Fluchtursache: Landraub aufgrund von Rohstoffen

Die zehn ärmsten Länder der Welt sind gleichzeitig auch die reichsten – und zwar an Rohstoffaufkommen. Was zunächst so klingt, als würde es den Menschen, die dort leben, zugute kommen, entpuppt sich allerdings meist als Albtraum. Daran schuld sind vor allem die reichen und entwickelten Länder: Alles, was den Leuten dort an Ressourcen für ihre Wirtschaft und ihren Lebensstil fehlt, holen sie sich nämlich aus den Staaten, die diese besitzen.

Könnte eigentlich glatt als fairer Handel durchgehen – wäre da nicht die Realität, die in der Hinsicht ganz anders aussieht. Die Kontrolle über den Abbau und die Handelsbedingungen liegen nämlich meist nicht in der Hand der rohstoffreichen Länder, sondern in der Hand derer, die die Ressourcen benötigen.

In den Ländern, aus denen diese kommen, hat jedoch meist nur eine kleine Elite das Sagen, die durchaus von den Vereinbarungen mit den reichen Ländern profitiert. Diese wird nämlich nur immer unabhängiger und braucht sich um die Bedürfnisse der Menschen nur wenig zu kümmern, um an der Macht zu bleiben – die Einnahmen aus dem Rohstoffhandel reichen dafür völlig.

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Demokratie und Gerechtigkeit sind jedenfalls keine häufigen Nebenwirkungen des Rohstoffhandels – egal, wo er stattfindet, brechen meist Konflikte, Machtkämpfe und in manchen Fällen sogar Kriege aus, die sich um die Ressourcen drehen

. Neue Abbaugebiete werden gewaltsam eingenommen, die dort lebenden Menschen enteignet oder gar zum Arbeiten in den entstehenden Minen und Schürfgebieten gezwungen. Nur sehr selten erhalten die ursprünglichen Bewohner dieser Orte Entschädigungszahlungen dafür, dass sie ihre Heimat verlieren.

Damit, dass die Leute in solchen Gebieten häufig unter unmenschlichen Bedingungen Rohstoffe abbauen müssen, ist aber nicht genug – ebendieser Abbau kann nämlich auch zur Umweltverschmutzung beitragen, was bei einigen der Ressourcen bedenkliche Auswirkungen haben kann.

Die Verseuchung von Böden und Wasser nimmt den Menschen ihre Lebensgrundlage und zwingt sie dazu, ihr Zuhause zu verlassen, falls sie nicht bereits zuvor schon dem Abbau weichen mussten. Oft sehen diese keinen anderen Ausweg, als in die Städte oder überhaupt über die Grenzen abzuwandern.

Dele Igbinedion weiß nur zu gut, wovon er spricht, wenn es um fremde und skrupellose Unternehmen geht. Igbinedion war Inhaber einer Rechtsanwaltskanzlei in Benin City und gewählter Vorstandsvorsitzender des Nigerianischen Rundfunks. Er wurde von einem Bauerndorf kontaktierte, das ihn um Hilfe dabei bat, eine belgische Firma namens Presco Industries anzuzeigen. Diese hatte nämlich, ohne davor Bescheid zu geben, ihr zuvor kleines Landstück in der Farmkommune um etwa 15 000 Hektar ausgeweitet, was viele Familien ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage gekostet hatte.

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Ursprünglich waren die Bauern zum Gelände des Unternehmens in Benin City aufgebrochen, um dort friedlich zu protestieren, doch Polizisten gingen dort sogleich mit Schlägen, Peitschen und sogar Schusswaffen auf sie los. Nicht genug damit – anschließend fuhren diese nämlich noch mit Presco-Vans ins Bauerndorf, vergewaltigten dort Frauen und raubten schließlich auch die Häuser aus.

Es waren jedoch nicht ebendiese Polizisten, die schließlich eingesperrt wurden. Die Dorfbewohner selbst wurden des bewaffneten Überfalls beschuldigt und auf unbefristete Zeit ins Gefängnis verfrachtet. Diejenigen, die diesem Schicksal entgehen konnten, flüchteten vor lauter Angst über die Grenzen.

Dele Igbinedion, der also im Mai 2000 eine Klage gegen Presco erhoben hatte, erhielt nicht wie erwartet eine Antwort des Unternehmens, sondern wurde vom stellvertretenden Gouverneur von seiner Funktion im Rundfunk beurlaubt. Obendrein bekam er sogar noch Besuch eines Anführers einer paramilitärischen Gruppe, der ihm vorwarf, der Regierung feindlich gesinnt zu sein.

Obwohl Dele Igbinedion weiterhin vom stellvertretenden Gouverneur dazu gedrängt wurde, die Anklage fallen zu lassen, gaben er und die Bewohner des Dorfes nicht auf. Nach dem Prozess, der vertagt wurde, wurde er ganz plötzlich überhaupt aus dem Vorstand des Rundfunk geworfen, und auch die Security, die ihm vorübergehend zur Verfügung gestellt worden war, verließ sein Grundstück.

Zwei Tage später stürmten bewaffnete Männer Dele Igbinedions Haus und hielten ihm und seiner dreijährigen Tochter Pistolen an den Kopf. Seine Mutter, die zu Besuch war, flehte die Fremden an, die beiden am Leben zu lassen, was sie wie durch ein Wunder tatsächlich taten.

Dele Igbinedion verließ noch im selben Jahr Nigeria und lebt inzwischen in Europa. Vor kurzem wurde er als Notar in London zugelassen.

Quellen:

https://www.medico.de/rohstoffhandel-und-landraub-16497/

https://www.brot-fuer-die-welt.de/themen/fluchtursachen/fluchtursache-landraub/

http://www.thecornerhouse.org.uk/resource/listen-refugees-story#index-01-13-00-00

Beitragsbild: ©skeeze auf Pixabay

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