Fluchtursache: Krieg

Die Flüchtlingskrise ist nach wie vor ein Thema, über das sowohl in der Politik, als auch in privaten Kreisen oft diskutiert wird. Tatsächlich wurde Mitte 2018 laut UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) mit 70,4 Millionen der weltweite Höchststand an Menschen auf der Flucht erreicht, die innerhalb ihres eigenen Landes oder über die Landesgrenzen vertrieben wurden. Tendenz steigend, wenn man in Betracht zieht, dass sich die Zahl der Flüchtlinge innerhalb der letzten zehn Jahre etwa verdoppelt hat. Häufig kommt es vor, dass diese allesamt über einen Kamm geschoren werden und dabei völlig untergeht, aus welchen Gründen sie eigentlich ihrem Heimatland entflohen sind. Doch was veranlasst einen eigentlich dazu, alles hinter sich zu lassen und in ein anderes Land oder gar einen anderen Kontinent aufzubrechen?

Der erste Grund, den man hier anführen kann, ist natürlich Krieg, oder auch Gewalt im Allgemeinen, wie zum Beispiel bei bewaffneten Konflikten. Weltweit ist dies die häufigste Fluchtursache, von der über 60 Millionen Menschen betroffen sind.

Das Erste, woran man bei Krieg und Gewalt denkt, sind die Gräueltaten, die mit diesen einhergehen. Selbstverständlich sind diese einer der Hauptpunkte, weshalb sich Menschen für die Flucht entscheiden – Kämpfe und Bomben, die auf ihre Regionen hageln, sind immerhin oft nicht das Einzige, mit dem sich Zivilisten konfrontiert sehen. Oft finden auch Machtdemonstrationen in Form von Menschenrechtsverletzungen, Vergewaltigungen, Massenhinrichtungen oder anderen schrecklichen Taten statt. Auch die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten ist vielerorts eine grausame Begleiterscheinung der Kriegsführung.

Dennoch gibt es viel mehr, das Kriege anrichten können: Man denke hierbei einmal die Unmöglichkeit, in einem mit Gewalt angereicherten Umfeld ein normales Leben zu führen. Zwischen der ständigen Bedrohung von Tod und Verletzungen brechen häufig auch Armut und Hunger aus, da es der Bevölkerung dadurch erschwert wird, an die nötigsten Lebensgrundlagen zu kommen. Nicht nur das, selbst, wenn die Nahrungsmittelzufuhr noch funktionieren sollte – oft gehen infolge der Kämpfe Arbeitsplätze und somit auch das Geld verloren, das die Menschen dringend für die Lebensmittel brauchen.

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Natürlich kann es aber noch viel schlimmer kommen – indem die Infrastruktur einer betroffenen Region völlig zerstört wird. Dann gibt es kaum mehr etwas, das funktioniert: Straßen sind von Trümmerteilen blockiert oder liegen selbst in Trümmern, Brücken stürzen ein, wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser werden dem Erdboden gleichgemacht. Selbst um die Gebäude, die dem zum Großteil entgehen können, steht es schlecht: Strom und Wasserzufuhr gehören immerhin auch zu den Dingen, die im Krieg häufig einfach abgeschnitten werden. Sämtliche Versorgungssysteme werden auf diese Weise komplett lahmgelegt, an die Beschaffung von lebensnotwendigen Medikamenten ist gar nicht zu denken.

Umso schlimmer ist es, dass es in beinahe jedem siebten Land der Welt Gebiete gibt, die sich in einem solchen Zustand befinden. Die drei Länder, die dabei am stärksten betroffen sind, machen dabei alleine schon 55 Prozent der Kriegsflüchtlinge aus. Diese sind: Syrien an der Spitze mit etwa 6,3 Millionen, Afghanistan mit 2,6 Millionen und an dritter Stelle der Südsudan mit 2,4 Millionen.

Einer dieser Flüchtlinge ist die Syrerin Doaa al-Zamel, die mit 19 aufgrund des Bürgerkriegs in ihrem Heimatland nach Ägypten floh. Ohne Arbeitserlaubnis war es ihr dort allerdings bloß möglich, am Rande der Gesellschaft zu leben. Als schließlich auch hier Flüchtlinge aus Syrien mit dem Ende der Regierung der Muslimbrüderschaft nicht mehr willkommen waren, beschloss sie, mit ihrem Mann einen Neuanfang in Europa zu suchen.

5000 Dollar, ihr gesamtes Erspartes, kostete sie das überfüllte Fischerboot, auf dem sie zusammen mit anderen Flüchtlingen den Ozean überqueren sollten. Am vierten Tag auf See stießen sie jedoch auf ein weiteres Schmugglerboot, das nach einem Konflikt ein Loch in ihr eigenes Boot rammte.

Sogleich begann das viel zu volle Fischerboot zu kentern, die etwa 300 Menschen, die unter Deck gefangen waren, hatten nicht die geringste Überlebenschance. Überall im Wasser schwammen Leichen, ein Kind wurde sogar von einem Propeller in Stücke zerrissen.

Die wenigen Überlebenden, zu denen auch Doaa gehörte, klammerten sich in Gruppen an herumtreibende Schiffsteile und begannen, zu beten – doch auch sie sollten nicht alle dazu kommen, Europa zu erreichen. Während sie auf Hilfe warteten, verloren viele von ihnen den Mut und nahmen ihre Rettungswesten ab, um sich dem Ertrinkungstod zu ergeben. Einer dieser Menschen übergab Doaa davor noch seine neun Monate alte Enkelin Melek und bat sie, sich um sie zu kümmern.

Auch Doaas Ehemann verstarb schließlich, während ihrer viel zu lang scheinenden Wartezeit. Dennoch nahm sie an diesem Tag auch noch ein weiteres Kind, die 18 Monate alte Masa, auf, deren Mutter bereits kurz vor dem Tod stand.

Ganze vier Tage lang musste Doaa mit den zwei ausgehungerten und durstigen Kindern auf See ausharren, die sie nur notdürftig mit Liedern und Geschichten von ihrer aussichtslosen Lage ablenken konnte. Als sie schließlich ein Handelsschiff sah, schrie Doaa zwei Stunden lang um Hilfe, bis deren Besatzung endlich auf sie aufmerksam wurde.

Die kleine Melek verstarb noch an Bord des Schiffes, doch Masa hat überlebt. Sie und Doaa, die inzwischen in Schweden lebt, zählen zu den insgesamt nur elf Überlebenden des Unglücks.

Quellen:

https://www.unhcr.org/5c52ea084.pdf

https://www.medico.de/krieg-und-gewalt-16488/

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/fluchtursachen/krieg-und-gewalt/

https://www.proasyl.de/thema/fakten-zahlen-argumente/

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/fluechtlinge-erzaehlen/doaa-aus-syrien/

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/buchempfehlungen/junge-erwachsene/doaa-meine-hoffnung/

Beitragsbild: ©Pexels auf Pixabay

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