Flüchtlinge sind Flüchtlinge – oder?

An kaum jemandem sind die Szenen vorbeigegangen, die sich momentan in der Ukraine abspielen. Genauso wenig wird einem allerdings auch entgangen sein, was für ein großes Maß an Solidarität den ukrainischen Flüchtlingen gegenüber gezeigt wird. Viele Menschen haben es auf sich genommen, Spenden zu sammeln und den Flüchtlingen aus der Ukraine ein Dach über dem Kopf zu vermitteln, und noch viel mehr Leute sind den Aufrufen, zu spenden und Unterkunft zu gewähren, nachgekommen. Die Bereitschaft der Menschen, den ukrainischen Flüchtlingen Hilfe und Unterstützung zu leisten, ist exakt die Reaktion, die man im Idealfall in einer jeden ähnlichen Situation erhoffen, ja vielleicht sogar vermuten würde. Doch ist dies tatsächlich die Realität?

Wenn man sich die momentane Haltung gegenüber Flüchtlingen, die etwa aus Afghanistan oder Syrien stammen, so ansieht, so merkt man vor allem eines: Mit der Hilfsbereitschaft gegenüber ukrainischen Flüchtlingen ist diese nicht zu vergleichen. Nun mag man vielleicht argumentieren, dass dies etwa daran liegt, dass die momentane Situation in der Ukraine noch sehr frisch und auch brandaktuell sei. Doch auch zu der Zeit, zu der erstmals über den Flüchtlingsstrom nach Österreich berichtet wurde, mangelte es vielen an dem Mitgefühl und der Solidarität, die nun Flüchtlingen aus der Ukraine entgegengebracht werden. Ganz zu schweigen davon, dass in vielen der Herkunftsländer der “ursprünglichen” Flüchtlinge nach wie vor Krieg herrscht und diese sich somit in einer ähnlichen Lage befinden.

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Selbstverständlich hat jeder Flüchtling nach allem, was er durchgemacht hat, verdient, mit exakt dem Respekt und der Hilfsbereitschaft behandelt zu werden, die momentan gegenüber den Flüchtlingen aus der Ukraine gezeigt werden. Dennoch ist es auffällig, dass mit den ukrainischen Flüchtlingen auf eine ganz andere Art umgegangen wird und auch die Berichterstattung einen anderen Pfad einschlägt als mit den Flüchtlingen, die bisher Thema waren. So ist etwa im Falle der Flüchtlinge aus der Ukraine nicht die Rede von einer “Flüchtlingswelle” oder einem “unkontrollierten Zustrom”, wie man es inzwischen schon oft gehört und gelesen hat. Stattdessen wird viel mehr an das Mitgefühl der Menschen appelliert und betont, welche prekäre Lage die ukrainischen Flüchtlinge dazu gezwungen hat, in anderen Ländern Zuflucht zu suchen. Selbstverständlich ist es mehr als nur richtig, Empathie in den Menschen zu wecken und sie dazu aufzufordern, den Flüchtlingen aus der Ukraine die Solidarität und Hilfsbereitschaft entgegenzubringen, die sie selbst sich in einer ähnlichen Situation wünschen würden. Allerdings muss ebendiese Art der Berichterstattung jenen Flüchtlingen aus anderen Ländern, denen anstatt mit helfenden Händen vielmehr mit Vorurteilen und Skepsis begegnet wurde und auch noch immer wird, sehr bitter aufstoßen.

Keineswegs soll hier jedem und jeder Politiker:in sowie auch Reporter:in, der oder die sich je für Hilfsbereitschaft gegenüber den ukrainischen Flüchtlingen ausgesprochen hat, unterstellt werden, Rassist:in zu sein. Viele von ihnen verfolgt wohl genau dasselbe, das den meisten durch den Kopf geht: Die Ukraine ist eben doch sehr viel näher, als die Länder, aus denen die meisten Flüchtlinge bisher stammten, weswegen die Bedrohung und die Not der fliehenden Menschen sehr viel greifbarer ist. Dass das ihre Sicht der Tatsachen und somit auch ihre Berichterstattung beeinflusst, ist verständlich und auch nur menschlich. Zudem muss man auch die Tatsache beachten, dass natürlich auf kultureller Ebene ein geringerer Unterschied zwischen den ukrainischen Flüchtlingen und der Einwohnerschaft Europas besteht, als dies bei den bisherigen Flüchtlingen der Fall war.

Foto von Ehimetalor Akhere Unuabona auf Unsplash

Gleichzeitig muss man aber auch erwähnen, dass einige Reporter:innen und Politiker:innen in ihren Rechtfertigungen darin, weshalb die ukrainischen Flüchtlinge so anders behandelt werden und auch behandelt werden sollten, sich definitiv auf sehr fragwürdigem Terrain bewegen. Dass die Flüchtlinge aus der Ukraine beispielsweise “Menschen wie wir” seien, da sie “weiß seien und blonde Haare haben”, wie sich so mancher oder manche schon ungeschickt ausgedrückt hat, sollte definitiv nicht der Grund für ihre andere (man möge sogar anmerken, bessere) Behandlung sein. Dass die nicht-europäischen Flüchtlinge allerdings nach wie vor den ukrainischen Flüchtlingen gegenüber nicht gleichwertig angesehen und entsprechend behandelt werden – und das nicht nur wegen größerer kultureller Unterschiede -, ist durchaus etwas, auf das man mehr Aufmerksamkeit lenken sollte.

Quellen:
https://headtopics.com/at/nicht-mit-afghanistan-vergleichbar-nehammer-ist-bereit-ukrainische-fluchtlinge-aufzunehmen-24285807
https://www.youtube.com/watch?v=2z9UyPurVok
https://www.kleinezeitung.at/politik/innenpolitik/6103355/Rede-im-Nationalrat_Nehammer_Es-gibt-genuegend-Gas-bis-April?utm_source=headtopics&utm_medium=news&utm_campaign=2022-02-24

Beitragsbild: Foto von Adam Śmigielski auf Unsplash

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