig gehört.
Gehört heißt nicht immer richtig verstanden.
Verstanden heißt nicht immer einverstanden 

Konrad Lorenz

Jedes Wort hat Konsequenzen. Jedes Schweigen aber auch. Was für die Eine alltäglicher Umgangston oder harmloses Necken ist, kann den Anderen irritieren, vor den Kopf stoßen oder gar verletzen. Worte haben eine unglaubliche Macht. Von vielen unterschätzt, landen sie immer wieder da, wo sie nicht hingehören. Sie werden missverstanden oder geraten auf die falsche Bahn, verfehlen dabei auf ihrem Weg den ursprünglichen Empfänger. Genau hier kommt Paul Watzlawick ins Spiel. Über Jahre hinweg untersuchte der amerikanisch-österreichische Wissenschaftler die menschliche Kommunikation, fand heraus, dass es weniger darum geht, was wir sagen, als darum, was bei unserem Gegenüber ankommt. „Wahr ist nicht, was a sagt, sondern was b versteht“.

Worte können verletzen. Manchmal vorsätzlich, gewollt. Manchmal aber auch völlig unbeabsichtigt. Doch ganz gleich aus welchem Grund und durch wen – wir sollten darauf aufmerksam machen, beim Gegenüber nachfragen. Das allerdings erst dann, wenn die ersten Emotionen abgekühlt sind. Hab ich das richtig verstanden und interpretiert? Wie meinst du das? Fragen, die helfen können, Missverständnisse frühestmöglich aus dem Weg zu räumen. Leicht fällt das selten. Oft sind wir uns unsicher, können die Nachricht nicht recht interpretieren, haben vielleicht ein distanziertes Verhältnis zu unserem Gesprächspartner oder unserer Gesprächspartnerin, kennen einander noch nicht so gut. Hier kann es helfen, Kolleginnen oder Kollegen nach ihren Erfahrungen zu fragen, Verbündete innerhalb des Systems zu suchen, vorsichtig abzutasten, ob es anderen ähnlich geht. Einzelne Satzbausteine oder Fragen wie „Mir geht es mit … nicht so gut …“, „Ich habe den Eindruck, dass … – teils du diesen mit mir?“ oder „Ich habe gesehen, dass …“ können helfen, ins Gespräch zu kommen.

Stellt sich bei einem solchen Gespräch heraus, dass wir mit unseren Gefühlen nicht alleine sind, haben wir vielleicht den ersten Verbündeten gefunden. Gemeinsam kann nun ein Gespräch mit jener Person gesucht werden, die einen verunsichert oder verletzt hat. Dabei ist es wichtig, vorher zu überlegen, wie man seine Beobachtungen ausdrückt. Schuldzuweisungen sind in diesem Fall kontraproduktiv, weil sie das Gegenüber in die Defensive treiben könnten. Besser ist es, das Erlebte aus der eigenen Perspektive zu beschreiben und Wünsche für die zukünftige Kommunikation zu formulieren.

Manchmal kann es aber auch vorkommen, dass man im System niemanden findet, der einen versteht, unterstützt. Das bedeutet dann aber noch lange nicht, dass die eigenen Empfindungen „falsch“ sind, Situationen, die einen belasten sollten angesprochen werden. Das Erlebte mit jemand Externem zu reflektieren, kann dabei hilfreich sein. Hilfe suchen ist kein Zeichen von Schwäche.

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